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Hildegard Aepli und Franz Mali - Jerusalempilger 4/4

Hildegard Aepli und Franz Mali im Talk mit Naomi Hasler. In diesem 4-teiligen Pilgerspecial erzählen Hildegard Aepli und Franz Mali von ihren Erfahrungen auf der siebenmonatigen Pilgerreise nach Jerusalem. Im vierten Talk: Es ist geschafft! Die vier Pilger kommen in Jerusalem an. Hildegard Aepli und Franz Mali berichten vom "Einzug" in Jerusalem, den grossen Emotionen und der Schar von Medienschaffenden, die sie dort erwartet. Franz Mali und Hildegard Aepli berichten auch, wie es war, zurück in die Schweiz zu kommen und wie sie sich langsam wieder in ihren Alltag einleben. Was nehmen sie von der Pilgerreise mit in ihren Alltag? Erfahren Sie es in diesem Talk, der die Specialserie über die Jerusalempilger abschliesst.
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Ein Gespräch mit Hildegard Aepli und Franz Mali über ihre Pilgerreise nach Jerusalem (Teil 4/4)

Grüezi und herzlich willkommen zu KathTalk. 4300 Kilometer sind es von der Schweiz bis nach Jerusalem. Die ganze Strecke sind vier Schweizer im letzten Jahr gelaufen. Mit dabei waren Franz Mali und Hildegard Aepli, die bei mir heute zu Gast sind. In den letzten Talks sind wir auf die Strecke bis kurz vor Jerusalem eingegangen.
Franz und Hildegard, wann habt ihr Jerusalem dann wirklich mal gesehen?

Hildegard: Franz, Esther und Christian haben Jerusalem vom Berg Nebo aus gesehen. Das ist noch in Jordanien. Der Ort, an den Moses das Volk von Israel hingeführt hat. Die drei haben irgendwelche Türme gesehen. Ich habe das nie gesehen. Ich habe Jerusalem dann effektiv das erste Mal gesehen, als wir auf die Stadt zugewandert sind. Am zweitletzten Pilgertag.

Wie war das, als ihr Jerusalem gesehen habt? Franz, du hast es vorher schon gesehen...

Aus Jordanien habe ich es schon bei der letzten Reise, die ich vor ein paar Jahren gemacht habe, gesehen. Es war zum Anfassen nah und diese Spannung steigt, wenn man näher kommt. Aber auch diese Sehnsucht, dass man ankommt und diese Freude, dass es nur noch drei, vier Tage sind, bis man dort ist. Man ist schon ein halbes Jahr gelaufen. 180-200 Tage. Und jetzt sind es die letzten vier Tage. Das war etwas ganz Besonderes.

Konnte man sich auf das überhaupt einlassen? Man sieht hier, dass ihr die Medien regelrecht angezogen habt. Ihr wart umringt. Hat euch das in dem Moment gestört, Hildegard?

Hier sind wir am Ölberg angekommen. Da habe ich diese Medien nicht gespürt. Wir haben es unterwegs in den zwei, drei letzten Tagen in Jordanien gespürt, wenn sie dann plötzlich mit dem Kameras vor uns standen oder mit den Autos um uns rumgefahren sind und Interviews wollten. Da hat es in meiner Empfindung mühsame Momente gegeben. Hier waren sie ja aber bei uns im Rücken.

Das war ja auch ein sehr persönlicher Moment, Franz?

Ja. Bei mir war es so, dass ich in diesem Moment nichts zu verbergen hatte. Ich hatte kein bestimmtes Geheimnis, das ich aufdecken könnte. Und wenn man an diesem Ort weint oder wir uns um den Hals fallen, dann denke ich, dass das völlig normal ist. Nach so einer langer Zeit und nach 4300 Kilometer. Das dürfen die ohne weiteres filmen.
Ihr habt selber auch sehr viel Medienarbeit geleistet. Ihr habt den Blog geschrieben. Würdet ihr das nochmal so intensiv machen?

Hildegard: Ich würde das nochmals genauso machen. Das Blogschreiben am Abend war für mich wie eine kreative halbe Stunde, in der ich mich mit niemandem besprechen musste. Das war für mich am Tag der Rückzugsmoment. Ausserdem gaben mir die Kommentare und die Anteilnahme eine bestärkende Kraft, die ich für mich sehr tragend war.

Franz, du hast am Anfang vor allem die Route reingestellt. Gegen Schluss hat man von dir ein wenig mehr erfahren. Hast du dort den Blog auch ein wenig für dich entdeckt?

Vielleicht schon. Es war so, dass ich dankbar war, dass ich jeden Tag die Route reinstellen konnte und einfach einen relativ trockenen, kurzen Beschreib dazu reinstellen konnte. Ich muss sagen, dass ich am Anfang schon ein wenig Mühe hatte, jeden Tag etwas Persönliches oder Auffälliges von diesem Tag reinzuschreiben. Das war eine grosse Herausforderung und auch eine Überwindung für mich. Mit der Zeit habe ich die Scheu ein wenig abgelegt. Mit dem konnte ich dann später auch besser umgehen und auch persönliche Sachen reinschreiben.

Also würdest du es auch wieder machen. Eine intensive Öffentlichkeitsarbeit?

Für mich war es schön, jeden Tag etwas dafür zu tun. Es war nicht viel, aber es war eine tägliche Aufgabe und für mich auch fast ein Aspekt des Tagebuchs. Das finde ich heute noch schön. Ich bin so dankbar, dass wir den Blog mit vier verschiedenen Menschen geschrieben haben. Wenn ich alleine gewesen wäre, hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich alleine einen Blog so konsequent hätte pflegen können. Aber zu viert war das wirklich in einem guten Mass machbar.

