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Simone Dollinger, Bundespräses Jubla

Simone Dollinger, Bundespräses der Jubla, im Talk mit Martin Niederer. Frau Dollinger erzählt von ihren Erfahrungen, die sie als junges Mädchen im Blauring gemacht hat und erklärt, warum die heutige Jubla immer noch katholisch ist, auch wenn der religiöse Inhalt stark abgenommen hat. Der Grundatz "Glaube leben" sei nach wie vor im Leitbild der Jubla verankert und ermögliche halt mehr indirekte Erfahrungen des Glaubens, z.B. im fairen Umgang miteinander oder in der Achtung vor der Schöpfung.
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Ein Gespräch mit Simone Dollinger, Bundespräses der Jubla.

Herzlich willkommen. Ich begrüsse Sie zu einer weiteren Ausgabe von KathTalk. Mein heutiger Gast ist Simone Dollinger. Sie ist das neue Gesicht der Jubla, dem katholischen Kinder- und Jugendverband der Schweiz, dem grössten Jugendverband, den wir hier in unserem Land haben. Simone Dollinger hat Theologie studiert, hat danach mehrere Jahre als Pastoralassistentin in zwei Pfarreien gearbeitet und ist nun seit März die neue Bundespräses in der Bundesleitung der Jubla. Darum wollen wir sie auch heute fragen, wie es ist, bei der Jubla dabei zu sein und wie die Zukunft aussieht. Simone Dollinger. Herzlich willkommen. Schön bist du da und nimmst dir die Zeit für dieses Gespräch.

Ich habe von dir gehört, dass du als kleines Mädchen schon beim Blauring dabei warst. Wenn du dich an deine Kindheit zurück erinnerst, was waren deine wichtigsten Erlebnisse, die du aus dieser Zeit mitgenommen hast?

Für mich waren die ersten Sommerlager, die ich miterleben durfte, sehr wichtig. Ich kann mich gut erinnern, dass ich schon ins erste Lager mitgegangen bin. Das war ein extremes Erlebnis. Das Lager selbst, aber auch von den grossen Leiterinnen  begleitet zu werden. Was mir auch in Erinnerung geblieben ist, war das erste Mal von zu Hause weg zu gehen und auch wieder zurück zu kommen. Der erste Schritt zur Selbstständigkeit. Das hat mich sehr geprägt. Ich bin immer mitgegangen. Jedes Jahr.

Du erwähnst jetzt die Sommerlager. Die Jubla ist für das Lagerleben sehr bekannt. Jetzt hat die Jubla aber auch einen  religiösen Hintergrund. Inwiefern hat dich der Blauring religiös geprägt?

Es war zu dieser Zeit natürlich noch selbstverständlich, dass Blauring und Jungwacht immer wieder an Gottesdiensten teilgenommen hat. Wir waren auch immer auf der Wallfahrt nach Mariastein dabei. Von dem her hat mich das schon geprägt. Aber nicht nur der Blauring. Ich war auch in anderen kirchlichen Angeboten, wie den Ministranten, Firmung 18 +, sehr engagiert. Das hat mich sehr geprägt.

Schlussendlich hast du Theologie studiert. War es der Blauring, der dich auf das gebracht hat? Waren da auch andere Sachen, die ausschlaggebend waren?

Ich denke, es war alles miteinander. Ich konnte im Blauring ein Flair für besinnliche Momente entwickeln. Wenn der Präses fragte, wer mitmachen wollte, dann war ich immer dabei. Das waren wichtige Momente. Aber nicht nur. Es waren auch noch andere Sachen, die mich in dieser Zeit fürs Studium motiviert haben.

Nachher warst du auch Leiterin. Scharleiterin. Welche Erfahrungen hast du dort gemacht, die du in deine Tätigkeit als Bundespräses mitgenommen hast?

Ich war nicht Scharleiterin sonder nur Leiterin. Aber auch nicht für eine sehr lange Zeit, weil ich bald darauf das Studium angefangen habe und von meinem Ort wo ich gelebt habe, weg gegangen bin. Ich denke, dass meine eigene Tätigkeit als Präses in zwei Pfarreien, mich fast mehr  geprägt hat, als meine Arbeit als Bundespräses. Für mich war wichtig, nach dem theoretischen Studium auch wieder in den Kontakt mit Jugendlichen zu treten und zu merken, dass es vor allem sehr wichtig ist, präsent zu sein. Ich war in der privilegierten Lage, dass mir in meinem Pensum als vollamtliche Seelsorgerin, sehr viel Zeit für die Tätigkeit eingeräumt wurde. Dies ist heute nicht mehr so selbstverständlich. Es gibt viele, die das so nebenher oder  auf freiwilliger Basis machen müssen. Da ich so präsent war, konnte ich Beziehungen zum Leitungsteam knüpfen und so auch merken, wie wichtig es ist, beratend und begleitend dabei zu sein. Das spielt eine sehr wichtige Rolle.

