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Marie-Louise Beyeler, Pastoralassistentin in Ausbildung

Marie-Louise Beyeler, Pastoralassistenin in Ausbildung, im Talk mit Thomas Fries. Frau Beyeler erzählt, wie sie zur Theologie gekommen ist und wie sie sich nun in der pastoralen Arbeit zurechtgefunden hat. Welchen Herausforderungen muss sich Frau Beyeler täglich stellen? Wie bringt man heute Menschen in die Kirche? Welchen Platz nimmt das Gebet in der täglichen Arbeit ein? Erfahren Sie es in diesem Talk!
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Ein Gespräch mit Marie-Lousie Beyeler, Pastoralassistentin in Ausbildung

Hallo liebe Zuschauer. Willkommen zu KathTalk. Heute zu Gast ist Marie-Louise Beyeler. Sie ist Pastoralassistentin in Ausbildung im Kanton Bern. Herzlich Willkommen Marie-Louise. Du hast eine Bibelstelle mitgebracht. Würdest du sie vorstellen und auch etwas dazu sagen?

Ich habe die Bibelstelle aus dem Schluss des Matthäus Evangelium, Vers 19 und 20 aus dem Kapitel 28 ausgelesen. "Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern. Tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich ihnen geboten habe. Seid gewiss, dass ich bei euch bin, alle Tage, bis zum Ende der Welt." Ich habe immer Mühe, wenn man mich nach einer Lieblingsbibelstelle fragt. Ich habe Schwierigkeiten damit, die Bibel als einen Steinbruch zu betrachten, bei dem man irgendwo ein Stück raus hacken kann um es irgendwo hinzustellen und anzusehen. Diese Bibelstelle ist für mich eine Aussage, die über die ganze Bibelstelle geht. Die Verheissung, dass der Auferstandene bei uns ist. Alle Tage bis zur Vollendung der Zeit. Wie es im griechischen Originaltext heisst. Das ist mir immer wieder ein Wort der Zuversicht, der Motivation, das mich in meinem Leben begleitet.

In der Bibelstelle kam aber auch die Frage auf, an wen Jesus sich da richtet. Es ist ja irgendwo die Sendung der Jünger. Jetzt mache ich mal einen Überschlag. Du bist jetzt eine Pastoralassistentin. Hat es damit zu tun, dass du die Bibelstelle genommen hast, weil du das Gefühl hast, gesendet zu sein?

Das ist mir erst in den letzten Monaten bewusst geworden. Ich habe immer vor allem an den letzten Vers gedacht. Man sollte ja immer ein bisschen vorher und nachher lesen. Aber wenn ich da jetzt den Schluss lese, wird mir bewusst, dass hier explizit die Verkündigung angesprochen ist. Und das passt extrem in das hinein, was mich auch motiviert. Als Pastoralassistentin in einem Umfeld und in einer Zeit zu arbeiten, die nicht nur einfach ist. Wir sind aufgerufen, zu gehen, zu verkünden, Menschen im Namen vom Vater, vom Sohn und vom Heiligen Geist zu taufen. Hineinzunehmen in die Gemeinschaft der glaubenden Menschen.

Jetzt hast du Schwierigkeiten angesprochen, denen du im Pastoralraum begegnest. Kannst du dazu etwas sagen? Zu den schwierigen Zeiten?

Man kann das generalisieren und sagen, dass das nun mal eine schwierige Zeit ist. Die Menschen füllen die Kirche nicht mehr. Es gibt viele Menschen, die ohne Glauben ganz gut leben. Wenn man pastoral arbeitet, merkt man das auch. Man muss die Menschen holen. Man muss einen Schritt auf sie zu machen. Es ist nicht mehr so, dass man an einem Ort, mit einem noch so guten Angebot und einem noch so guten Gottesdienst warten und meinen kann, dass sie kommen. Wir hatten am vergangenen Sonntag einen Gottesdienst mit Tauferneuerung. Wir haben Flyer verteilt, haben sie den Kindern mit nach Hause gegeben, etc. Da sind dann ganz viele Menschen gekommen und es gab eine sehr schöne Feier. Und das hat mir das Zeichen gegeben, dass es sich lohnt, dass man den Aufwand betreibt. Wenn man den Menschen sagt, dass wir etwas zusammen machen wollen. Wenn man den Aufwand nicht betreibt, dann hat man an einem Sonntag sehr viel anderes zu tun, als um halb elf in den Gottesdienst zu kommen. Das meine ich mit Schwierigkeit auf der einen Seite. Ich arbeite jetzt in einer Pfarrei, in der es in den letzten Jahren schwierig war. Viele Leute sind gegangen, ein harter Kern ist geblieben und das bedeutet für das Pfarreiteam jetzt viel Aufbauarbeit, viel Behutsamkeit, dort, wo Menschen verletzt worden sind. Viel Fantasie, um Neues zu machen, dass niemand sagen kann dass es früher schöner gewesen war. Einfach um zu zeigen, dass wir weiter gehen miteinander. Vielleicht auf einem etwas anderem Weg. Wo man versucht, einander ein wenig besser zu verstehen und aufeinander zu hören. Das ist eine Schwierigkeit, in die ich mich gerne reinstelle und versuche, dieser gerecht zu werden.

