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Vinzenz Schaller über Taizé

Vinzenz Schaller über Taizé im Talk mit Sandra Berchtold. Vinzenz berichtet, wie er Taizé das erste Mal entdeckt und erlebt hat und was ihn seitdem jedes Jahr erneut an diesen Ort treibt. Welche Erinnerungen hat Vinzenz an Taizé? Wie sieht ein Tag in Taizé aus? Und was fasziniert ihn dort am Gottesdienst? Erfahren Sie es in diesem Talk!
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Ein Gespräch mit Vinzenz Schaller über Taizé

Guten Tag liebe Zuschauerinnen und Zuschauer bei KathTalk. Ich begrüsse sie ganz herzlich. Mein Name ist Sandra Berchtold und mein Gast ist Vinzenz Schaller. Er kommt aus Murten, ist 18 Jahre alt und geht ins 3. Jahr im Kollegium Gambach in Fribourg. Er war in den letzen drei Jahren jedes Jahr für ein paar Tage in Taizé. Heute wird er uns von seinen Erfahrungen und Erlebnissen erzählen. Vinzenz, herzlich willkommen und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst.
Du warst schon drei Mal in Taizé. Das ist ja in Frankreich. Wie hast du überhaupt von diesem Ort erfahren?

Das war vor drei Jahren, da war ich noch in der OS, in der Neunten. Da stand die Firmung vor der Tür und da hatten wir verschiedene Workshops. Ich hab mich damals für Taizé angemeldet. So kam ich nach Taizé.

Was hat dich so motiviert daran, dass du dich genau für diesen Workshop angemeldet hast?

Wir bekamen eine Beschreibung und einen Flyer und wir konnten uns einen DVD anschauen. Damals hat es mich angesprochen, weil es auch in Frankreich war und es vier Tage dauerte und ich auch mal weg von zu Hause konnte.

Warst du da allein?

Nein. Wir waren 15 Leute. Da sind wir mit Leitern von Murten zusammen nach Frankreich gefahren.

Hatten deine Kollegen die gleiche Motivation?

Zum Teil. Zwei sind mitgekommen, weil ich sie überreden konnte. Die anderen dachten: "Nein. Nicht extra lang. Keine vier Tage."

Nach Taizé seid ihr als Gruppe gereist. Und wart danach ein paar 1000 Jugendliche.
Hast du dort vor Ort neue Leute kennengelernt oder seid ihr immer in der Gruppe geblieben?

Am Anfang sind wir in der gleichen Gruppe geblieben. In der Kirche haben wir uns dann aber auseinander gesetzt und auch mit Andern Mittag gegessen und uns unterhalten. Manchmal hat man dann gemerkt, dass der Andere eine andere Sprache spricht und dann hat man es auf eine andere Sprache versucht. Dann ist man meist ins Gespräch gekommen. Mit Händen und Füssen. Mehrsprachigkeit war natürlich von Vorteil.

Was sind deine schönsten Erinnerungen, was nimmst du mit?

Die Kirche, die voll ist. Nicht eine ganz normale Kirche. Eine Kirche aus Stein, am Hang, ganz gross mit 2000 Menschen darin. Man sieht die Leute, das Licht ist schön und unten der Altar mit den Kerzen und den Farben. Das Zweite ist die Quelle. Da ist ein Park mit Blumen, Büschen, Bäumen, einer Quelle, einem Bach und einem Wasserfall. Da ist es ruhig. Es heisst überall: "Ruhe". Da hört man nur den Wasserfall und die Vögel. Da kann man sich entspannen.

Und da gehen alle hin?

Wenn man will, dann kann man da hin gehen. Es ist aber nicht vorgegeben. Wenn man Freizeit hat, kann man vorbei gehen und sich hinsetzen oder hinlegen. Das ist schön.

Du hast gesagt, die Kirche sei anders von den Farben her. Wie sieht die Kirche aus?

Sie ist aus Stein und Holz gebaut aber man sieht, dass es in erdigen Tönen gehalten ist. Überall an den Decken sind kleine Spots und das Licht ist gedämpft. Wenn die Türen offen sind, sieht man noch den Sonnenuntergang und das Licht. Man ist am Morgen, Mittag und Abend in der Kirche. Am Morgen ist es noch ein wenig dunkel, wenn man hineingeht und wenn man wieder hinaus kommt, ist es hell. Am Abend ist es genau umgekehrt. Wenn man hinein geht ist es noch hell, man hat schon gegessen, wird müde und wenn man hinausgeht, ist es dunkel. Es ist ganz anders. Da es ein paar tausend Leute sind. Normalerweise sind ja nur wenige in der Kirche. Aber dort ist es voll. Da stehen alle Menschen. Und das drei Mal am Tag.