Diese begleitende Rolle nimmst du jetzt auch als Bundespräses sehr wichtig?

Das ist ein Charakteristikum der Präses der Jungwacht Blauring, dass sie eher so eine begleitende und  beratende Funktion haben. Dies würde ich jetzt in dem Sinn auf einer anderen Ebene wahrnehmen. Mehr bei den Kantonspräses.

Jetzt bist du in der Bundesleitung als Bundespräses  zusammen mit dem anderen Bundespräses verantwortlich für die Fachstelle „Glauben und Kirche“. Was willst du, im Bezug auf  Jugend und Kirche, Jugend und Glauben, für neue Impulse setzen?

Ich habe ja erst am 1.März angefangen. Wir sind das noch ein bisschen am organisieren.

Wir schauen, wo wir die Schwerpunkte setzen können und wer welche Schwerpunkte setzt. Was ich jetzt schon sehe, ist, dass es wichtig ist, dass wir in den kirchlichen Gefässen, in denen es um Jugend und Kirche geht, präsent sind und uns engagieren.<br>

Zum Beispiel?

Es passt zwar grad nicht in dieses Zeit, aber man muss frühzeitig anfangen: Zum Beispiel der Adventskalender für junge Erwachsene und Jugendliche, der jedes Jahr herauskommt. Dafür muss man Beiträge machen und überlegen, welches Themen es sein könnten, welche die Jugendlichen ansprechen. Dies ist ein Punkt. Ein anderer Punkt, den wir sehen, ist auch das ganze Thema „Gerechtigkeit“. Die Bewahrung der Schöpfung und wie wir dort die Jugendlichen sensibilisieren können. Jungwacht-Blauring hat auch eine enge Verbindung zum Fastenopfer. Dort werden wir auch wieder Schwerpunkte setzen, was in letzter Zeit nicht so oft möglich gewesen ist.

Dann wird auch der Aspekt der 3.Welt, das Projekt der Zusammenarbeit, im Vordergrund stehen?

Genau. Es geht vor allem darum, zu schauen, wie man die Jugendlichen für diese Themen sensibilisieren kann. Mit welchen Formen. Spielerische Formen etc. Daneben gibt es natürlich auch das Partnerschaftsprojekt von Jungwacht-Blauring mit den Philippinen, einer anderen Jugendorganisation.

Wenn wir in die Richtung der Gerechtigkeit gehen: Grade beim Adventskalender höre ich immer wieder Stimmen, die sagen, dass Jungwacht-Blauring nicht mehr so katholisch sei. Du hast vorher gesagt, dass früher, als du noch beim Blauring dabei gewesen bist, dies noch selbstverständlich gewesen sei. Heute ist die Verbindung der Jubla zur katholischen Kirche nicht mehr so stark. Auch weil die Glaubensvermittlung nicht mehr so stattfindet und der Bezug zur katholischen Kirche, zu den Pfarreien nicht mehr so gross ist. Wie reagierst du auf diese Vorwürfe? Sind diese deiner Meinung nach gerecht?

Ich denke, dass diese Vorwürfe mit dem zusammen hängen, dass man nicht so mitbekommen hat, dass sich das gesellschaftliche Umfeld auch verändert hat. Früher war es wirklich so, dass die Scharen sehr eng an eine Pfarrei, ans Pfarreileben angebunden waren. Mit regelmässigen Teilnahmen am Gottesdienst. Z.B. an Prozessionen, Palmbinden, und andere Sachen. Es war ja dann auch meistens der Seelsorger vor Ort, meist ein Priester, welcher der Präses war. Dieser war dann auch sehr nah am Geschehen dran. Heute muss man auch sehen, dass sich diese Strukturen der Pfarreien verändert haben. Und natürlich auch die der Kinder und Jugendlichen, die in der Jubla sind. Diese haben z.T. keinen katholischen Hintergrund mehr.

Von der Erziehung her, die sie von den Eltern bekommen haben, oder auch sonst?

