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P. Peter Spichtig, Liturgisches Institut

Pater Peter Spichtig, Leiter des Liturgischen Institutes der Deutschschweiz im Talk mit Naomi Hasler. Pater Peter spricht darüber, was Liturgie ist und redet darüber, wie vielschichtig und abwechslungsreich seine Arbeit ist. Er nennt einige Aufgaben und Tätigkeitsbereiche des Institutes und erklärt die Chancen und Grenzen dieser Arbeit. So sei das Institut zum Beispiel kein Kontrollorgan sondern könne nur beratend tätig sein und auch nur dort aktiv werden, wo die Hilfe angefordert werde.
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Ein Gespräch mit Pater Peter Spichtig, Leiter des Liturgischen Institutes der Deutschschweiz.

Grüezi und herzlich willkommen zu KathTalk. Bei mir ist heute Pater Peter Spichtig zu Gast. Er wurde 2002 zum Priester geweiht, ist Dominikaner, 43 Jahre alt und seit 2004 Leiter vom Liturgischen Institut für die Deutschschweiz. Grüezi Pater Peter.

Guten Tag Frau Hasler.

Wir wollen heute das Liturgische Institut unter die Lupe nehmen. Darum wäre es wichtig, wenn wir am Anfang den Begriff Liturgie klären. Könnten Sie diesen Begriff vielleicht in ein bis zwei Sätze für einen Laien erklären?

Die Liturgie ist in einem weiteren Sinn alles, was mit Gottesdienst der Kirche zu tun hat. Wenn die Gläubigen zusammen kommen, um zu feiern, ist das Liturgie. Es gibt einen enger gefassten Liturgiebegriff, strenger nach dem Kirchenrecht, der sich auf die Gottesdienstfeiern bezieht, die von der Kirche genau geordnet sind. Das betrifft vor allem die Messe aber auch die Sakramentfeiern, also Hochzeiten und Taufen, aber auch Sakramentalien, wie z.B. Beerdigungen. Was immer ein bisschen vergessen wird, aber auch zum Liturgiebegriff der Kirche dazugehrt, ist die Tagzeitenliturgie, also Laudes und Vesper, also das "Gebet der Kirche". Aber man kann darunter auch jede Form von Zusammenkunft von Gläubigen verstehen, wenn sie ihren Glauben feiern. Im weiteren Sinn gehören dann auch so genannte "Krabbelfeiern" dazu und alles, was in der Pfarrei an Gottesdiensten angeboten wird.

Das ist also ein ganz weiter Begriff. Ist denn die Arbeit vom Liturgischen Institut auch so vielfältig und weit?

Ja, das kann man sagen, es wird uns nicht langweilig. Die Arbeit ist sehr vielschichtig. Angefangen bei der Messe, welche die liturgische Feier ist, die die Meisten am besten kennen, bez. daran teilnehmen. Ob sie sie gut kennen ist eine andere Frage. Da sind die Gestaltungsmöglichkeiten relativ klar und bekannt. Es gibt aber auch vielfältige neuere Feierformen, die man zur Zeit noch sucht und ausprobiert. Z.B. wie man die der Kirche Fernstehenden mit dem Angebot von unserem Glaubenszeugnis besser erreichen kann. Da sind wir dabei, Hilfestellungen zu geben und zusammen zu suchen, welche Kriterien es gibt, damit man unseren Glauben einigermassen authentisch ausdrücken kann. Dazu gehören natürlich auch andere Aspekte wie die Frage der Kirchenmusik, des Kirchenraums, die ganze ästhetik, die damit verbunden ist, wenn es um den Ausdruck des Glaubens geht. Das ist ganz vielschichtig.

Ist das Liturgische Institut ein Kontrollorgan? Geben die vor, wie es aussehen muss?

Das wäre jetzt nicht das erste Signal, das ich setzen würde. Wir sind ein Institut im Auftrag der Bischöfen, und dafür da, vor allem gute Qualität der Liturgie zu ermöglichen. So verstehen wir das eher als Dienstleistung für die Pfarreien, für Liturgiefeiernde, aber auch für Laien, um besser zu verstehen, was die Kirche in ihren Ritualen, ihren Zeichen feiert. Eigentlich verstehen wir uns eher als Dienstleistung, als Kompetenzzentrum und nicht als Kontrollorgan.

