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Pavel Zupan, Theologiestudent

Pavel Zupan, Theologiestudent an der Uni in Fribourg, im Talk mit Thomas Fries. Zupan wählte eine kämpferische Bibelstelle aus dem Epheserbrief und bringt diese im Talk in Verbindung mit seinem Glauben. Ausserdem erzählt er von seinem Weg zur Theologie und schildert einige Glaubenserfahrungen aus seinem Leben.
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Ein Gespräch mit Pavel Zupan, Theologiestudent in Fribourg

Guten Tag und herzlich willkommen zu KathTalk. Immer wieder gerne lade ich Gäste zum Thema "Zeugnis geben für Christus" ein. Heute habe ich Pavel Zupan eingeladen. Er studiert Theologie in Fribourg. Herzlich Willkommen.

Du hast uns eine Bibelstelle mitgebracht. Könntest du die einmal vorlesen und sagen, was sie über dich und deinen Glauben aussagt?

Ich habe einen Abschnitt aus dem Epheserbrief herausgesucht, der mit dem etwas ungewöhnlichen Titel "Aufruf zum Kampf" beginnt. "Werdet stark durch die Kraft und Macht des Herrn. Zieht die Rüstung Gottes an, damit ihr den listigen Anschlägen des Teufels widerstehen könnt. Wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Herrscher dieser finsteren Welt, gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs. Darum legt die Rüstung Gottes an, damit ihr am Tag des Unheils standhalten, alles vollbringen und den Kampf bestehen könnt. Seid also standhaft. Gürtet euch mit Wahrheit. Zieht als Panzer die Gerechtigkeit an und als Schuhe die Bereitschaft für das Evangelium vom Frieden zu Kämpfen. Vor allem greift zum Schild des Glaubens. Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen. Nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes. Das ist das Wort Gottes. Hört nicht auf zu Beten und zu flehen. Betet jeder Zeit im Geist."

Das ist eine sehr kämpferische Bibelstelle, die du ausgesucht hast. Was sagt sie über deinen Glauben aus?

Es sagt zum einen etwas über mein Grundnaturell aus. Da ich die Sachen mit meinem Temperament angehen will. Dieses Stelle hat mich wiederholt im Leben angesprochen. Weil sie etwas aufmunterndes an sich hat. Ein Aufruf, die Gaben, die Gott uns gibt, das Heil, seinen Geist, wahrzunehmen und sie in unserem alltäglichen Leben, in gewöhnlichen wie auch aussergewöhnlichen Situationen, anzuwenden.

Der Kampf hat ja etwas mit Gewappnet- und Bereitsein zu tun.

Für mich heisst, bei Lebensfragen gewappnet oder ausgerüstet zu sein, dass wir bei solchen Situationen auf Gott zurückgreifen können. Dass wir auf seine Geborgenheit zählen können, da sie bedingungslos ist. Anders als es in der Welt ist. Die Menschen sind zwar auch ein Abbild Gottes, haben aber nicht diese Beständigkeit, die Gott vermittelt.





Du hast den Schritt zum Theologiestudium erst getan, als du schon eine Zeit lang etwas anderes gearbeitet hattest. Wie kam es dazu?

Die erste Ausbildung, die ich gemacht habe, war die Ausbildung zum Drogisten. Das war ein Beruf, der mich primär sehr angesprochen hat. Ich habe aber dann nach der Lehrzeit, in der darauffolgenden Berufstätigkeit festgestellt, dass mir etwas fehlt. Ich hatte zwar sehr viel Freude daran, den Leuten zu helfen, indem ich sie in gesundheitlichen Angelegenheiten beriet und Heil vermittelte. Ich habe aber auch in der Freizeit, wenn ich mit Freunden über den Glauben sprach, gemerkt, dass ich damals schon immer ein Feuer gespürt habe, wenn ich über den Glauben reden durfte. Wenn ich ihnen über Christus oder über unsere katholische Kirche erzählen durfte oder ihnen dadurch vielleicht den Glauben oder die Kirche ein wenig näher bringen konnte. Oder auch, wenn ich Missverständnisse auflösen konnte, welche über die Kirche oder Christus entstanden waren. Ich habe mich dann entschlossen, die Berufsmatur zu machen und zu versuchen, dass ich auf Fachhochschulebene etwas finden kann, das mich interessiert. Nach Abschluss der Berufsmatur, entschied ich mich damals dann, noch das Passerellenprogramm anzuschliessen um einen Universitätszugang zu erhalten. In dieser Zeit hat sich dann die Auseinandersetzung mit mir und dem Glauben intensiviert und ich habe mich dazu entschlossen, Theologie zu studieren.

Und das machst du jetzt seit einem Jahr?

Ich studiere Theologie an der theologischen Fakultät im schönen Fribourg . Die Umgebung sowie das Studium selber gefallen mir sehr gut. Ich habe bereits im ersten Jahr sehr interessante und ansprechende Vorlesungen besucht und bereits die alten Sprachen absolviert, die mir auch neuen Reichtum in der Theologie gegeben haben. Ausserdem bin ich auch schon gespannt, wie es weiter geht.

Der Glaube muss ja auch irgendwo gewachsen sein. Du hast bestimmt auch in der Jugend und Kindheit, Glaubenserfahrungen gemacht. Wie ist das gewesen. Wer hat dich da beeinflusst?

