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Hildegard Aepli, Hausleiterin des Convicts Salesianum

Hildegard Aepli, Hausleiterin des Convicts Salesianum in Fribourg, im Talk mit Thomas Fries. Frau Aepli erzählt aus ihrem Glaubensleben, aus jenen Zeiten, wo der Glaube ihr weniger greifbar war und sie nicht darüber sprechen konnte. Erst durch die Begegnungen mit den Menschen in Nordostbrasilien begann sie sich wieder um ihren Glauben zu kümmern.
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Ein Gespräch mit Hildegard Aepli, Hausleiterin des Convicts Salesianum in Fribourg.

Guten Tag und herzlich willkommen zu Kathtalk. "Zeugnis geben für Christus" lautet das Thema. Eingeladen ist Hildegard Aepli, Hausleiterin des Convict Salesianum, einem Haus der Schweizer Bischöfe in Fribourg. Sie ist verantwortlich für die geistliche Ausbildung der Deutschsprachigen Studierenden aus Fribourg, die sich auf einen kirchlichen Dienst vorbereiten. Herzlich willkommen Hildegard.

Gleich zu Beginn eine Bibelstelle. Die hast du dir ausgesucht und mit ihr verbindest du etwas ganz Besonders. Welche Bibelstelle ist das?

Ich habe mir überlegt, dass ich eine Bibelstelle nehme, die nicht so bekannt ist. Es ist eine Stelle aus dem zweiten Buch der Makkabäer, ganz am Anfang im ersten Kapitel.

Dann lese ich die kurz einmal vor: „Denn als unsere Väter und Mütter nach Persien in die Verbannung geführt wurden , nahmen die Priester, die fromm geblieben waren, etwas von dem Feuer des Altars mit und verbargen es heimlich im Schacht eines leeren Brunnens. Sie versteckten es so, dass die Stelle allen unbekannt blieb. Darüber vergingen viele Jahre. Doch als es Gott gefiel, sandte der König von Persien den Nehemia her. Dieser schickte die Nachkommen jener Priester aus, um das Feuer holen zu lassen, das ihre Väter einst versteckt hatten. Als sie uns erklärten, kein Feuer gefunden zu haben, sondern nur eine dicke Flüssigkeit, befahl er ihnen, etwas davon zu schöpfen und zu ihm zu bringen. Das Opfer wurde hergerichtet. Dann liess Nehemia von den Priestern das Brennholz, und was darauf lag, mit diesem zähflüssigen Wasser begiessen. So geschah es. Nach einiger Zeit brach die Sonne hervor, die von Wolken verdeckt gewesen war. Da flammte ein grosses Feuer auf und alle staunten.“

Was sagt diese Bibelstelle über deinen Glauben aus. über dein Leben?

Diese Bibelstelle sagt mir vor allem, dass das Leben mit dem Glauben nicht so gradlinig ist. Sondern, dass es eine Geschichte ist, mit ganz verschiedenen Abschnitten. Es beginnt damit, dass das Feuer auf dem Altar im Allerheiligsten in Jerusalem einfach gebrannt hat. Tag und Nacht. Ich verbinde es damit, dass bei mir der Glaube als Kind auch einfach so gebrannt hat. Im Religionsunterricht, von dem, was wir in der Liturgie als Kinder miterleben durften, von meiner Familie her. Einfach selbstverständliches Brennen. Dann kam aber eine Zeit, wo ich mir Fragen zu stellen begann, über meinen Glauben und über die Kirche, und wo ich nicht mehr so selbstverständlich über meinen Glauben sprach. Ich begann ihn zu verstecken, wie das Feuer hier in dem Brunnenschacht versteckt wurde. Und dann kam gar eine Zeit, wo ich das Brennen des Glaubens nicht mehr wahrnahm. Wo es zu etwas wurde, wie diese zähe Flüssigkeit. Immer noch versteckt. Und dann kam eine Zeit bei mir, durch Begegnungen mit Menschen in Nordostbrasilien, dann durch das Theologiestudium und schliesslich geistlich Begleitung, Exerzitien, wo ich mich aktiv um diesen Glauben zu kümmern begann. Wo ich mit Menschen sprach, mich begleiten liess, wo ich Einkehrtage besuchte und wo ich spürte, dass dadurch dieses Feuer von Gott, von Gott selber in mir wieder entfacht wurde.

Und das hat dich dann dazu geführt, ernst zu machen mit dem Glauben, und als Theologin in der Kirche zu arbeiten? Als Frau in der Kirche zu arbeiten, wie ist das für dich, wie kam die Entscheidung?

