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Martin Iten, ARGE Weltjugendtag

Martin Iten, ARGE Weltjugentag, im Talk mit Martin Niederer. Herr Iten erzählt von seinen Erfahrungen an den verschiedenen Weltjugendtagen und wie sich das Teilnehmen über die Jahre bei ihm verändert hat. Im Gespräch erfährt man mehr über die Aufgaben der Arbeitsgruppe und über den Weltjugendtag allgemein. Der Anmeldeschluss ist übrigens der 15 Juni!
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Ein Gespräch mit Martin Iten, ARGE Weltjugendtag.

Hallo und herzlich Willkommen zu KathTalk. Mein heutiger Gast ist Martin Iten. Martin ist 25 Jahre alt, wohnt im Kanton Nidwalden auf dem Wiesenberg und ist selbstständiger Polygraph. Nebenbei arbeitet er bei der Arbeitsgemeinschaft Weltjugendtag. Das ist der Verein, der durch die schweizerische Bischofskonferenz, für die Durchführung der regionalen Weltjugendtage beauftragt wird. Wenn der Papst für einen internationalen WJT einlädt, organisieren sie diese Reise für die Schweiz. So auch diesen Sommer in Madrid.
Martin Iten, schön bist du da und nimmst dir Zeit für das Gespräch. Du bist ja in Sachen WJT ein alter Hase. Dein erster war 2000 in Rom. Da warst du noch ganz jung – 14 Jahre. Was hast du für Erinnerungen an diesen Weltjugendtag?

Ich war als 14-jähriger in Rom beim Weltjugendtag. Das war ein spezielles Ereignis. Ich habe zwarnicht so viel mitbekommen, da ich noch ein bisschen jung für das Ganze war. Ich weiss, dass 2 Millionen Menschen da waren. Das war doch sehr eindrücklich. Aber irgendwie konnte ich das noch nicht so erfassen und einordnen.

Damals nicht. Aber jetzt warst du in den letzten 10 Jahren praktisch an jedem WJT dabei, den es gegeben. International, aber auch vor allem regional hier in der Deutschschweiz. Was fasziniert dich an diesen Treffen?

Ich denke, dass es sich doch ein bisschen verändert hat. Am Anfang bei dem ersten internationalen Weltjugendtag 2005 in Köln, den ich so richtig als Teilnehmer miterlebt habe, hat mich das doch sehr fasziniert. So viele junge Menschen, die glauben, den Glauben miteinander feiern und fröhlich sind. Nicht ganz so, wie man es in der Pfarrei kennt. Wirklich aktiv und mit einer grossen Freude. Das hat mich dazumal sehr fasziniert. Inzwischen ist es wieder anders, da ich mittlerweile organisatorisch dabei bin und auch ein bisschen die Verantwortung für den ganzen Laden habe. Jetzt ist es mehr die Faszination, mit Jungen zusammen kreativ zu sein, zu beten, etwas auf die Beine zu stellen, etwas zu bewegen und zu verändern.

Kannst du dich gut in die Jugendlichen hinein versetzen? Z.B. die, die nach Madrid mitkommen? Es haben sich dafür ja schon wieder mehrere Hundert angemeldet. Hand aufs Herz. Wie viele kommen wirklich aus Glaubensgründen mit? Oder sagen die eher: "Coole Party und 100'000 Leute aus der ganzen Welt. Spanien, schönes Land, Sonne und Meer."

Das ist schwierig abzuschätzen, wie viele aus Glaubensgründen oder touristischen Gründen kommen. Sie kommen auf jeden Fall mit und das ist schon mal sehr schön. Da ist es egal, warum sie mitkommen. Wir freuen uns, dass sie dabei sind. Wir bieten auch sehr viele touristische Sachen an. Es ist ja auch ein Reiz, dass wir touristische Sachen machen. Wir gehen surfen in Frankreich, wir waren in Barcelona, im Baskenland usw. Das soll auch Platz haben. Aber die Erfahrung zeigt, dass viele junge Menschen, die nur wegen dem Touristischen mitkommen, dort Erfahrungen machen und dann positiv überrascht sind. Ich weiss z.B., als wir nach Sydney gegangen sind, da haben wir Jungendliche motiviert, mit uns mitzukommen. Nach zwei oder drei Tagen, ist eine von diesen Jugendlichen zu mir gekommen und hat gesagt, dass es super sei, dass wir sie mitgenommen hätten und sie nie gedacht hätte, dass es so toll sein würde. Sie sei wirklich nur mitgekommen, damit sie nach Australien dürfe. Und nun sei alles so cool. Gerade der Gottesdienst und andere Momente seien es, die sie fasziniert hätten.

Der Glaube wird dort ja schon stark gelebt. Was habt ihr neben dem Gottesdienst noch für Momente, bei dem der Glaube im Vordergrund steht?

