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Hans Schaller SJ, Spiritual und Exerzitienbegleiter

Hans Schaller SJ, Spiritual und Exerzitienbegleiter, im Talk mit Thomas Fries. Pater Schaller spricht über die Heiligen dieser Zeit und über seine Tätigkeit als Exerzitienbegleiter. Wie laufen Exerzitien ab? Warum lohnt es sich, Halt zu machen im Alltag? Wie hilft einem ein Exerzitienbegleiter dabei? Erfahren Sie es in diesem Talk!
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Ein Gespräch mit Pater Hans Schaller SJ, Spiritual und geistlicher Begleiter

Guten Tag und herzlich willkommen zu KathTalk. Zeugnisgeben für Christus. Mein heutiger Gast ist Pater Hans Schaller. Er ist Jesuit, Spiritual, geistiger Begleiter und Buchautor. Guten Tag Pater Schaller.
Sie haben eine Bibelstelle mitgebracht. Darf ich Sie bitten, die Bibelstelle vorzulesen, oder zu sagen, welche Bibelstelle Sie ausgesucht habe?

Ich habe eine sehr bekannte Bibelstelle ausgesucht. Die Jünger von Emmaus. Es ist etwas lang, aber wovon ich gerne ausgehen möchte sind die ersten Verse, die ich gerne kurz vorlesen würde: Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen. Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, sodass sie ihn nicht erkannten. Er fragte sie: "Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet?" Da blieben sie traurig stehen, und der eine von ihnen, Kleophas, antwortet ihm: "Bist du so fremd in Jerusalem, dass du nicht weisst, was in den letzten Tagen dort geschehen ist?" Er fragte sie: "Was denn?" Sie antworteten ihm das mit Jesus von Nazareth.

Und was bewegt Sie besonders an dieser Bibelstelle?

Ich habe diese Bibelstelle ausgesucht, weil sie am besten den Glauben als ein gemeinsames Unterwegssein illustriert. Wir haben hier diese beiden Jünger, die miteinander auf diesem Spaziergang in Trauerarbeit sind, in schwieriger Zeit nicht auseinander gingen, sondern beieinander blieben und sich unterhalten. Als sie von diesem Dritten, der zu ihnen kommt, gefragt werden, erzählten sie ihm das von Jesus von Nazareth. Und das fasst eigentlich vieles zusammen. Die Lebenserfahrung, die Erfahrungen von Trauer, von Abschied und Schmerz. Aber auch auf dem Weg Jesus zu entdecken, zu erfahren, was mit ihm geschehen ist und wie weit er hilft, den begangenen Weg zu erleuchten und verständlich zu machen.

Dieses Wegmotiv sticht deutlich heraus. Das taucht auch immer auf, wenn Sie Bücher schreiben. Sie haben die Bücher "Treue zu meinem Weg", "Wie finde ich meinen Weg", oder "Im Labyrinth des Lebens" geschrieben. Das sind ja Lebenshilfen, die Sie da ausformuliert haben. Was ist das Besondere am Wegmotiv? Wie kamen Sie darauf?

Ich glaube schon, dass ich von der Theologie inspiriert bin. Es geht weniger daraus hervor, dass ich selber ein Anderer bin und durchaus die Gefühle kenne, die einen bewegen, wenn man auch auf dem Wege ist. Ich glaube eher, dass die tiefste Inspiration für diese Wegtitel und Wegbücher schon im Glauben drin ist. Der Glaube ist selber eine Art, sich auf den Weg zu begeben, den Weg zu erkennen, auf diesem Weg Gemeinschaft zu finden und immer wieder, wie es in dieser Geschichte auch deutlich wird, Jesus selber als den Mitgehenden auf dem Weg zu erkennen. Ich denke, das ist schon das ursprüngliche Motiv. Es fängt bei Abraham an. Er geht den Weg, der ihm gezeigt wird. Das ist Glaube. Wege sind nicht einfach erleuchtete Autostrassen, sondern Wege, die zu entdecken sind und die sich im Gehen aufmachen oder sich im Gehen sogar bilden.