Ein Aspekt hat wirklich mit diesen Begegnungen der Allerärmsten in Nordostbrasilien zu tun. Da erlebte ich vor allem Frauen, die konnten weder lesen noch schreiben, aber die trafen sich in Bibelgruppen. Da erlebte ich eine Echtheit, eine Natürlichkeit in ihrem Glaubensgespräch, was mich tief beeindruck hat, weil ich damals spürte, dass ich nicht mehr so selbstverständlich das Wort „Gott“ in den Mund nehmen und über meinen Glauben sprechen kann, wie diese Frauen, die wirklich ihre Armut durch den Glauben gestalteten. Das hat mich bewogen, mich diesem, meinem Glauben wirklich zu widmen, das hat mich in die Theologie geführt und schliesslich zur Entscheidung für diese Kirche auch zu arbeiten.

Also hat dich das Glaubenszeugnis anderer irgendwo auch entfacht und das Feuer wieder zum Leben gebracht?

Ja. So kann man das wirklich sagen.

Und jetzt hast du also schon elf Jahre eine Tätigkeit als Hausleiterin im Convict Salesianum. Du warst vorher Pastoralassistentin. Welche Erfahrung hast du dort in der Zeit gemacht? In der Begleitung von Studierenden, Theologiestudierenden und anderen Studierenden?

Es ist vor allem die Erfahrung in der geistlichen Begleitung. D.h. in diesen Zweiergesprächen. Wie viel Vertrauen mir entgegen gebracht wurde. Auch die Erfahrung, dass ich hier in diesen Tätigkeiten zusammen mit Theologiestudierenden so etwas in der Rolle des Nehemia war, der mit anderen, manchmal entdecken musste, aber auch durfte, dass dieser Glaube nicht greifbar ist, nicht mehr brennt. Aber doch noch etwas da ist, was dieser zähen Flüssigkeit gleicht. Und das dann nicht zu werten, oder zu verurteilen, sondern das fest zu stellen und da zu schauen, wie der Mensch dahin gekommen ist und wohin sich der Mensch wünscht. Das habe ich in diesen Jahren als eine sehr bereichernde Erfahrung empfunden.

Du bist auch selbst tätig als Exerzitienbegleiterin und dort auch mehrfach im Jahr in Kursen tätig. Wie ist dort die Erfahrung? Sind es dort auch mal andere Menschen, die vielleicht nicht mehr mit dem Glauben zu tun haben. Gibt es dort auch mal Situation, bei denen man sagen muss, dass man jetzt überfordert ist, dass man da kein gutes Wort mehr hat?

Ich glaube sagen zu dürfen, dass ich mich so nie erfahren habe. Selbst wenn mir Erfahrungen anvertraut wurden, die ich selber nicht gemacht habe. Aber ich spürte, dass ich immer ein Gegenüber sein kann, dass ich den Menschen glauben kann, was sie mir erzählen, und dass, auch bei allem Katastrophalen, was Menschen an Erfahrungen mit sich tragen, ich nie diesen persönlichen Zugang zu diesem Gott verloren habe, von dem ich weiss, dass er über alles hinaus und durch alles hindurch dem Menschen eine Verheissung aufrecht erhält und alles gut werden lässt. Selbst wenn es nicht heute und nicht morgen ist.


Jetzt würde es mich noch interessieren, die Hausleitung des Salesianum einmal anzuschauen. Du wirst das Haus nach elf Jahren nun bald verlassen. Wie blickst du jetzt zurück auf diese Zeit? Da ist ja nicht nur individual sonder auch sehr viel organisatorisches, was man da tun muss. Wie ist es gelungen, die Studierenden auch untereinander in Kontakt zu bringen, und Spannungen auch auszuhalten?

Also das Schönste für mich ist, dass ich während elf Jahren mit Zwanzig- bis Fünfundzwanzigjährigen unter einem Dach leben durfte. Mit jungen Menschen in Kontakt zu sein, ihre Art zu suchen, zu leben, Feste zu feiern, ihr Studium zu bestehen oder nicht zu bestehen, hautnah miterleben zu dürfen. Das ist etwas grossartiges für mich gewesen. Das Salesianum ist ein besonderer Ort. Wo sonst leben wie hier Tessiner, Romands, also vor allem Unterwalliser, Deutschschweizer und dann zwanzig Prozent Ausländer und Ausländerinnen unter einem Dach und versuchen immer wieder bei Tisch oder auch sonst abends in ihrer eigenen Gruppe, manchmal über die eigene Gruppe hinaus, Hausgemeinschaften zu bilden?

Also ist das auch etwas Einzigartiges, etwas Bewahrenswertes, was du dort erlebt hast?

