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Yannick Brayenovitch, Pfarreirat der Pfarrei Tafers

Yannick Brayenovitch, Pfarreirat der Pfarrei Tafers, im Talk mit Martin Niederer. Yannick erzählt, wie er zu seiner Aufgabe im Pfarreirat gekommen ist und welche Arbeiten damit zusammenhängen. Es gibt wohl nicht viele 19jährige Pfarreiräte. Yannick sieht da Handlungsbedarf bei den Pfarreien, um auch den jüngeren Pfarreimitgliedern einen Zugang zu solchen Aufgaben zu erschliessen.
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Ein Gespräch mit Yannick Brayenovitch, Pfarreirat der Pfarrei Tafers

Hallo und herzlich willkommen zum KathTalk. Mein heutiger Gast ist erst vor kurzem volljährig geworden, übernimmt aber in der katholischen Kirche eine Aufgabe, die eher Erwachsene übernehmen, die ein, zwei Jahre mehr auf dem Buckel haben. Es ist Yannick, aus Tafers im Kanton Fribourg. Er ist 19 Jahre, macht eine Ausbildung als Zimmermann und ist jetzt seit einiger Zeit im Pfarreirat der Pfarrei St. Martin in Tafers tätig. Ich will wissen, wie es ihm als junges Mitglied geht, und was er in dieser Tätigkeit alles erlebt. Es freut mich, dass du da bist.
Es haben wahrscheinlich nicht alle Pfarreiräte ein so junges Mitglied. Wolltest du das schon immer werden?

Ich war schon immer am Spirituellen, Organisatorischen und am Geschichtlichen der katholischen Kirche interessiert. Ich bin katholisch aufgewachsen und habe gleich nach der Erstkommunion mit dem Messdienen begonnen. Das war sicher neben dem eigentlichen kirchlichen Spirituellen auch ein Einblick ins Organisatorische. Dann hatte ich das grosse Glück in der Pfarrei Kerzers der stellvertretende Sakristan zu sein. So hatte ich neben dem Messdienen auch noch den Einblick darin, was vor und nach der Messe passiert. Dass viel Organisation dahinter steckt. Dann durfte ich Messdienerleiter werden, was ich auch heute noch mit grossem Stolz bin. Und später hatte ich dann auch noch das grosse Glück, dass ich auch noch in den Pfarreirat durfte.

Du wirst ja zum Pfarreirat gewählt. Bist du da hineingerutscht oder hast du eine grosse Wahlkampagne gemacht?

Das war eine ganz spezielle Geschichte. Ich durfte mit dem Sakristan von Kerzen nach Rom gehen und eine Pilgerreise mit einer Messdienergruppe aus St. Gallen machen. Das ist jetzt 4 Jahre her und letztes Jahr wurde ich angefragt, ob ich nochmal als Leiter mitgehen würde. Als gläubiger Tourist und als Pilger sind wir natürlich in viele Kirchen hinein und dort haben wir viel gebetet. Eins meiner grossen Gebete war, dass Gott mir den Weg zeigen soll in meinem Leben und, dass Gott mich dort einsetzen soll, wo er will. Dann, am 16. Oktober, einem Samstag letztes Jahr, wurde ich 18 Jahre. Da sind wir nach Hause gekommen und ich habe am Abend noch eine Schützenhütte gemietet um mit meinen Freunden zu feiern. Am nächsten Tag ist mein Vater gekommen um mir zu helfen, die Hütte aufzuräumen und wir sind dann nach Tafers gefahren und ich dachte, dass es doch cool wäre, wenn es noch für die Messe reichen würde. Es war Sonntagmorgen und ich dachte, dass es nach einer Woche Pilgerreise super wär, wenn ich grad noch in meiner Pfarrei die Kommunion empfangen würde. Es hat dann leider nicht gereicht, aber es wurde besser. Wir sind in die Kirche hineingekommen und da stand grad der Pfarreirat vorne und hat gesagt, dass sie einen neuen Pfarreirat suchen. Da dacht ich: "Wow". Weil mich sowieso das Organisatorische sehr anspricht und sich dann noch so ein Zufall ergeben hat. Da war schon klar, dass ich mich dafür interessiere. Dann hab ich am nächsten Tag zugesagt, dass ich das machen möchte und bin dann so dazu gekommen. Wurde ein paar Monate später vereidigt und seither bin ich Pfarreirat.