Da sind ja vor allem Jugendliche, die dort sind, die drei Mal am Tag dort in die Kirche gehen. Wie ist es von der Stimmung her? Kannst du die Stimmung erklären?

Sie ist locker, ungezwungen, nicht steif, gemütlich und entspannend. Man singt und man kann zuhören oder selber mitsingen. Es ist einfach kein Zwang da. Wenn man die Augen zumacht, macht man die Augen zu oder legt sich hin, wenn Platz ist. Man kann machen, was man möchte. Das kann man sonst nicht.

Und so in den drei Mal, in denen du dort in der Kirche bist und gesungen und nachgedacht wird, was bringt dir das? Was bringt dir die Zeit in der Kirche, was macht es mit dir?

Man kann über sein Leben nachdenken. Über sich selber, über die Schule, Familie und Kollegen. Und wen man zwei, drei Mal dort ist, dann überlegt man, wie es letzes Jahr gewesen ist, und was sich verändert hat. Welche Fortschritte man gemacht hat, welche Rückschläge man erlitten hat und dass man aber doch stark genug gewesen ist, um vorwärts zu machen. Man hat diesen Rückblick.

Und das, worüber ihr nachdenkt, redet ihr da nachher auch miteinander darüber, oder ist das nur für dich?

Das Meiste ist für mich selber. Meistens sind es ganz persönliche Sachen, die nicht jeder wissen muss. Aber ein paar Sachen erzählt man schon.

Das erste Mal, als du angekommen bist, gab es da irgendetwas, wo du gedacht hast, dass es dir fremd ist und du damit nicht klar kommst?

Das ist eine Einstellung. Man hat einen geregelten Tagesablauf. Man ist an einem anderen Ort, die Sprache, das Essen, etc. ist anders. Wir haben keinen Tisch mit Gabel, Messer, Löffel und einem Glas, sondern bekommen unser Essen auf einem Plastikteller und können uns dann irgendwo hinsetzen, wo es Platz hat. Das grösste Problem ist natürlich die Sprachbarriere, die mit 15/16 Jahren noch da ist. Man hat dann vielleicht drei oder sechs Jahre die Fremdsprache in der Schule, wenn man nicht bilingual ist. Dann kann man nicht viel diskutieren. Aber sonst gibt es nichts Schlimmes.

Du hast vorher den Tagesablauf angesprochen. Ein Tagesablauf in Taize. Der ist ja immer ein wenig gleich. Kannst du kurz erklären, wie so ein typischer Tag in Taizé abläuft?

Man wacht in einem Zelt auf, da man in einer Zeltstadt lebt. Zum Frühstück gibt es dann Tee und Brot und anschliessend geht man in die Kirche. Dort wird gesungen. Das geht etwa 45 Minuten. Dann hat man Freizeit, geht in die Workshops, hört zu, hat wieder Freizeit und geht dann anschliessend Mittag essen. Danach ist wieder Kirche, dann wieder Freizeit, dann Workshop, dann ein Ländertreffen, mit der Gruppe vom Morgen oder einer neuen Gruppe oder man hat Freizeit. Dabei kann man sich die Stadt anschauen oder eben zur Quelle gehen. Danach isst man zu Abend und geht anschliessend runter in die Kirche. Am Abend geht das etwa eine Stunde. Aber es ist nicht: "Oh jetzt muss ich eine Stunde in die Kirche sitzen." Es ist wirklich gemütlich und man freut sich darauf. Weil es wirklich auch anders ist. Man singt, hat es gemütlich und am Abend, wenn die Kirche fertig ist, kann man noch etwas trinken. Da hat es einen Stand, wo man Bier, Wasser oder Cola trinken oder Pizza essen kann. Nachher geht man schlafen.

Am Abend, wenn ihr dort an dem Stand seid und ein wenig zusammen seid, kommt man da auch wieder ins Gespräch mit Andern, oder ist man nur unter sich?

Beim ersten und zweiten Mal war es weniger, da man einfach zu jung ist. Die Andern sind um die 20 und man selber ist erst 15. Da kommt man nicht so ins Gespräch. Aber jetzt wo man auch so in dieses Alter kommt, kommt man auch ins Gespräch. Vor allem mit denen, die nicht in der Gruppe sind, unterhält man sich. Dann stellt man sich hin, fragt woher man kommt und da kommt man schon ins Gespräch.