Es ist tatsächlich so, dass wir den Jugendlichen ziemlich viel zumuten. Jeden Tag gibt es eine Eucharistiefeier. Das ist eigentlich fix. Dann haben wir noch Gebetszeiten. Sei es ein Morgengebet, oder ein Abendgebet. Es kommt auf die Reiseangebote an und wie intensive das Reiseangebot ist. Grundsätzlich ist es doch so, dass wir die Jugendlichen auch mit diesen Momenten in den Gottesdiensten konfrontieren. Wir wollen, dass die Jugendlichen die Gotteserfahrung machen dürfen und, dass sie die Möglichkeit haben, Gott zu erleben und kennenzulernen.

Jetzt habe ich schon von Jugendseelsorgen gehört, dass die gesagt haben, dass ihr schon sehr katholisch seit an den Weltjugendtagen. Jeden Tagen eine Eucharistie, usw. All diese Angebote, bei denen die Jugendlichen wirklich herausgefordert werden. Die Jugendseelsorger sagten, dass ihre Jugendlichen nicht mitkommen, weil sie es nicht kennen und nicht so erleben in der Pfarrei. Wie holt ihr diese Jugendlichen ab, oder nehmt ihr die gar nicht mit?

Auf jeden Fall. Die Erfahrung zeigt, dass sehr viele mitkommen, die es nicht kennen. Ich habe eben noch die Zahlen angeschaut. In Gossau wurde ein nationaler WJT gemacht. 700 Jugendliche waren da und fast die Hälfte von ihnen war das erste Mal an so einem Anlass. Die Feedbacks waren durchaus sehr positiv. Ich denke, dass man den Jugendlichen wirklich etwas zumuten darf. Man darf nicht einfach sagen: "Die Jugendlichen verstehen das nicht, es ist vielleicht zu hoch für sie, sie kennen das nicht, etc." die Erfahrung zeigt, dass gerade die liturgischen Momente sehr bewegend sind, und dass genau dort die Jugendlichen angesprochen werden.

Ich kann mir gut vorstellen, dass das starke Momente sind, die die Jugendlichen erleben. Gerade für solche, die das noch nie erlebt habe. Bei denen, wo das wirklich ein prägendes Lebensereignis ist und die dann nach Hause kommen und ganz alleine sind, weil die Gruppe nicht mehr da ist: Wie fangt ihr diese von der Arbeitsgemeinschaft Weltjugendtag auf?

Unser Auftrag ist, dass wir für die Treffen zuständig sind. Sei es für die Reisen, die internationalen Treffen, oder das Organisieren der deutschschweizer Treffen. Unsere Aufgabe ist es eigentlich nicht, dass wir nachher noch Lücken stopfen und Löcher füllen. Wir gehen davon aus, dass die Jugendlichen dann wirklich in die Pfarreien zurück gehen und dort vor Ort aktiv werden, um sich hinein geben zu können. Das legen wir den Jugendlichen auch ganz klar nahe. Dann gibt es noch andere Sachen, die wir schon ganz klar versuchen. Z.B. die sogenannten"Goes-Projekte". D.h., dass es aus verschiedenen Regionen, Kantonen, Jugendliche gibt, die sich zusammengeschlossen haben und gesagt haben: "wir gehen zusammen an den WJT. Und nehmen dann noch andere Jugendliche mit." So kommt es vor, dass sich die Jugendliche nach dem Weltjugendtag noch treffen, Gebetsgruppen gegründet werden und Jugendgruppen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten.

Kannst du ein Beispiel von Jugendgruppen nennen, die entstanden sind?

In der Ostschweiz gibt es seit zwei Jahren eine Gruppe, die heisst "Gallmino" (www.gallmino.ch). Aus St. Gallen. Die treffen sich einmal im Monat zu einem Anlass. Dann gehen sie schlitteln oder Fondue essen etc. Gleichzeitig verbinden sie das immer noch mit etwas Spirituellem. Da gibt es noch ganz andere. Z.B in Grenchen. Die nennen sich "Pointes" (www.pointes.ch). In Zug gibt es das Grossprojekt für Madrid "Zug goes Madrid" (www.zug-goes.ch), wo sich über 40 Jugendliche angemeldet haben. Der grösste Teil dieser Jugendlichen ist noch nie an einem Weltjugendtag gewesen. Wichtig ist auch, dass die Jugendlichen sehen, dass sie nicht alleine auf diesem Weg sind, da es noch andere Jugendliche gibt. Vielleicht, wenn es gut geht, sogar aus der Region. Dann bleiben die sicher in Kontakt. Heute bleibt man dank Facebook und all den Möglichkeiten sowieso in Kontakt. Wir versuchen auch, regelmässig Sachen anzubieten. Z.B. den deutschweizer Weltjugendtag jedes Jahr. Wir haben auch ein nationales Vortreffen für Madrid gemacht. Da gibt es schon immer wieder Möglichkeiten, aufzutanken, wieder Power zu holen, um vielleicht irgendwann genug Kraft gesammelt zu haben, um selber zu fahren. Der Alltag ist dann die grosse Herausforderung.