Bei deiner Tätigkeit als Pfarreirat. Was waren deine Beweggründe für die Annahme dieses Amtes?

Sicher mal dieser Zufall, den es gegeben hat und das Interesse am Organisatorischen in der katholischen Kirche. Ausserdem finde ich es eine wahnsinnig coole Aufgabe, weil du deinen Beitrag in deiner Pfarrei selber bestimmen kannst. Und du kannst mitorganisieren und mitdenken. Ich habe das Ressort "Soziales und Kultur" bekommen. Das beinhaltet auch, dass ich bei verschiedenen Sitzungen von Wohltätigkeitsorganisationen teilhaben darf. Das interessiert mich sehr.

Was sind deine Anliegen, die du in den Pfarreirat hineinbringen möchtest?

Das grösste Anliegen ist, dass ich alles im Sinne von Gott machen möchte, dass ich es richtig für die Pfarreimitglieder mache und, dass es für mich stimmt.

Du hast gesagt, dass du sehr vielseitig mit anderen Organisationen bist. Gibt es Projekte, die du schon angeschoben hast, persönliche Erfolge?

Dazu ist zu sagen, dass jeder Pfarreirat sein Ressort hat. Neben meinem Ressort gibt es auch noch Finanzen, Kirchenliegenschaften usw. Jedes Ressort hat die kleineren und die grösseren Aufgaben. Bei den kleineren Aufgaben darf ich mich selber entscheiden und bei den grösseren Aufgaben entscheidet man bei den Sitzungen zusammen. Klar habe ich dabei ein paar Erfolge verbucht, sonst würde ich ja etwas falsch machen. Da habe ich z.B. unter anderem den Vertretern der Sozialorganisationen Spenden eingebracht oder ich habe das Anliegen einer bestimmten Organisation auf die Bezirksebene raufgebracht. Alles andere unterliegt leider dem Datenschutz.

Meinst du, dass gewisse Sachen damit zusammen hängen, dass du jung und erfrischend bist und gut rüber kommst?

Das weiss ich nicht. Es ist ganz klar, dass ich noch auf die Hilfe meiner Kollegen angewiesen bin. Ich bin erst seit einem Jahr dabei und erst 19 Jahre alt. Obwohl ich mich als vollwertiges Mitglied fühle und meine Stimme gleichviel Gewicht hat, bin ich trotzdem froh, dass ich bei Entscheidungen andere Kollegen anrufen kann und sie mir auch mit viel Geduld und Liebe helfen. Aber ob es jetzt eine Rolle spielt, weil ich ein Junger bin, oder nicht, kann ich nicht sagen. Sicher ist, dass jede Organisation die Dinge anders angeht. Von dem her bringe ich vielleicht ein wenig Abwechslung hinein.

Kannst du ein Beispiel machen, wo du deine Sicht hineingebracht hast, die den Andern auch geholfen hat?

Da muss ich jetzt überlegen, dass ich nichts vom Datenschutz erzähle.

Dann lassen wir das. Du hast gesagt, dass die Andern da sind für dich. Wie ist das, wenn ihr euch im Pfarreirat trefft? Nimmst du eine besondere Stellung ein, fragen sie dich nach deiner Meinung? Damit du die Seite der Jugend sagen kannst oder sagen sie: "Yannick, junger "Schnufer", keine Ahnung vom Leben, dem müssen wir nicht zuhören." Wie ist da deine Rolle im Pfarreirat?