Wenn also eine Pfarrei auf der Suche ist nach einem neuen Ausdruck vom Glauben, oder auch zurück will zu den Wurzeln, dann können sie sich an sie wenden, und sie haben dann eine beratende Funktion?

Ja, dies ist eine unserer Dienstleistungen. Wir sind für alle möglichen Fragen und Schwierigkeiten da, die es gibt. Z.B sind wir zur Zeit in einer Phase von vielfältigen Umbrüchen in der Deutschschweiz, die sich in Zusammenlegungen der Pfarreiseelsorgeeinheiten zeigt. Da entstehen neue Fragestellungen. Wie man z. B. das gottesdienstliche Leben im Dorf vor Ort erhalten kann, auch wenn dort kein Pfarrer oder Gemeindeleiter mehr ist. Oder wie man versuchen kann ein gottesdienstliches Leben in anderen Formen weiter zu pflegen, auch wenn verschiedene Gottesdienstformen an zentraleren Orten zusammengeführt wurden. In diese Richtung ist noch vieles offen und da müssen wir zusammen frische Wege suchen. Da sind wir Partner zum Mitdenken. Dann geben wir aber auch zusammen mit den deutschen und österreichischen Kollegen Zeitschriften heraus. So geben wir auch mit Handreichungen und anderen Publikationen Hilfelistungen. Wir können nicht in jeder Pfarrei sein. Aber es fragen auch nicht alle Pfarreien.

Gehen sie auch einmal vor Ort um in einer Pfarrei zu sehen, wies so läuft?

Auf Anfrage machen wir das. Die Angebote gehen dabei bis zur Supervision von Gottesdiensten. Die Berührungsängste sind da aber enorm. Es ist doch eine recht grosse Hemmschwelle da, bis sich jemand überwindet und fragt, ob man mal vorbeischauen könnte, um zu sehen, was man verbessern könnte. Wir bieten aber auch ein Coaching für Pfarreiteams an, die dran sind, etwas umzustrukturieren. Zwar sind diese Anfragen noch nicht so häufig und wir drängen uns auch nicht auf. Aber wir sind immer da um mitzuhelfen.

Auf was schaut man beim Gottesdienst besonders, wenn man vor Ort ist? Was sind die Knackpunkte im Gottesdienst?

Es ist schwierig, das allgemein zu sagen. Es ist uns wichtig, dass man die rituelle Eigendimension des Gottesdienstes respektiert und nicht zu sehr auf die Menschen einredet. Man soll Platz lassen, um Zeichen wirken zu lassen, damit die liturgischen Handlungen und die Musik ihren Platz haben und so die verschiedenen Aspekte von Ausdrucksformen in eine Balance kommen. Das Wort ist nicht alles. Das Wort ist zwar sehr wichtig, da der Glaube vom hören kommt, aber zu aller erst steht das Wort Gottes. Es gibt einen schönen Spruch, der heisst: "Die Muttersprache der Liturgie ist die Bibel". So sind wir Partner von all denen, die in den Pfarreien versuchen, dem Wort Gottes mehr Platz und Raum zu verschaffen, damit in gottesdienstlichen Formen die Verkündigung vom Wort Gottes einen Hauptplatz hat und die Ausdrucksweise durch Lob, Dank , Bitte artikuliert werden können. Die Verkündigung ist ein Aspekt darin. Aber es ist auch wichtig, dass sich die Liturgen nicht all zu wichtig vorkommen und alles erklären müssen. Dies ist häufig eine Krankheit der Theologen, die fünf Jahre studiert haben. Dann wollen sie natürlich erzählen. Aber weniger ist manchmal mehr. Dies ist eine Kunstform, die man finden muss. Welche Worte man in welcher Situation bräuchte. In diese Richtung gehen unsere Impulse.

Vor allem die Kirche der Deutschschweiz ist bekannt dafür, ein bisschen eigensinnig zu sein. Stellen sie das auch fest? Sie haben vorher gesagt, Sie seien auch im Gespräch mit der italienischsprachigen Schweiz und, mit der Romandie. Ist da im Bezug zur deutschsprachigen Schweiz für Sie und das Institut mehr Arbeit?

