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Sandra Berchtold, Leiterin Juseso Deutschfreiburg

Sandra Berchtold im Talk mit Martin Niederer. Frau Berchtold erzählt von Ihrer Arbeit als Jugendseelsorgerin in Deutschfreiburg. Wie knüpft Sie den Kontakt mit den Jugendlichen? Was ist ihr wichtig im Umgang mit ihnen? Erfahren Sie es in diesem Video.
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Ein Gespräch mit Sandra Berchtold, Leiterin der Fachstelle Jugendseelsorge Deutschfreiburg.

Hallo und herzlich willkommen zu KathTalk. Mein heutiger Gast ist Sandra Berchtold. Sie ist Jugendseelsorgerin der katholischen Kirche, 30 Jahre alt, wohnt in Zuchwil bei Solothurn und arbeitet seit gut einem Jahr auf der regionalen Fachstelle der Jugendseelsorge der katholischen Kirche im deutschsprachigen Teil im Kanton Fribourg. Dort berät sie die Pfarreien in der kirchlichen Jugendarbeit und arbeitet auch in der Kantonsleitung der „Jubla“. Herzlich willkommen. Schön, dass du dir Zeit nimmst für dieses Gespräch.

Als junges Mädchen hast du sicher nicht davon geträumt Jugendseelsorgerin zu werden. Wie ist es dazu gekommen?

Ich wollte immer etwas Soziales machen. Etwas Kreatives. Mir war wichtig, dass, wenn ich abends nach Hause komme, ich etwas Sinnvolles gemacht habe. Damals bin ich überhaupt nicht auf die Jugendseelsorge gekommen, sonder habe Pflegefachfrau gelernt und auf diesem Gebiet gearbeitet. Ich brauchte jedoch, nachdem ich nach meinem Diplom vier Jahre gearbeitet hatte, ein Jahr Pause. Ich wollte ein wenig reisen und die Welt erkunden. Ich merkte dann aber, dass man Geld dafür braucht. Mir fiel dann wieder ein, dass die Jugendseelsorge Thurgau immer Praktikumstellen für junge Abiturienten anbietet. So bin ich zur Jugendseelsorge gekommen.

Du hast nach der Projektmanagerin noch die Ausbildung als Jugendseelsorgerin angehängt. Wieso hast du überhaupt damals ein Praktikum angefangen? Wieso wolltest du noch in die Jugendseelsorge?

Ich wollte damals wegen einem Praktikum anfragen. Der Stellenleiter hat mich aber noch aus der Jugendzeit gekannt. Er meinte, dass noch eine Projektmitarbeiterstelle frei sei und ob ich mich nicht auf diese bewerben wolle. So habe ich dann direkt als Projektmitarbeiterin angefangen. Ich habe dann dort gemerkt, dass ich die Pflege nicht vermisse, da ich plötzlich das machen konnte, was ich wollte. Mit Menschen arbeiten, kreativ sein und etwas Sinnvolles machen. Als Jugendliche blieb ich der Kirche eher fern. Mit 14/15 Jahren wollte ich nichts mit der Kirche zu tun haben. Ich bin der Kirche erst näher gekommen, als ich in der 3. Oberstufe bei einem Angebot mitmachte, wo man für ein Wochenende freiwillig mitgehen konnte. Dieses Wochenende habe ich dann mit Gleichaltrigen verbracht und wir haben uns Gedanken über uns selber gemacht. Wo wir hinwollen, unsere Wünsche, Ziele etc. Dort hat der Glaube immer eine Rolle gespielt. Aber auf eine ganz andere Art und Weise, als ich es mir aus dem Religionsunterricht und dem Gottesdienst gewohnt war. Das hat mir damals total gefallen. Dann habe ich mich dazu entschlossen, das mitzuleiten. Die Jugendseelsorge im Thurgau war nicht so gross, dass sie ein ganzes Wochenende für 60 Jugendlichen gestalten konnten, sondern brauchten auch immer ehrenamtliche junge Leute, die das geleitet haben. Dies habe ich dann einige Jahre gemacht, bis ich 22 Jahre alt war. Ich habe auch immer Kindersommerlager mitgeleitet. Das hat mir immer sehr gefallen. Und als ich gedacht habe, dass ich eine Pause machen will, bin ich wieder auf die Jugendseelsorge zurück gekommen. Weil ich dort die Leute gekannt habe und gewusst habe, dass ich das immer gern gemacht habe. Darum habe ich für das Praktikum dort angefragt und hatte Glück, dass gerade eine Stelle frei war und sie mich dann auch genommen haben. Später habe ich den Nachdiplomkurs für kirchliche Jugendarbeit gemacht. Das hat mir sehr viel praktisches Wissen gegeben. Jedoch habe ich dann aber gemerkt, dass das theologische Wissen noch fehlt, da ich auch Firmkurse begleitet habe. So habe ich dann noch die katechetische Ausbildung gemacht und dann angefangen Religionsunterricht zu geben.