Unbedingt. Dass gerade diese Form von Gemeinschaft in der Art und Weise im Salesianum stattfinden kann, dass das die Studiumszeit begleitet, also nicht nur das Wissen und das Prüfungenbestehen und Points sammeln, sondern sich treffen, bei Tisch und wo auch immer in Gespräche kommen, andere hören, andere Studienfächer vertreten zu haben, andere Religionen; das habe ich als etwas unglaublich wertvolles erlebt. Als Begleitung für die Studierenden auf ihrem Lebensweg. Das ist sehr kostbar.

Und jetzt wird es bald für dich losgehen. Du gibst also die Hausleitung ab. Du begibst dich ab Juni auf eine Pilgerreise. Ein Pilgerprojekt nach Jerusalem. Mehrere Monate mit einer Gruppe von vier Leuten unterwegs zu sein, das hat ja doch nochmal eine ganz besondere Herausforderung. Was hat dich dazu motiviert und wie denkst du, dass du die Herausforderung auch bestehen kannst?


Motiviert hat mich die Anfrage von Christian Rutishauser, dem Jesuiten aus dem Lassalle-Haus. Er hat mich vor sieben, acht Jahren gefragt, ob ich mit ihm nach Jerusalem pilgern würde. Und ich habe ohne nachzudenken „ja“ gesagt. Da war seine Vision und da war mein „ja“ und das ist seither so geblieben. Wir wollten zuerst im Jahre 2009 gehen. Das war dann jedoch nicht möglich. Aber jetzt am 2. Juni, am Himmelfahrtstag, geht es los. Wie ich das bestehen werde weiss ich noch nicht, das wird sich zeigen. Tag für Tag.

Aber der Glaube der träg dort auch. Sicherlich ist es auch ein Glaubensprojekt.

Es ist für mich ein Glaubensprojekt. Es steht für mich unter dem Satz: „Wir nehmen den Landweg. Aber es ist ein Gang über dem Wasser.“ D.h. ganz konkret wir wandern über den Balkan. Wir nehmen den Landweg durch alle diese Länder hindurch bis in die Türkei, Syrien, Jordanien. Das, was wir jeden Tag zu bestehen habe, was wir jeden Tag erleben, das ist für mich ein Vertrauensweg, ein Gang auf dem Wasser.

So wie Petrus auch über das Wasser gegangen ist, auf Jesus zu?

Genau. Solange Petrus Blickkontakt mit Jesus halten konnte, solange war es möglich im Vertrauen zu bleiben. Sobald er aber diese Ausrichtung auf Gott hin verlor, drohte er, zu versinken. Und das, denke ich, wird auch das sein, was uns helfen wird, die Ausrichtung, den Blick von Jesu, oder die Ausrichtung auf Gott zu bewahren. Zu suchen. Auch zu feiern. Unterwegs. Miteinander.

Die Begegnungen mit verschiedenen Gesellschaften und Kulturen brauch doch auch ein bisschen Vorbereitung. Die Sprache etwas kennen zu lernen. Habt ihr dort etwas unternommen, um nicht ganz unvorbereitet zu sein?

Ja. Die beste Unternehmung ist, dass wir Franz Mali mitnehmen, der 25 Sprachen spricht. Es sind zwar nicht ganz all jene, die wir brauchen, trotzdem wird er uns in vielen Ländern führen können.

Die Ankunft ist für Dezember 2011 geplant. Das wir dann in Jerusalem sein. Oder in Bethlehem zuerst noch. Ist da schon ein Gefühl da, wie das sein wird, Weihnachten an der Geburtsstätte Jesu zu verbringen?

Ich wage jetzt mal zu sagen, dass auf Grund meiner bisherigen Pilgererfahrungen mit Santiago, es das Gefühl der Wehmut sein wird, da das Projekt zu Ende ist und jetzt etwas Neues wieder kommen muss.

Etwas Neues, von dem du noch nicht weisst, was es sein wird. Dir ist noch unbekannt, wo du beruflich dann stehen wirst?

Ja. Es gibt Gespräche diesbezüglich. Aber es ist noch offen, wo ich dann nach der Rückkehr mit einer neuen Arbeit wieder einsteigen werde.

Das kling auf jeden Fall sehr interessant. Ich bedanke mich ganz herzlich bei dir. Ich wünsche dir sehr viel Freude weiterhin auf deinem Glaubensweg und sehr viel Vertrauen auf Gott. Vor allem auf der Pilgerreise sehr viel Schutz und Segen Gottes.

Dankeschön.

Auch bei Ihnen liebe Zuschauer, bedanke ich mich recht herzlich für Ihr Interesse. Ich würde mich freuen, Sie auch beim nächsten Talk begrüssen zu dürfen.


Mit Hildegard Aepli, Hausleiterin des Convict Salesianums in Fribourg, unterhielt sich Thomas Fries.
Fribourg, 24. Februar 2011.
© 2011 HASLER4u GmbH


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