Themenbereiche

 

  Newsletter

Name:
 
eMail:
 
Gespeichert!

Mario Hübscher, Pfarrer in der Pfarrei St. Michael in Zug

Mario Hübscher, Pfarrer in der Pfarrei St. Michael in Zug, im Talk mit Dominik Hasler. Pfarrer Hübscher schaut zurück, als er noch Ministrant war und vergleicht die Ministranten von damals mit den Jungen und Mädchen von heute und findet auch Unterschiede im Ministrantendienst. Wofür braucht es den Ministranten heute? Warum wird heute jemand Ministrant und was wird ihm neben dem Gottesdienst alles geboten? Erfahren Sie es im diesem Talk, mit dem wir die Special-Woche zum Thema "Ministranten" abschliessen.
Text als PDF Text als PDF runterladen

Ein Gespräch mit Mario Hübscher, Pfarrer in der Pfarrei St. Michael in Zug.

Hallo und herzlich willkommen hier in der letzten Ausgabe im Special "Ministranten" bei KathTalk. Wir sind in Zug beim Ministrantenfest und ich habe ein paar Profis zu mir ins Studio eingeladen, die ich interviewt habe. Den Abschluss macht Pfarrer Hübscher. Er wird uns ein wenig Auskunft geben. Ich werde ihn über seine eigene Ministrantenzeit und über das, was in seiner Pfarrei im Zusammenhang mit den Ministranten läuft, befragen. Herr Pfarrer, vielen Dank, dass sie vorbeischauen. Schliesslich hat dieses Fest ja noch andere Attraktionen zu bieten.
So rückblickend, wenn Sie sich an ihre eigene Ministrantenzeit zurückerinnern, welche Erinnerungen kommen wieder in Ihnen auf?

Es war schon noch ein wenig anders als heute. Es hat schon mit der Werbung angefangen. Es war alles nur mündlich. Es gab keine Flyer. Der Pfarrhelfer fragte mich damals. Im ersten Moment habe ich ein wenig abgewehrt. Aber ich habe nicht nein gesagt. Er hat dann noch ein zweites Mal gefragt und ich hab noch immer nicht zugesagt. Als er dann ein drittes mal gefragt hat, habe ich dann gesagt dass ich mitmache. Dann gab es ein persönliches Vorbereitungsgespräch. Ab da habe ich auch zu einer Ministrantenschar gehört. Die war nicht so gross, obwohl es in Wohlen viele Messen gab. So kam man dann jede Woche zweimal dran. D.h. man war sicher jeden Sonntag einmal dran und noch einmal an einem Werktag. Ich war nicht darauf bedacht, an den grossen Messen dabei zu sein und immer von allen gesehen zu werden. Darum habe ich immer darauf geachtet, dass ich bei den früheren Messen dran gekommen bin. Zu dieser Zeit gab es morgens um 6 Uhr an den Werktagen eine Messe. Und am Sonntag gab's um 7 Uhr die erste Messe. Da ging ich meistens in diese Messe. Mädchenministranten gab's noch nicht. Unsere Schar zähle 20 Buben.

Wenn Sie jetzt die Kinder vergleichen von damals und heute. Gibt es da auch Unterschiede? Vielleicht die Beweggründe, warum man ministriert?

Ich glaube schon, dass es Unterschiede gibt. Die Kinder an sich sind jetzt nicht einfach verschieden. Die haben genau so ihre Streiche im Kopf. Die hatten wir auch. Aber ich habe das Gefühl, dass, wenn man heute Werbung macht, es diese gibt, die genau wissen, dass sie dazukommen wollen. Da kann der beste Freund daneben sein, der nicht will und sie kommen trotzdem. Natürlich ist es sonst auch so, dass unter Schulkollegen Werbung gemacht wird oder vielfach zwischen Geschwister. Aber bei mir zu Hause war es so, dass ich der Einzige war, der ministrierte.

In der Öffentlichkeit treten die Ministranten vor allem in der Liturgie in Erscheinung. Für was braucht es den Ministranten überhaupt? Was ist seine Aufgabe?