Fast perfekt ausgebildet hast du jetzt vor einem Jahr die Stelle in Deutschfreiburg angetreten. Was ist dir besonders wichtig? Worauf achtest du?

Mir ist ganz wichtig, dass ich authentisch bin. Ich bin jetzt nicht die, die zu den Jugendlichen gehen kann und sie wahnsinnig begeistert. Da bin ich manchmal mehr der organisatorische Typ. Der, der kontrolliert, dass alles mit den rechten Dingen abläuft. Darum bin ich eher für Fachstellen geeignet als direkt in der Pfarrei eingesetzt zu werden. Mir ist es wichtig, dass ich die Jugendlichen so nehme, wie sie sind, offen bin und Interesse zeige. Was gerade Mode in der Kleidung und in der Musik ist. Die neuesten Techniken wie Facebook und iPhone. Dass man weiss, was läuft. Das heisst jedoch nicht, dass ich alles mitmachen und nachmachen muss. Das wäre ja wieder nicht ich. Wenn wir einen Anlass oder ein Lager haben, möchte ich mithöre, über was sie reden und mit Ihnen diskutieren können, wenn sie z.B. sagen, dass sie mit der Kirche nichts anfangen könnten.

Du kommst dann im Lager in Kontakt mit den Jugendlichen. Was sind andere grosse Fragezeichen, die die Jugendlichen haben, Fragen wegen der katholischen Kirche, etc.?

Jeder Mensch macht sich Gedanken über den Sinn des Leben. Gedanken darüber, ob es ein Leben nach dem Tod gibt, ob es etwas Höheres gibt, wie Gott oder eine andere Macht. Das Problem ist nur heute so, dass es eigentlich kein Thema in der Schule ist. Darüber redet man nicht. Man weiss manchmal nicht mal vom besten Freund, ob er katholisch, evangelisch, etc. ist. Und wenn man es weiss, weiss man vielleicht nicht, ob er das auch aktiv erlebt, oder nur dabei ist, weil er getauft wurde. Sie machen sich aber darüber Gedanken, obwohl man nicht darüber redet. Für mich ist es dann die Herausforderung, dass ich diese Plattform schaffe, dass sie sich untereinander austauschen können. Was auch eine Erscheinung unserer Zeit ist, ist, dass Jugendliche und vor allem Kinder nicht mehr gleich wie ich aufwachsen. Wir sind regelmässig in den Gottesdienst gegangen. Es war normal. Für viele ist der Gottesdienst sehr fremd. Und wenn sie einmal gehen, ist es komisch und dann kommen die Fragen wie: „ Wieso machen sie das? Wieso stehen sie auf und knien nieder?“

Wie machst du das von der Fachstelle aus? Um dem „Nichtwissen“ entgegen halten zu können?

Es ist jetzt nicht so, dass ich mit den Jugendlichen in den Gottesdienst gehe und zeige, wie es läuft. Ich möchte ihnen einfach eine Plattform bieten, wo man über die Fragen reden kann. Dann kommt man automatisch auf diese Fragen und kann miteinander diskutieren. Da wo ich wohne, leite ich auch noch den Firmkurs. Dort wird es natürlich dann noch ein wenig komplizierter. Wir besprechen dann die ganzen Symbole und veranstalten einen Jugendgottesdienst , wo sie dann auch wieder damit in Berührung kommen. Mit dem Raum der Kirche etc. Da kommen sie dem Ganzen auch wieder näher. Würde man sofort die Firmung durchführen, wäre alles noch sehr fremd für die Jugendlichen.

Was sind Beispiele für Projekt oder Anlässe, die bei den Jugendlichen gut ankommen? Wo kannst du sagen: „Hier hole ich die Jugendlichen ab.“

Das ist ein wenig schwierig. Grade in Deutschfreiburg bin ich ja noch nicht lange dabei. Wir sind jetzt langsam dabei, Projekte zu erarbeiten. Ich bin nicht alleine in der Fachstelle. Mir ist es auch wichtig, wenn wir uns neue Sachen ausdenken, dass wir auch Jugendliche ins Boot holen. Damit, wenn Jugendliche Ideen haben, wir sie unterstützen können, es umzusetzen.