Der Weltjugendtag ist ja auch in der Schweiz am Anfang stark von Bewegungen und Verbänden unterstützt worden und von den Gemeinden mitgetragen worden. Die erste regionalen Weltjugendtage waren ja auch eher in Klöstern. Die Pfarreien gehen ein bisschen verloren. Du hast gesagt, ihr wollt, dass die Jugendlichen zurück in die Pfarreien gehen. Was passiert da in der Realität? Gehen die Jugendlichen eher in die Verbände oder in die Bewegung hinein?

Es gibt wirklich alles. Es ist tatsächlich so, dass der erste deutschschweizer Weltjugendtag in einem Kloster stattgefunden hat. Aber in den letzten zwei, drei Jahren hat es einen ziemlichen Wandel gegeben. Da waren wir immer in Pfarreien. In Gossau, in Grenchen, in Brig. Da sind wir ganz gezielt in Pfarreien gegangen, um diese zu stärken. Wir bekommen vom Pfarreileben viel mit, was sehr faszinierend ist. Ich würde jetzt nicht sagen, dass die Jugendlichen alle in Bewegungen und Verbände verschwinden. Es machen ja viele Pfarreien mit. Ein Beispiel: Ein Pfarrer ist mit 6 Jugendlichen nach Sydney gekommen. Die waren alle zwischen 16 und 18 Jahren. Sie hatten eigentlich nicht mehr viel mit der Kirche zu tun. Und tatsächlich, als die Gruppe wieder nach Hause gekommen ist, haben zwei Jugendliche wieder angefangen zu ministrieren, einer hat den Lektorendienst verrichtet, einer ist Hilfssakristan geworden. Auf alle Fälle haben fünf nachher wieder in der Pfarrei mitgearbeitet. Haben mitgeholfen und sind aktiv geworden. Das war sicher auch dem WJT zu verdanken. Solche Beispiele gibt es sicher.

Es heisst WELTjugendtag. Also die ganze Weltjugend ist eingeladen. Aber schlussendlich ist es ein katholischer Anlass. Da der Papst zu den internationalen Weltjugendtreffen einlädt. Wir in der Schweiz sind aber auch stark ökumenisch von der reformierten Kirche geprägt. Was macht ihr da vom Weltjugendtag aus? Was macht ihr da mit der Ökumene? Sind da alle an den Weltjugendtag eingeladen?

Das sowieso. Alle junge Menschen, die interessiert sind, sind eingeladen. Der Anlass ist jedoch ganz klar katholisch. Das ist so. Wir haben in den letzen Jahren schon auch versucht, die ökumenischen Aspekte auszuweiten. Sofern sie Realität in dieser Pfarrei sind. In Grenchen haben wir sogar in der reformierten Kirche ein gemeinsames Gebet gemacht. Mit den Reformierten und Christkatholischen zusammen. In Gossau war es ein Taizé-Abendgebet mit der reformierten Kirche zusammen. In Brig entspricht es weniger der Realität im Oberwallis, da die katholische Kirche sehr gross ist und die reformierte Kirche sehr klein ist. Aber uns ist es doch auch ein sehr grosses Anliegen, dass wir ein paar Schritte auf die anderen zugehen, um miteinander einen Weg zu finden, damit auch die Jugendlichen diese Realität konkret erleben dürfen. Bei den internationalen Treffen kommt es auch immer darauf an, wo es stattfindet. 2005 war es ja in Deutschland, in Köln. Mit der Reformation und der ganzen Reformationsgeschichte und natürlich auch mit der grossen evangelischen Kirche gab es jedoch auch solche Momente. Wie es in Madrid sein wird werden wir bald herausfinden.

Wie ist es in der Schweizer Gruppe? Sind da andere dabei, oder nur Katholiken?

Da sind immer solche dabei. In Sydney waren auch Reformierte dabei. Sogar eine reformierte Theologiestudentin. Die war sehr berührt. Da haben wir absolut keine Berührungsängste. Es ist ja nicht so, dass man sagt: "Wir wollen nur Katholiken." Es ist sehr offen und sehr frei. Es darf jeder mitmachen, der möchte, oder auch nicht.

Marin Iten, ich denke, dass dort wieder tolle Erfahrungen mit den 2 Millionen Menschen aus der ganzen Welt gesammelt werden können. Ich wünsche Euch alles Gute für diese Reise. Vielen Dank, dass du dir für dieses Gespräch Zeit genommen hast.
Auch Euch, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer danke ich vielmal für das Interesse. Mehr Infos zum WJT finden sie unter diesem Video. Da hat es verschiedene Materialen zum WJT in Madrid. Wenn sie dort das Gespräch einmal kommentieren wollen, oder wenn sie ihre Erfahrung mit einem Weltjugendtag einmal weitergeben möchten, können sie dies unten hinschreiben. Ich würde mich freuen, wenn sie das nächste Mal wieder dabei sind. Bis dahin wünsche ich Ihnen eine gute Zeit.


Mit Martin Iten, ARGE Weltjugendtag, unterhielt sich Martin Niederer.
Fribourg, 27. Mai 2011.
© 2011 HASLER4u GmbH


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