Du hast vorhin angesprochen, mit dem Taufauftrag Jesu die Leute in die Kirche hineinzunehmen. Die Taufe, die Sakramentenspendung ist das eine, andererseits sind ja viele Leute schon getauft und müssen wieder hineingenommen werden. Das ist ein Schwerpunkt deiner Arbeit, darin siehst du deine Herausforderung, die getauften Leute wieder darauf aufmerksam zu machen, dass sie ein Teil der Kirche sind…

Du sagst das richtig. Das ist eine grosse Aufgabe. Ich gehe davon aus, dass die Pfarrei in der heutigen Zeit für ganz viele Menschen ein Ort ist, wo man gerne ist. Wo man sich wohl fühlt und gerne einen Gottesdienst feiert. Nur aber einfach dann, wenn es einem passt. Nicht regelmässig, nicht verpflichtend, wenn das Wetter grad schlecht ist und kein Besuch ansteht, dass man dann mal in die Kirche gehen kann. Oder in der Heiligen Nacht oder an Ostern. Aber dass man das als Regelmässigkeit in sein Leben einbaut, das ist für die Allerwenigsten noch selbstverständlich. Dabei geht's tatsächlich darum, ihnen zu zeigen, dass sie dazugehören. Dass es nichts Fremdes ist, dass sie kommen sollen und dabei sein sollen. Man redet heute viel von Neuevangelisation. Ein Ausdruck, den ich ein wenig komisch fand, als ich ihn das erste Mal gehört habe. Jetzt, in der Praxis muss ich sagen, dass er korrekt ist. Die Menschen wissen ja auch nicht mehr so viel. Sie kennen die Bibel nicht mehr, das Kirchenjahr, nicht mehr den Ablauf der Liturgie. Es geht wirklich darum, dass man ihnen liebevoll und auf eine gute Art, die nicht belehrend ist, zeigt, wo ihr Platz ist und wo sie sein dürfen. Und wenn das gelingt, kann man ihnen auch ein gutes Erlebnis geben, wo das Wiederkommen dann auch einfacher fällt. Aber das ist ein grosser Aufwand. Das ist nicht mehr einfach gegeben.

Jetzt bist du noch recht neu in der pastoralen Arbeit. Du hast irgendwann in deinem Leben entschieden, dich der Theologie zu widmen. Das war nicht dein Erstberuf. Du kamst erst später dazu. Wie ist das gekommen? Hat das Theologiestudium dich auf die Wirklichkeit in der Pastoral vorbereitet?

Ich habe ursprünglich Buchhändlerin gelernt, aber nie auf diesem Gebiet gearbeitet. Geblieben ist die Liebe zum Buch. Ich habe früh geheiratet und haben fünf Kinder bekommen. Ich war dann während 25 Jahren Familienfrau und freischaffende Journalistin. Das war meine berufliche Seite. Daneben habe ich mich sehr in der Pfarrei engagiert. Ich denke, dass ich alle Stationen durchlaufen habe, die man als Mutter in einer Pfarrei durchlaufen kann. Über Chor, Pfarreirat und Kirchengemeinderat. Später war ich dann auf der staatskirchenrechtlichen Seite sehr aktiv, indem ich eine Amtszeit als Exekutivmitglied der Gesamtkirchgemeinde in Bern hatte. Kurz nach 50 bin ich dann an einen Punkt gekommen, an dem ich das Gefühl hatte, mir überlegen zu müssen, ob es so weiter geht. Ich habe meine Tätigkeit immer als Gemischtwarenladen bezeichnet. Ein wenig von dem, und von dem. Ich war dann eine Zeit sehr unschlüssig, habe dann an einem Tag dagesessen und sah nicht sehr glücklich aus. Dann hat meine Tochter gefragt, was los sei und dann habe ich gesagt, dass ich mir am überlegen sei, was ich eigentlich noch machen könnte. Dann hat sie mich angeschaut und gesagt, dass es ganz einfach sei. Das was ich machen wolle. Und dann fragte sie mich, was das sei. Ich solle es spontan, ohne gross zu überlegen, sagen. Dann sagte ich, dass ich gerne Theologie studieren wolle. Von dem Moment an, bis zur Einschreibung an der theologischen Fakultät in Fribourg sind dann nur ein paar Tage vergangen. Die damalige Dekanin hatte das damals sehr unterstützt. Eines Oktobertages habe ich mich zitternd und zagend in die erste Vorlesung gesetzt. Ich habe das nie bereut. Obwohl sich sehr viel geändert hat. Ich musste viele Aktivitäten aufgeben oder absagen. Aber es hat geklappt. Ich habe nach fünf Jahren meinen Master gemacht. Das war letzten Herbst. Ich habe es nie bereut.
Die zweite Frage ist ein wenig schwieriger zu beantworten. Ich würde mal "jein" sagen. Einerseits ist es so, dass ich in meiner Tätigkeit als Pastoralassistentin in Ausbildung auf mich allein gestellt bin, da ich meine Bezugsperson nicht neben mir, sondern im Nachbarsdorf habe. Das habe ich nirgends gelernt. In keiner Vorlesung. Das hat viel zu tun mit Management, mit Organisation, mit Umgang mit den verschiedensten Menschen. Auch mit Schwierigen. Das lernt man Gott sei Dank im Bistum Basel, in einer Berufseinführung in Kursen, die man 7 Wochen im Jahr während zwei Jahren besucht. Die waren im grossen und ganzen sehr befriedigend, weil genau diese Elemente da hinein kommen. Ich merke jeden Tag, dass das Studium wie ein Teppich ist, auf dem wir drauf laufen. Manchmal hüpft man ein wenig und er ist nicht mehr konkret spürbar. Aber es ist dennoch so, dass das Bibelwissen, das Wissen der Liturgie, die Gottesdienstvorbereitungen, dass alles, was wir gelernt haben, doch sehr präsent ist und da sein muss. In einer Zeit in der die Menschen nicht mehr so gewandt sind, und sie sich manchmal fast ein wenig genieren, Fragen zur Bibel zu stellen. Ich bin froh, dass ich das studieren durfte. Ich bin froh, dass das, was ich in der Praxis "learning by doing" mache, sicher bald eine Pastoralassistentin - ohne "in Ausbildung" - ergibt.