Wie gesagt: Ich fühle mich als vollwertiges Mitglied. Ob sie so denken, weiss ich nicht. Aber ich denke nicht. Eine Sonderrolle spiele ich aber sicher nicht. Ich bin aber z.B. auch noch Messdienerleiter. Und wo es um die Kircheninnenrennovationen ging, konnte ich auch grad noch für die Messdiener mitreden. Aber sonst spielt das Jungsein nicht so eine Rolle. Aber es ist ganz klar, dass, wenn ich an einer Sitzung von anderen Organisationen bin, schon immer eine bestimmte Reaktion darauf bekomme, dass ich ein Jugendlicher bin. Die ist aber immer positiv. Ich geniesse immer sehr die Blicke und die Kommentare und die daraus entstehenden Gespräche.

Wie ist das in deinem Freundeskreis angekommen, als sie es gehört und erfahren haben? Was kamen da für Reaktionen?

Also die nichtgläubigen Freunde haben gedacht, dass ich irgendwie Gemeinderat werde. Die hatten keine Ahnung. Zu meiner Freude hat es die meisten dann aber interessiert. Dann konnte ich das ihnen auch näher bringen. Und die gläubigen Freunde waren erfreut und haben mir auch gut zugesprochen. Nur positiv. Und ich bin stolz, dass ich das machen darf.

Du bekommst positive Reaktionen aber schlussendlich bist du wahrscheinlich weit und breit der Einzige in deinem Alter, der im Pfarreirat ist. Was denkst du, sind da die Gründe dafür?

Ich hab noch nie jemanden in meiner Generation angetroffen, der so eine Rolle in der katholischen Kirche übernommen hat. Ich denke mal, dass du mir sicher recht gibst, wenn ich sage, dass die katholische Kirche, in den letzten zehn Jahren viele Angebot für die Jugendlichen auf die Beine gestellt hat. Der Weltjugendtag, das Adoray oder das Jugendfestival in Salzburg etc. Es gibt sehr viel attraktive, spirituelle und festmässige Angebote der katholischen Kirche. Was nun mal noch nicht so verlockend ist, ist das Organisatorische, das die Jugendlichen weniger anspricht. Ich habe jedoch das Glück, dass ich in einer Pfarrei bin, die sehr Jugendfreundlich ist. Ich denke, dass viele Jugendliche sich nicht bewusst sind, was für eine Erfahrung das sein kann, und dass sie überhaupt Zugang zu so etwas hätten. Ich empfehle jedem Jugendlichen, der die Möglichkeit hat, dass er es dort sofort versucht.

Du findest, dass die Jugendliche sich bewegen sollen. Hast du auch Ideen, wie man es sonst machen könnte, dass man die einen Stellen für die Jugendlichen mehr bekannt machen könnte?

Ich weiss nicht, wie es in den anderen Pfarreien ist. Vielleicht müssen die anderen Pfarreien mehr auf die Jugendlichen zugehen. Marienträger, Lektor, etwas in der Pastoralgruppe oder dem Pfarreirat. Von der Pfarrei aus müsste da sicher eine Bewegung auf die Jugend zukommen aber auch die Jugendlichen müssen sich mehr dafür interessieren. Sie müssten sich klar werden, was das eigentlich für eine Möglichkeit ist. Denn es gibt auch eine positive Lebenserfahrung.

Du hast beste Schleichwerbung für den Pfarreirat gemacht. Vielen Dank, Yannick, dass du Auskunft gegeben hast über deine Tätigkeit.
Vielen Dank liebe Zuschauerinnen und Zuschauer für das Interesse. Ich würde mich freuen, wenn ihr das nächste Mal wieder dabei seid. Wenn ihr immer auf dem Laufenden sein wollt, was grad läuft, dann geht auf die Facebookseite. Dort seid ihr immer auf dem Laufenden. Oder ihr abonniert den Newsletter von KathTalk. Bis dahin eine gute Zeit.


Mit Yannick Brayenovitch, Pfarreirat der Pfarrei Tafers, unterhielt sich Martin Niederer.
Fribourg, 16. Dezember 2011.
© 2011 HASLER4u GmbH


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