Es ist anders. Es gibt die liturgische Kommission, wo wir uns ein bis zwei Mal im Jahr mit den Westschweizer- und Tessinerkollegen treffen und wo Fragen ausgetauscht werde, die die Gottesdienstkultur betreffen. Man merkt dann oft, dass man ein bisschen anders tickt. Die Liturgie wird ja meinst in der Muttersprache gefeiert. Somit sind dann die ganzen Publikationen und liturgischen Bücher in den jeweiligen Sprachen geschrieben. Z.B. ist auch die Musikkultur ganz anders. Die Deutschschweizer Kirchenliedtradition ist sehr reich und alt, somit hat das deutsche Kirchenlied eine ganz alte Geschichte. So gibt es im deutsprachigen Raum ganz viele Kirchenlieder aus den verschiedensten Jahrhunderten, die man pflegt. So etwas gibt es verglichen mit der Westschweiz nicht. Dort gibt es eher ganz viele neue Kompositionen und Aufbrüche und auch in den italienischen Büchern ist es anders. In der italienischen Sprache ist auch die Pastoralstruktur ein bisschen anders. Dort sind die meisten Pfarreien noch priestergeleitet. So stellen sich die ganzen Fragen von Wortgottesfeiern oder andere liturgische Formen weniger. In dem Sinn ist die Vielfalt sehr verschieden. Die Brisanz des Priestermangels ist natürlich in der deutschsprachigen Schweiz grösser. Zum Teil hat man sich dort mit dem Deutschschweizer Pragmatismus in einer Kultur der Subsidiarität, in der man vor Ort das versucht zu tun, was man noch machen kann oder man machen zu können glaubt, mehr Freiheiten in den Experimenten im liturgischen Umfeld genommen. Dabei muss man dann wieder versuchen, zu unterscheiden und die Reflexion einzuschalten, ob alles sinnvoll gewesen ist, oder ob es nicht auch übertreibungen gegeben hat, die man wieder ein bisschen kanalisieren muss..

Priestermangel ist ein Problem. Was sind die sonstigen Problemen des liturgischen Instituts? Wo stossen sie an ihre Grenzen?

Einfach gesagt stossen wir dort an die Grenzen, wo das Gegenüber nicht einsieht, dass man in diesen Fragen noch auf dem Weg bleiben kann. Wir machen immer dort gute Erfahrungen, wo auch eine Offenheit da ist, in offene Diskussionen hineinzukommen und sich in gewissen Sachen über die Schulter schauen zu lassen. In den Fällen, in denen die Leute es selber besser wissen wollen, ist es schwieriger zu helfen.

Kann man da etwas durchsetzen, hat das Liturgische Institut die Kompetenz dazu?

Der erste Verantwortliche für die Liturgie ist der Bischof. D.h. er hat eigentlich die Verantwortung, dass die Liturgie einigermassen ordentlich geführt wird, dass die Leute sich wieder erkennen in ihrem Glauben, und dass sie auch spirituelle Nahrung im Gottesdienst haben. Wir sind in dem Sinn keine rechtliche Instanz, die irgendwie etwas durchsetzen kann.

Aber sie würden zum Bischof gehen, und berichten, wenn in einer Pfarrei etwas schief läuft?