Ich denke, dass es ein gesamtgesellschaftlicher Trend ist, dass diese religiöse Tradierung nicht mehr einfach so automatisch passiert. Und auch, dass wir hier in der Schweiz ein bisschen bunter geworden sind. Es gibt nicht nur Menschen mit einem christlichen Hintergrund, sondern auch andere Religionen. Dies widerspiegelt sich dann auch in der Jubla. Aber man muss dazu sagen, dass noch immer die meisten Scharen in eine Pfarrei integriert sind und den Bezug zur Pfarrei noch immer haben. So kommt es durchaus immer noch vor, dass man an einem Gottesdienst teilnimmt, oder beim Vorbereiten fürs „Eiertütschen“ hilft und somit doch auch die kirchlichen Elemente weiterträgt. Nur mehr im Gelebten. Es geht nicht mehr primär um die Glaubensvermittlung, sonder auch um andere Aspekte. Z.B. eine Gemeinschaft zu pflegen. Ich kann mich gut an die Anlässe, die die Jubla nach dem Osternachtsgottesdienst vorbereitet hat, erinnern. Das war der Moment im Kirchenjahr, wo die Pfarrei, sowohl Reformierte wie Katholiken, zusammengekommen sind, um miteinander Ostern zu feiert und die Gemeinschaft zu pflegen. Ein sehr wichtiger Punkt.

Aber wenn du sagst, dass ihr bunter geworden seid: Wieso nennt  ihr euch dann noch immer katholischer Kinder- und Jugendverband?

Man muss natürlich sehen, dass wir noch immer sehr stark in katholische Strukturen eingebunden sind. Dies ist auch auf dieser Bundesebene sehr wichtig. Da merke ich, dass wir in katholischen Gefässen drin sind, wo wir uns auch weiterhin einbringen möchten. Dies ist auch bei den Pfarreien, bei den Scharen, noch immer so. Diese Einbindung ist noch immer vorhanden. Von dem her bezeichnet sich die Jubla noch immer als katholisch.

Ich habe ein Interview gehört, mit einem Scharleiter, der gesagt hat, dass sie vielleicht drei Mal zur Kirche gehen und auch vor dem Essen nicht mehr gebetet wird. Möchtest du, dass es wieder mehr in die Richtung geht? Oder findest du dies nicht entscheidend für die Jubla?

Die Jubla hat einen Grundsatz in ihrem Leitbild, der heisst: „Glauben leben“. Der Akzent liegt auf dem „Leben“. In der Jubla wird der Glauben in den Aktivitäten gelebt. Weniger in ganz expliziten Formen. Das gibt’s natürlich auch. Als Präses habe ich immer darauf geachtet, dass es im Lager einen Moment der Besinnung gibt. Wir sagen jedoch, den Glauben zu leben, bedeute, miteinander fair umzugehen, auf die Schöpfung zu achten, Konflikte fair auszutragen und Andere in ihrem Anders-sein zu respektieren.

Wenn wir jetzt den Blick noch ausweiten auf die Zukunft:. Es hat die Fusion gegeben von Jungmacht Blauring 2009. Du als Bundespräses kannst jetzt sicher auch Neues hineinbringen. Welches sind so deine Ziele, deine Anliegen?  In welche Richtung willst du mit der Jubla gehen?

Ich möchte nicht so sehr meine Sachen hineinbringen, sondern eher das mittragen, was momentan bereits geplant ist. Da ist ein sehr spannendes Projekt am Laufen, welches von der Bundesversammlung „Open Jubla“ verabschiedet worden ist. Man möchte sich noch stärker für Kinder mit Migrationshintergrund und bildungsschwachen, bildungsfernen Schichten öffnen. Dies hat natürlich auch den Grund, dass man schauen möchte, dass man mehr Mitglieder gewinnen kann. Aber nicht nur deshalb, sondern auch, weil es auch ein sehr starkes gesellschaftliches Signal ist. Für mich als Bundespräses möchte ich dies auch aus der theologischen Sicht betrachten, da, wenn eine Pfarrei mit einer Jublaschar, die sich auf einen solchen Prozess einlässt, engagiert, ist dies auch ein sehr starkes diakonisches Zeichen. Dies ist eine grosse Chance.

Mit der „Open Jubla“ habt ihr ein grosses Projekt vor euch. Für deine Arbeit, für deinen neuen Anfang wünsche ich dir alles Gute. Vielen Dank, dass du dir für dieses Gespräch die Zeit genommen hast.
Auch Ihnen, liebe Zuschauer danke ich sehr herzlich für Ihr Interesse. Ich freue mich, wenn Sie nächsten Monat wieder dabei sind. Ich wünsche Ihnen eine schöne Fasten- und Osterzeit. Auf Wiedersehen.


Mit Simone Dollinger, Bundespräses der Jubla, unterhielt sich Martin Niederer.
Fribourg, 25. März 2011.
© 2011 HASLER4u GmbH


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