Also hat das, was du studiert hast, dir auch selbst geholfen, dich damit zu beschäftigen und auch gestärkt zu sein für die Mission, für die Sendung…

Garantiert. Und zwar im ganzen Umfang. Es vergeht kein Tag an dem ich mich nicht auf irgendetwas abstütze und auf irgendetwas zurückkomme. Das hat mir persönlich geholfen aber auch meiner Tätigkeit in der Pastoral.

Bei aller Tätigkeit ist ja auch die Gefahr, sich in den Tätigkeiten zu verlieren. Auch zu sagen, ich mache es ja für den lieben Gott. Die Balance zwischen vertikal und Horizontalem. Das Vertikale, das Gebet, hat das da auch seinen Platz in der pastoralen Arbeit? Muss man sich da sehr zurück nehmen? Dass man sagt, dass man die Zeit jetzt fest einplanen muss? Oder finden sich da auch einfach Möglichkeiten?

Nicht zwingend. Das muss man sich einrichten. Nicht nur in der Pastoral. Ich denke, dass jede Person, die gläubig ist und aus diesem Glauben heraus in dieser Zeit leben möchte, sich Zeit fürs Gebet einplanen muss. Wir leben so ausgefüllt und verplant. Das ist bei mir jetzt auch in der pastoralen Tätigkeit. Ich nehme mir sehr viel Zeit fürs Gebet. Das ist für mich wichtig. Am Morgen, wenn es geht, im Verlauf des Nachmittags aber auch ganz sicher am Abend. Ich bete die Stundenliturgie. Das ist mir ein unabdingbarer Boden, auf dem ich drauf stehen kann. Ich könnte es mir nicht anders vorstellen.

Also das Gebet, das auch nach den Tageszeiten strukturiert ist.

Ja genau. Nicht, dass ich sagen kann: "Dann habe ich vielleicht nach dem Mittag Zeit. Oder nach dem Abend, und dann bin ich zu müde." Das habe ich mir seit vielen Jahren angewöhnt. Das gibt den Rhythmus, wo man dann irgendwann drin ist. Der ist da, der ist gegeben und der ist wunderbar. Und ich würde das allen Leuten wünschen, dass sie sich die Zeit nehmen. Denn es kommt in reichem Mass zurück. Aber es ist sicher so in der Pfarrei. Wenn es am Montag anfängt, ist sehr schnell Freitag. Und wenn man sich das nicht für sich selber und mit dem Team und der Gemeinde einplant, dann ist die Gefahr gross, dass man mit Regelmässigkeit darüber hinweggeht. Und dann denkt: "Oh. Schon wieder eine Woche vorbei. Nächste Woche versuche ich es dann." Ich plädiere in jeder Lebenssituation ans feste einplanen von Gebetszeiten.

Vielen Dank fürs Zeugnis und die Ermutigung für das Gebet. Ich wünsche dir alles Gute für die weitere Ausbildung und viel Freude in der pastoralen Arbeit.
Auch Ihnen, liebe Zuschauer, wünsche ich alles Gute und bis zum nächsten Mal.


Mit Marie-Louise Beyeler, Pastoralassistentin in Ausbildung, unterhielt sich Thomas Fries.
Fribourg, 24. Februar 2012.
© 2012 HASLER4u GmbH


sehr sympathisch, aufschlussreich, anspornend

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