Das ist nicht unserer Stil. Und das ist nicht der richtige Weg. Natürlich nehmen wir wahr, aber wir thematisieren dies auf eine andere Art, und schauen wie wir das auf eine allgemeine Ebene der Diskussion bringen könne. Es gibt z.B. unser Publikationsorgan, eine Fachzeitschrift, die alle zwei Wochen erscheint und sich an Seelsorger richtet, in der die konkreten Probleme in der liturgischen Praxis diskutiert werden und wo man Lösungen sucht. Dies ist wohl der bessere Weg, auf dem man auch in einem breiteren Forum rüberbringen kann, dass man die Fragen ernst nimmt. Wenn wir z. B. eine bestimmte Lösung in einer Pfarrei nicht teilen, lancieren wir eine Fachdiskussion. Wir versuchen aber natürlich schon auch da, wo es nötig ist, mit den Bischöfen in einer engen Diskussion zu sein, damit man wo nötig und möglich einen Schritt vorwärts geht. Als Beispiel: Die Bischöfe haben vor einigen Jahren das Feierbuch "Für die Wortgottesfeier" herausgegeben. Es ist für die Fälle gedacht, wo es keine Priester gibt, und wo Wortgottesdienste gefeiert werden. Die Bischöfe haben das einigermassen geregelt, in welchen verschiedenen Formen und nach welchen Kriterien gefeiert werden kann und es wurden die Feierformen in der Wortgottesfeier genannt. Dies ist die verbindliche Form der deutschsprachigen Bischöfe, wie man die Wortgottesfeiern machen soll. Dieses Buch ist aber bald vergriffen. Jetzt ist die Frage, wie wir damit umgehen. Es gibt Erfahrungen mit dieser Feierform. Nun überlegt eine Arbeitsgruppe , was man ergänzen könnte. Z.B. welche Feierelemente man dazu nehmen könne, damit die Wortgottesfeier reicher und eigenständiger werden könnte. Als eigenständige Gottesdienstform. Diesen Weg gehen wir zusammen mit den Bischöfen.

Nun hat das Liturgische Institut eine fast schon turbulente Vergangenheiten. Es ist viele male umgezogen. Jetzt ist es seit 2004 in Fribourg. Wie sehen sie die Zukunft des Liturgischen Institutes? Wird es Bestand haben, wird es weiter existieren? Was wünschen sie sich für das Liturgische Institut?

Das Liturgische Institut hat eine relativ alte Geschichte. Wir werden in zwei Jahren unser 50 jähriges Bestehen feiern. Wir haben seit 2004 ein Team, das aus drei Fachleuten, das sind Gunda Brüske, Josef-Anton Willa und mir in der Leitung besteht. Daneben haben wir auch noch eine volle Sekretariatsstelle (Andreas Krogmann). Somit haben wir zur Zeit eigentlich die grösste personale Ausstattung in der Geschichte des Liturgischen Instituts. Vorher waren es kleinere Einheiten. Das nehme ich schon als Indiz dafür, dass es den Bischöfen wichtig ist, dass es dieses Institut gibt, und dass man quasi an diesen Fragen der Begleitung von gottessdienstlichen Feiern in den Pfarreien grosse Bedeutung zumisst. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der Aspekt der Kirchenmusik sowie die Beratungstätigkeit für die Kirchenraumgestaltung dazugehört. D.h. die Bischöfe nehmen offenbar wahr, dass es ihnen wichtig ist und darum sehe ich auch momentan nichts, wo man bei uns unbedingt noch mehr sparen müsste. Das Institut wird es auch deshalb brauchen, da vom zweiten vatikanischen Konzil eigentlich gefordert wird, dass es in jeder Bischofskonferenz ein Institut gibt, das den Gottesdienst der Kirche und das Verständnis von der Erschliessung vom Gottesdienst der Kirche in allen Kreisen fördern sollte. Wichtig ist für mich auch die Vermittlung von Gottesdiensten bei ganz normalen Kirchengängern, Laien, und dass sie unser Verständnis haben. In dem Sinn geht die Arbeit so schnell nicht aus.

Pater Peter, ich danke Ihnen vielmal, dass Sie uns das Liturgische Institut ein bisschen näher gebracht haben.
Liebe Zuschauer, ich danke Ihnen vielmal fürs Zuschauen. Wenn Sie weitere Infos zum Liturgischen Institut möchten, dann finden Sie Material unter dem Video, hier bei uns auf der Webseite. Ich würde mich freuen, wenn Sie auch das nächste Mal wieder dabei sind. Bis dahin: auf Wiedersehen!


Mit Pater Peter Spichtig, Leiter des Liturgischen Institutes der Deutschschweiz, unterhielt sich Naomi Hasler.
Fribourg, 29. Februar 2011.
© 2011 HASLER4u GmbH


Sehr spannendes Gespräch mit Peter Spichig.
Fands toll wie Naomi Hasler auch kritische Fragen stellt!
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