Wenn man auf dem Weg ist, dann braucht es ja immer auch einen Wegweiser. Eine Aufgabe, die Sie auch erfüllen ist ja die des geistlichen Begleiters. Auch Exerzitienbegleitung. Was ist dort die besondere Aufgabe?

Der Spirituale oder Exerzitienbegleiter hat nicht etwa die Aufgabe, sich in ein Gespräch zwischen Gott und dem Einzelnen hineinzumischen, sondern eine Hilfe zu bieten, um richtig sehen zu können. Er ist eine Interpretationshilfe der Ereignisse, die einem im Leben zustehen. Jedoch ist er auch nicht bloss eine psychologische Hilfe, sondern auch eine Glaubenshilfe. Eine Auslegung des Lebens, im Lichte des Glaubens mit Hilfe des Evangeliums. Das kann etwa darin bestehen, dass ich als Begleiter eine entsprechende Bibelstelle suche oder gleich finde, in der der Einzelne seine Lebenserfahrung gut zusammengefasst findet und die ihm hilft, zu verstehen, was er gerade lebt. In dem Sinne ist Spiritual und Begleiter nicht einer, der einfach die Probleme löst oder sogar anstelle des Begleiteten eine Entscheidung trifft, sondern seine Aufgabe liegt bereits im Vorfeld der Entscheidungsfindung. Der Klärung des richtigen Sehens. Und das eben auch mit der Bibel in der Hand.

Auf dem Weg muss man ja auch immer wieder Innehalten, nicht nur, um Wegorientierung zu finden, sondern um einfach Inne zu halten. Dabei sind die Exerzitien eine Hilfe. Nach der Art von Loyola. Darin sind Sie ja auch sehr bewandert. Können Sie etwas zur Dynamik, zum Aufbau und zum Sinn der Exerzitien sagen?

Sie formulieren es in der Frage selber schon, es ist ein Innehalten. Einfach auch deshalb, weil unser Leben ja ständig dabei ist, auseinander zu geraten. Die desintegrierenden Kräfte, die am Werk sind, so dass man sehr oft auch noch bei bestem Willen wieder in Verhaltensweisen hineingerät, die man eigentlich so nicht möchte. Und so hat das Leben aus sich heraus eine Notwendigkeit, ständigen neugeordnet Werdens. Das ist der Sinn von diesem Innehalten. Wenn ich ein Bild brauche darf, ist es das Bild des Läufers. Während er läuft ist es schwierig, Rechenschaft zu geben, ob er in die richtige Richtung läuft. Ob er auch richtig läuft. Er läuft einfach, um Richtungen neu zu bestimmen. Die Art und Weise des Laufens und des Vorangehens zu reflektieren, muss man Halt machen. Und solche Haltepunkte sind eben die Exerzitien, wo ich mir auch wirklich Zeit nehme, mein Leben wieder im Lichte des Glaubens zu ordnen. Zu sehen, was denn das ist, was mir geschenkt ist, oder wo die Herausforderung der jetzigen Zeit für mich ist.

Ein kurzer Umschwung zu ihrem persönlichen Glaubenszeugnis. Sie führen verschiedene Aufgaben. Wo würden Sie sagen, ist ihr Hauptschwerpunkt im Zeugnisgeben für Christus? Wie möchten Sie Zeugnis geben für Christus? Ist das schon in den Aufgaben enthalten, oder geht das darüber hinaus? Wie würden Sie das beschreiben?