In den Workshops redet man ja vor allem über die Glaubenssachen. Da wird ein Bibeltext von einem Bruder aus Taizé vorgestellt und dann redet man in Kleingruppen über den Text, oder auch die eigenen Erfahrungen, die man gemacht hat. Wie war das das erste Mal für dich, in so einer Gruppe, in der zum Teil auch neue Leute drin sind, über Glaubensfragen und Glaubenssachen zu sprechen?

Es war nicht so einfach. Das war ja sehr persönlich. Ausserdem spricht man ja noch in einer anderen Sprache. Da ist eine gewisse Hemmung. Wenn man nachher aber einen Text liest und über diesen spricht und seine Meinung sagen kann, dann ist es angenehmer. Dann erfährt man auch, was der andere denkt und man kommt in den Austausch. Aber es ist schwierig. Wenn man aber nicht möchte, muss man nichts sagen. Dann hört man zu.

Also diskutiert ihr mehr auf sachlicher Ebene?

Ja.

Und jetzt, das dritte Mal dieses Jahr, hast du einen Unterschied gemerkt in den letzen drei Jahren, in denen du älter geworden bist? Ist es immer noch auf der sachlichen Ebene oder kommt nun auch mehr Persönliches hinzu?

Es bleibt am Anfang mehr sachlich, aber wenn man dann vielleicht jemanden wieder sieht, dann kommt man mehr ins persönliche Gespräch. Wenn aber wieder Andere neu hinzukommen, ist die Hemmschwelle wieder da. Aber wenn man jemanden wiedertrifft, hat man sich auch angefreundet und spricht über private Sachen.

Wieso denkst du, ist diese Hemmschwelle da, dass man die Sachen auf der sachlichen Ebene diskutiert? Das eine ist ja, dass der Glaube etwas Persönliches ist. Etwas, das man für sich behält. Was ist der Grund, dass man es für sich behalten möchte?

Das entwickelt man selber. Als Kind geht man in die Kirche, spricht vielleicht mal mit den Eltern darüber. Wenn man mit Gott betet, ist das so persönlich. Da weiss niemand, was man da betet.

Wie reagiert dein Umfeld? Das erste Mal bist du ja nach Taizé im Zusammenhang mit dem Firmweg gegangen. Das war ein Grund. Danach bist du aber nochmals und nochmals gegangen. Wie hat dein Umfeld darauf reagiert, dass du nach Taizé gegangen bist? Das hat mit Glauben und Kirche zu tun.

Die Meisten schauten verwundert. Aber dachten: "Okay. Ich muss nicht mit." Aber bei den guten Kollegen ist das Verständnis da. Manche spielen Fussball. Das finde ich langweilig. Aber vielleicht finden sie meine Interessen auch langweilig. Aber da ist Toleranz da.

Jetzt warst du schon drei Mal dort. Was würde dich reizen noch ein viertes Mal zu gehen?

Die Entspannung. Dass man in so einer grossen Gemeinschaft entspannen, alleine sein und einfach mal abschalten kann. Nicht wie in den Ferien in der Karibik. Aber an einem anderen Ort zu sein, sich anzupassen und sich zu entspannen. Man fühlt sich sicher, behaglich und zu Hause.

Wie war es für dich, wenn du nach ein paar Tagen in Taizé, wieder zurück in den Alltag gekommen bist?

Taizéheimweh. Ich wollte immer zurück, nach da, wo es gemütlich und angenehm ist. Nachher musste man wieder zurück zu den Prüfungen, dem Stress und dem Alltag. Und dann freut man sich wieder aufs nächste Jahr.

Wirst du wieder gehen?

Ja.

Vielen Dank fürs Gespräch und ich wünsche dir weiterhin auch viele schöne Erfahrungen und viele neue Eindrücke, wenn du wieder nach Taizé gehst.
Ich möchte mich auch bei Ihnen, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, herzlich fürs Interesse an diesem Gespräch bedanken. Sie können KathTalk auch auf Facebook besuchen oder den Newsletter auf der Homepage abonnieren. Es würde mich freuen, wenn Sie auch das nächste Mal wieder dabei sind.


Mit Vinzenz Schaller über Taizé unterhielt sich Sandra Berchtold.
Fribourg, 25. November 2011.
© 2011 HASLER4u GmbH


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