Was kommen denn für Ideen von den Jugendlichen?

Da geht es meisten darum, Zeit miteinander zu verbringen. Vor kurzem sind auch Jugendliche gekommen, die an den Weltjugendtag nach Madrid wollen. Da haben sie dann um Unterstützung gebeten. Da sind wir auch sehr froh, dass sie auf uns zukommen.

Wie kommen sie auf dich? Geht das durch die Pfarrei? Oder wie wissen sie, dass es dich gibt?

Die Pfarreien wissen sicher einmal, dass es uns gibt. Ich bin in jede Pfarrei gegangen, um mit den Verantwortlichen der Jugendarbeit das Gespräch zu suchen. Damit sie mich auch kennen und wissen, wofür die Fachstelle da ist. Es ist eine unserer Hauptaufgaben, die Pfarrei zu unterstützen und zu begleiten. Das ist die eine Schiene, wo die Jugendlichen uns finden können. Dann bin ich Kantonspräses der Jubla. Ich begleite Scharen der Jubla oder bin bei den Ausbildungskursen dabei. Dort lernen sie mich auch von einer anderen Seite kennen. So wissen sie, wer ich bin und können auf mich zu kommen.

Bei der Jugendfachstelle kommt vieles von unten. Die Jugendlichen kommen selber etc. Wie ist der Bezug zur offiziellen Kirche? Was hat der Bischof für einen Einfluss? Wie wichtig ist dir der Bezug zum Bischof, zum Jugendbischof?

Einen Bischof haben wir zur Zeit im Bistum Fribourg-Lausanne-Genf ja noch keinen. Da können wir keinen Bezug zueinander nehmen. Dann kommt natürlich auch noch dazu, dass wir Deutschsprachige und Welsche haben. Mir ist es sehr wichtig, mit der welschen Jugendseelsorge etwas zusammen zu machen. Vom Jugendbischof ist mir auch sehr wichtig, ihn bei Anlässen zu sehen und den Bezug zu ihm zu haben. Aber ich suche ihn jetzt nicht aktiv. Mir ist vor allem die Basisverbindung zur Pfarrei sehr wichtig. Dass von dort vor allem die Unterstützung kommen kann. Es ist noch immer so, dass die Ressourcen für die Jugendseelsorge sehr gering ist. Oftmals haben sie gute Ministrantengruppen und Jublas und das ist dann ein grosser Teil, der läuft. Aber für die Angebote oder Projekte für offene Jugendseelsorge, für die Jugendliche, die dem Ministrieren und der Jubla fern sind, ist nichts da. Für die fehlen oftmals auch die Ressourcen, dass man auch für sie etwas machen kann.

Was ist denn dein Wunsch für die Jugendseelsorge? Geht es um Geld, oder auch um etwas anderes?

Es geht natürlich auch um gute Leute. Es nützt nichts, wenn man viel Geld hat, wenn man dann aber mit den Jugendarbeitern nicht bei den Jugendlichen ankommt. Es ist nicht wichtig, dass man ein gutes Büro mit einer guten Infrastruktur hat, sondern, dass man raus geht, zur Lebenswelt der Jugendlichen. Wenn man dort den Kontakt sucht, findet man ihre Bedürfnisse ganz einfach heraus. Die Frage, wie kirchliche Jugendarbeit in Zukunft aussehen wird, beschäftig mich sehr. Die kirchliche Jugendarbeit hat eine sehr grosse Vergangenheit. Es wurde sehr viele gemacht. Da hatte es aber noch nicht so viele Angebote, wie es heute gibt. Heut gibt es Sportvereine, so viele Sachen, die die Jugendlichen machen können. Da steht die Kirche dann natürlich weit hinten. Da stellt man sich dann schon die Frage, wie man kirchliche Jugendarbeit überhaupt noch ausüben kann. Was gibt es für Formen, die noch tragen?

Ich wünsche dir für diesen Weg, für das Herausfinden, wo die Jugendseelsorge hingehen soll, alles Gute, die guten, richtigen Leute, die die Jugendlichen begeistern können. Vielen Dank warst du da, und hast dir Zeit genommen für das Gespräch und die interessanten Einblicke in deinen Alltag.
Und auch euch liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, danke ich vielmal fürs Interesse. Es würde mich freuen, wenn ihr das nächste Mal wieder mit dabei wärt. Bis dahin eine gute Zeit.


Mit Sandra Berchtold, Leiterin der Fachstelle Jugendseelsorge Deutschfreiburg, unterhielt sich Martin Niederer.
Fribourg, 17. Juni 2011.

© 2011 HASLER4u GmbH


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