Wesentlich ist es darin enthalten. Es ist eines der wesentlichen Aufgaben, die uns Jesuiten von Ignatius übertragen sind. Immer wieder Menschen dort hin zu führen, wo sie etwas von der Unmittelbarkeit und der Gotteserfahrung zu spüren bekommen. Das sind die Exerzitien. In dem Sinn eben Gott und Jesus in eigener Erfahrung zu entdecken und vielleicht nur in abgeleiteter Weise in der Vermittlung durch die Verkündigung der Kirche. Das ist die Unmittelbarkeit, die darin gegeben ist und darin besteht schon etwas meine Lebensaufgabe. Es gibt aber auch etwas darüber hinaus. Ich hatte die Gelegenheit, einmal eine Arche anzufangen. Das ist ein Zusammenleben mit geistig Behinderten und das ist für mich insofern wichtig, weil eben die Botschaft Jesu, ohne diese Berücksichtigung der Ärmsten in dieser Gesellschaft, nicht glaubhaft gelebt oder verkündet werden kann. Das ist noch etwas, was mir am Herzen liegt. Über die Exerzitientätigkeit hinaus.

Sie haben auch eine Zeitlang mitgelebt in der Archegemeinschaft?

Ich habe selber die Schlussphase der Ausbildung in der Arche erlebt. Hab dann dreieinhalb Jahre zum Aufbau einer Arche dort beigetragen und mitgelebt und konnte da so die Anfänge einer Gemeinschaftsgründung miterleben und versuche jetzt soweit es möglich ist, immer noch mit den behinderten Menschen in den Archegemeinschaften in Kontakt zu sein.

Wenn man selbst Zeugnis geben möchte für den Glauben, ist man ja auch darauf angewiesen, dass man schon Vorbilder hat. Vielleicht besonders die Seligen, die Heiligen der Kirche, vielleicht andere vorbildhafte Menschen. Darf ich Sie fragen, wer Sie besonders inspiriert hat? Zu wem Sie eine besondere Nähe haben?

Wer Jesuit wird, wer mit dem Orden in Kontakt kommt, bei dem sind es schon die geistlichen Väter. Wenn Sie mich fragen würden, würde ich sagen, dass Ignatius mein geistlicher Vater und Thomas von Aquin mein Lehrer ist, weil ich bei ihm theologisch gesehen mehr in die Schule gegangen bin. Heilige sind für mich gute Interpreten und Konkretisierungen des Glaubens. Und das ist auch eine Hilfe in der Suche nach der Antwort auf die Frage, wie man Zeugnis geben möchte. Heilige sind die Antworten Gottes auf die jeweilige Not der Zeit. Und so ist es an ihnen immer etwas vom Zeitgeschehen abzulesen. In dem Sinn suchen wir auch in unserer Zeit nach diesen Interpreten, die die Zeichen der Zeit richtig erkennen und erst noch glaubwürdig in ihr Leben übersetzen.

Wer sind denn die Heiligen unserer Zeit?

Vielleicht leben sie unter uns und wir haben sie noch gar nicht richtig entdeckt. Wir wissen sicher, dass eine Mutter Theresa, diese unscheinbarer Nonne, weit über die katholische Kirche hinaus gewirkt hat. Ich würd auch unseren ehemaligen General, Pater Pedro Arrupe zu diesen zählen, wie aber auch Charles de Foucauld, Johannes XXIII, um nur einige zu nennen, bei denen man etwas vom Geist des Evangeliums greifen kann. Vielleicht sind es immer diejenigen, die das Evangelium ernst nehmen und die Liebesbotschaft ernst machen. "Einmal zu lieben. Nicht bloss, weil wir geliebt werden, sondern umsonst. Ohne Grund. Liebe verdient den Namen, wer an der Liebe festhält. Auch da wo keine Gegenliebe ist."

Vielen Dank für das sehr bereichernde Gespräch. Auch Ihnen, liebe Zuschauer wünsche ich ein weiteres gutes Dranbleiben bei KathTalk und bis zum nächsten Mal.


Mit Pater Hans Schaller, Spiritual und geistlicher Begleiter, unterhielt sich Thomas Fries.
Fribourg, 21. Oktober 2011.
© 2011 HASLER4u GmbH


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