Es ist eine grosse Aufgabe. Natürlich kann man sagen, dass es vordergründig den Ministranten einfach dazu braucht, den Dienst zu machen. Um Brot und Wein zu bringen, die Kollekte einzuziehen, etc. Aber für mich wird es immer schon sichtbar, wenn sie die Kerzen beim Ambo hinhalten. Dann drücken sie damit aus, dass etwas ganz Wichtiges kommt. Das Wort Gottes. Das kann durch die Ministranten sichtbar gemacht werden. Ministranten sind am Altar die Repräsentanten von allen Menschen. Das kommt zum Ausdruck beim Friedensgruss. Den gebe ich den Ministranten. Die Ministranten sind auch die Ersten, die die Kommunion bekommen. Es sind alle Menschen eingeladen, beim Altar zu stehen und die Ministranten repräsentiere diese Menschen. Da bin ich sehr froh, dass das möglich ist und dass die dort stehen.

Es braucht in diesem Falle die Ministranten. Für Sie wäre das nicht wegzudenken aus der Liturgie.

Die Liturgie ist viel schöner, reicher, vollständiger wenn die Ministranten da sind. Ich bin es gewohnt, dass die Ministranten am Werktag nicht da sind. Sonst, wenn immer möglich bin ich froh, wenn sie da sind. In der früheren Gemeinde konnte ich auch mitten am Tag Ministranten für Beerdigungen einladen.

Wie funktioniert die Werbung in Ihrer Pfarrei, damit neue Ministranten kommen?

Heute machen wir es so, dass wir eine Ausschreibung machen, wo drinsteht, wo die ersten Treffpunkte sind und wann die formelle Aufnahme ist. Dann wird es verteilt und den Kindern, die die Erstkommunion gehabt haben zugeschickt. Dann macht man die ersten Proben. Bei mir ist es so, dass ich die Kinder im Unterricht habe und sie mich auch persönlich kennen. Das ist dann auch eine Hilfe, dass sie motiviert sind und dann auch kommen. Ich habe jetzt da auch Schüler, die mich gekannt haben und darum gekommen sind. Nicht nur, weil Geschwister gegangen sind.

Wie erleben Sie denn das, die Kinder zu motivieren? Ist das einfach? Finden Sie genug Ministranten oder müssen Sie da schon etwas investieren, um genug zusammen zu bringen?

Ich muss sagen, dass es nicht einfach ist, aber auch nicht gerade schwierig. Ich habe den Eindruck, dass die, die wollen, es wissen. Dann gibt es noch Einzelne, die sich noch motivieren lassen. Sie kommen jetzt nicht massenweise. Natürlich hilft es, wenn man eine gute Ministrantenschar hat, die eine gute Tradition hat. Dann zieht das auch ein bisschen. Wir haben auch ein gutes Programm. Das hilft auch. Bei uns ist es aber so, dass wir gut noch Verstärkung brauchen könnten.

Wie sieht das Programm denn aus?

Das ministrieren besteht darin, dass jeder Ministrant einmal im Monat dran kommt. Im sonstigen Programm gibt es dann mal die Aufnahme der Neuen oder es gibt immer wieder Treffpunkte, Ministrantengruppenstunden, im Winter einen Schlittschuhtag, Filmabende, Spielabende, Sommerfeste und Ministrantenausflüge. Der Höhepunkt ist aber das Lager. Das hat bei uns eine gute Tradition. Da sind auch die ganzen Spiele entwickelt worden, die die Ministranten im St. Michael gemacht haben. Es läuft gut und hat auch gute Leiter, die diese Tradition weiter führen.

Wenn Sie jetzt generell in ihre Ministrantenschar hineinschauen. Was charakterisiert einen guten Ministranten?

Es geht darum, dass man sie nicht einfach in ein Schema hineinsteckt. Jeder auf seine Art ist ein Geschenk und man muss diese Verschiedenheiten wertschätzen. Ich halte in meiner Arbeit darauf hin, dass das Wichtigste ist, dass einer ganz dabei ist. Dass jemand auch die Fähigkeit hat, aufmerksam zu sein und zu sehen, was passiert. Ich bin nicht sehr erfreut, wenn er während der Messe etwas mit seinem Freund verhandelt. Aber es gibt auch immer wieder die Ministranten, die unsicher sind, ob sie es richtig machen. Ich sage ihnen dann immer, dass es nicht so schlimm ist, wenn sie einen Fehler machen. Was ich nicht so gut finde ist, wenn ich merke, dass jemand nicht zuhören kann und nicht ganz dabei ist. Dann gebe ich ein Zeichen und sage: Du musst dich neu orientieren. Sowas können wir nicht brauchen.