Ich denke, dass ich meinen Eltern am meisten zu verdanken habe, was die Grundlagen anbelangt. Die wesentlichen Teile meines Glaubensweges. Ausserdem denke ich, dass zusätzlich zu diesem primären Rahmen auch die schweizer-katholische Gemeinde, in der ich aufwuchs, sehr wichtig war. Aber auch die slowenisch-katholische Gemeinde, da meine Eltern aus Slowenien kommen. Sie waren stets darauf bedacht, dass wir sowohl einen guten Kontakt zur schweizerisch-katholischen Gemeinde als aber auch zu der slowenisch-katholischen Gemeinde haben, welche auch in der Schweiz präsent ist und welche mir neben dem schweizerisch-katholischen Horizont auch den slowenischen Horizont eröffnet hat.

Kannst du den Unterschied zwischen der slowenischen Katholizität und der schweizerischen Katholizität ein wenig herausstellen?

Was mir da oft auffällt, ist, dass die schweizerisch-katholische Kirche seit langem schon frei agieren kann. Die Schweiz ist ja auch schon sehr lange eine Demokratie. Dementsprechend konnten sie auch in diesem Rahmen diesen Glauben frei leben, frei wirken und agieren. In Slowenien war das nicht immer so. Es gibt auch noch in der heutigen Zeit gewisse Baustellen. Slowenien war bis 1990 ein Teil des kommunistischen Jugoslawiens. Dadurch konnten sie auch nicht frei den Glauben leben. Man erlitt Repressionen. Meine Eltern sind in diesem Umfeld gross geworden. Sie haben von ihren Eltern den Glauben als etwas Wertvolles, als etwas Erstrebenswertes vermittelt bekommen und sind diesem Glauben auch treu geblieben. Das haben sie mir und meinen beiden Schwestern auch weitergegeben. Als wertvolles Erbe. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Ich spüre manchmal in diesem Punkt einen Unterschied, wenn ich schaue, wie die slowenisch-katholische Kirche gross geworden ist, und wie sich die schweizerisch-katholische Kirche entfaltet hat. Da merke ich, dass die slowenische Kirche oft eher noch etwas Kämpferisches vermittelt und die Erfahrung der Repression umgewandelt mitträgt und eine Geduld vermittelt.

Dein heutiges Leben in Fribourg: Wie lebst du dort dein Christ-sein? Ist das etwas, das sich zu dem unterscheidet, wie du es vor dem Theologiestudium gemacht hast? Wie aktiv bist du in der Gemeinde engagiert?

Ich bin nach wie vor in der slowenisch-katholischen Gemeinde engagiert. Weil die slowenisch-katholische Gemeinde wie eine Mission organisierst ist. Es gibt Gottesdienste im Thurgau oder in Zürich. Ich wirke dort mit, wo mich meine Wege hinführen. Es kann gut in Zürich sein, in Bern oder Thurgau. Wenn mich unserer Gemeindepfarrer fragt, ob ich Zeit habe, gehe ich dann wirklich stets mit. Ein anderer Bereich ist die Universitätsgemeinde in Fribourg, wo es auch Dienste gibt, die ausgeführt werden müssen. Da ministriere ich dann oder übernehme an Festtagen verschiedenen Aufgaben, die anstehen. Ein weiterer wichtiger Fixpunkt für mich ist der Benediktinerorden in Disentis, mit dem ich mich sehr stark verbunden fühle. Ich gehe dort sehr oft hin, um mich in die Stille zurück ziehen und meinen Bezug zu Gott wieder zu stärken. Aber auch, um auch das monastische Glaubensleben oder die monastischen Stundengebete zu praktizieren und in diesem Ablauf, in diesem Rhythmus neue Kraft zu finden.

Du hast einmal erzählt, dass du ein begeisterter Motorradfahrer bist und du einmal ein besonderes Erlebnis mit Gott und deinem Motorrad gehabt hast.

Da gibt es einige Anekdoten. Einmal hatte ich eher eine adrenalingeladene Situation, wo ich mit dem Motorrad unterwegs war und an einer Kreuzung abgebogen war. Dabei hat mich ein Autofahrer übersehen und hat mich angefahren. Ich kann mich nur noch erinnern, dass ich dort gestürzt und dann wieder aufgewacht bin. Ich kann mich erinnern, dass ich dann mit einem Passanten gesprochen hatte, als ich auf die Ambulanz wartete. Ich hatte mir damals nur den Fuss gebrochen. Der Passant hat mir gesagt, dass das Motorrad über mich geflogen sei. Er meinte dann, er hätte das noch nie gesehen. Das Motorrad hätte mich eigentlich treffen müssen. Ich kann es nicht anders beschreiben, als dass mich Gott vor Schlimmerem bewahrt hat. Ich war auch sehr schlecht bekleidet für eine Motorradfahrt und hatte wirklich nur den Fuss gebrochen. Das ist so ein Erlebnis, wo ich sagen muss, dass ich nicht an Zufälle glaube. Und da danke ich Gott, dass er mich davor bewahrt hat. Ein zweites Erlebnis war bei einer Motorradtour von Disentis aus. Ich fuhr an einem Tag über vier Pässe und konnte an einem Tag, Sonne, Schnee, gefrorene Stauseen und ein wirklich wunderschönes Panorama von den vier Pässen aus geniessen.

Aus der Schöpfung heraus strahlt dir dann auch Gottes Güte entgegen. Vielen Dank für dieses eindrückliche Glaubenszeugnis, Pavel.

Auch ihnen liebe Zuschauer danke ich herzlich fürs Zuschauen und seien sie auch das nächste Mal wieder herzlich willkommen bei KathTalk.


Mit Pavel Zupan, Theologiestudent in Fribourg, unterhielt sich Thomas Fries.
Fribourg, 17. Juni 2011.
© 2011 HASLER4u GmbH


Go, Pavel, go.

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