Wie erleben Sie die Ministranten, die in ihrer Pfarrei ministrieren? Was haben Sie für einen Bezug zum Ministrieren? Ist es mehr das Freizeitangebot, dass die Kinder dazu bewegt, mitzumachen? Oder hat das Ministrieren als Ministrantendienst auch noch etwas mit der Religiosität zu tun?

Die Motivation ist sicher, dass sie andere treffen, die auch ministrieren um miteinander zu ministrieren. Das ist sicher wichtig, dass sie merken, dass sie miteinander da sind. Dann ist es auch noch eher etwas, das unbewusst passiert. Es ist jetzt nicht so, dass sie sagen, dass der Gottesdienst so spannend und interessant ist, man solle doch auch kommen. Es ist mehr, dass sie merken, dass andere Leute auch noch da sind und sie in dieser Glaubenswelt merken, dass sie nicht alleine sind. Von dem her bin ich davon überzeugt, dass es den Glauben stärkt. Wenn jemand zum ministrieren kommt, dann kommt er mit einer gewissen Regelmässigkeit, dann kommt er auch dann, wenn es ihm nicht so gut geht. Und wenn er dann merkt, dass Gott da ist und eine Kontinuität gibt, dann ist es etwas, was ihm helfen wird. Da bin ich überzeugt, dass es eine Wirkung auf den Glauben gibt, dass es den Glauben stärkt. Vielleicht ist es nicht eine primäre Motivation.

Was denken Sie, was der Ministrantendienst zukünftig für Herausforderungen haben wird, gerade beim Stichwort, "neue Ministranten zu gewinnen", was gibt es da für Sachen, die man anpacken muss, bei denen man dranbleiben muss, damit diese Ministrantenschar weiterhin bestehen bleiben kann?

Das Leiterteam gut begleiten und in die Pfarrei einbinden ist sicher etwas. Wir haben z.B. bei uns Ministrantentage. Tage mit den Erstkommunikanten, wo dann die Ministrantenleiter kommen und Filme zeigen. Die Herausforderung ist auch, dass man die Ministrantenleiter behalten kann, dass man sie gut begleitet und betreut. Ob es auch gelingt, dass sie mal tiefe Glaubens- und Lebenserfahrungen machen. Wenn dies passier, dann geht auch etwas weiter. So etwas wie ein Weltjugendtreffen ist sicher etwas, was helfen wird. Wenn die, die dabei gewesen sind, zurückkommen, ist die innere Verbindung stärker spürbar. Die Herausforderung wird immer bleiben. Wir haben aber positive Zeichen. Darum bin ich zuversichtlich.

Vielen Dank für Ihr Zeugnis über Ihre eigene Ministrantenzeit, aber auch Einblicke in die Ministranten, wie es in Ihrer Pfarrei funktioniert. Danke für Ihre Zeit.
Auch Ihnen liebe Zuschauerinnen und Zuschauer herzlichen Dank fürs Zuschauen und dabeibleiben. Die Special Serie geht zu Ende. Das heisst aber noch lange nicht, dass es keine Videos mehr gibt auf KathTalk. Ich lade euch darum ein, wenn ihr darüber benachrichtigt werden wollt, wann die neuen Videos kommen, auch zu anderen Themen, dann werdet doch Mitglied bei unserer Facebookgruppe oder abonniert einen Newsletter. Wenn ihr generell etwas loswerden wollt zum Thema Ministranten, oder über eure eigenen Erfahrungen berichten wollt, dann könnt ihr unterm Video, Kommentare hinterlassen. Es würde mich sehr freuen, wenn man dort etwas lesen könnte von euch. Ich wünsche euch eine schöne Zeit, und ich würde mich freuen, wenn man euch beim nächsten KathTalk-Video wieder sehen würde. Bis dahin eine gute Zeit.


Mit Mario Hübscher, Pfarrer in der Pfarrei St. Michael, Zug, unterhielt sich Dominik Hasler.
Zug, 28. August 2011.
© 2011 HASLER4u GmbH


Für dieses Video sind noch keine Kommentare gespeichert.

aktuelle Talks:

alle Talks