Hildegard, hat der Blog auch geholfen, dass man die Familie nicht so vermisst hat, da man auch immer die Rückmeldung hatte?

Das war sicher auch ein Aspekt.

Hast du auf dieser Reise deine Familie oder Freunde sehr stark vermisst?

Ich kann es jetzt nicht so sagen. Ich habe sie mir sehr nahe gespürt. Manchmal war es sehr emotional, das wahrzunehmen. Ich hab sie in dem Sinne nicht vermisst, da es immer wieder Zeichen der Verbundenheit gegeben hat. Mit SMS schreiben oder zwei, drei Mal mit den Eltern telefonieren. Diese Möglichkeiten hatten wir.

Jetzt wart ihr hier auf dem Ölberg. Dann seid ihr nachher nach Jerusalem runter gelaufen.

Franz: Dann sind wir durch dieses Tal hinuntergelaufen und auf der anderen Seite wieder ein bisschen hoch. Richtung Grabes- und Auferstehungskirche.

Der Einzug in Jerusalem. Wie war das für euch?

Hildegard: Auf dieser Strecke zum Ölberg, auf der Jesu am Palmsonntag nach Jerusalem eingezogen war, gab es ein sehr steiles Stück. Dort war die Erwartung, den ersten Blick auf Jerusalem zu haben. Ein paar hundert Meter vor dieser Aufnahme, war es dann so weit. Das war dann der Moment, den Christian emotional am stärksten getroffen hat. Die von ihm ersehnte und so geliebte Stadt das erste Mal zu sehen, nachdem er dort hingelaufen war. Dort hat dann das erste Weinen vom Ankommen bei uns Allen angefangen.

Noch vor der Grabeskirche?

Ja. Das war der erste Moment.

War da auch sehr viel Erleichterung drin? Oder war das eine Glaubenserfahrung, die diese Tränen ausgelöst hat?

Ich kann es in einem Bild sagen. Für mich war diese Wallfahrt wie in einem Dampfkochtopf. Am Ölberg ist bei diesem Dampfkochtopf durch das Ventil sehr viel Dampf weggegangen. Als wir über die Schwelle der Grabeskirche getreten sind, hat er gesagt: "Hildegard. Das ist das Ziel." In diesem Moment ist bei mir der Deckel dieses Dampfkochtopfs weggefallen. Als dann noch die Orgel angefangen hat zu spielen, hat mich das innerlich sehr getroffen. Ich hatte das überhaupt nicht erwartet. Das hat auch noch etliche Wochen angehalten. Dieses Blosssein. Um noch beim Bild dieses Dampfkochtopfs zu bleiben. Ich hatte das Gefühl, dass ich, als wir in Zürich am Hauptbahnhof wieder angekommen sind, aus diesem Dampfkochtopf wieder ausgestiegen und wieder in mein Leben zurückgekommen bin.

Gibt es bei dir auch so ein Bild, Franz?

Nein. So ein Bild ist mir nicht gekommen. Aber was mich in dem Moment genau so bewegt hat, war der Moment, als wir in die Grabeskirche reinlaufen sind. Ich habe versucht, Bilder zu finden aber ausser der Filmkamera gibt es keine Fotos davon. Da habe ich bis jetzt noch keins gefunden, was ich sehr schade finde. Ich habe noch das Bild vor mir, als wir über diese Schwelle getreten sind, das ist einem noch so im Gedächtnis. Und als wir dann dort reingelaufen sind, sind wir angekommen. Und dann im Gottesdienst am nächsten Morgen nochmal. Das war für mich etwas sehr Berührendes. An dem Ort anzukommen, wo Jesus gestorben ist, die Goldgrube ist, das Grab seiner Auferstehung ist. Wirklich an diesem Ort anzukommen und nach so vielen Jahren Vorbereitung, nach so vielen Monaten Laufen, sich darauf hinzubewegen, das war unglaublich.

Du sagst ihr seid über diese Schwelle gelaufen. Wohin seid ihr dann gegangen?

Hildegard: Über diese Schwelle kommt man in die Grabeskirche, wo dann auf der rechten Seite der Golgothahügel und das leere Grab in der Mitte der Kirche ist. Wir sind ja dann an diesen Orten zuerst vorbei gegangen. Wir hatten ja für die Eucharistiefeier eine Kapelle im hinteren Teil der Grabeskirche reserviert. Wir waren dann auch knapp dran. Wir wussten, dass wir die Kapelle von vier bis sechs Uhr zur Verfügung haben und wir pünktlich sein mussten, weil viele Gruppe auch in diese Kapelle wollen.

Dann habt ihr nur zu viert Eucharistie gefeiert, oder wer hat da mit euch gefeiert?

Die ganze Gruppe, die uns noch begleitet hat. 40 bis 45 Menschen.
Wenn du noch fragst, was es für eine spirituelle Erfahrung gewesen sei. Wir haben es beide schon angetönt. Ich muss sagen, dass in dieser Grabeskirche Erlösung stattgefunden hat. Und das hatte mit der Erlösung des Leidens, was dieser Weg auch gewesen war, zu tun. Der Weg, der zusammenfällt mit der Geschichte von Jesus. In dieser Kirche, diese beiden Punkte, das grosse Leiden und den Glauben an die Auferstehung, unter einem Dach zu sehen und das hat sich bei mir in meinem eigenen Erleben, miteinander gedeckt. Die Erlösung von den Strapazen, die Erlösung von all dem, was man an Lasten getragen hat und das zu viert geschafft zu haben. Das ist in dem Moment passiert.

Was war das hier für ein Moment?

Franz: Das war am nächsten Morgen. Am ersten Abend, als wir angekommen sind, haben wir Eucharistie gefeiert. Wir hatten dann Zeit, in unser Quartier zu gehen und so sind wir dann am nächsten Morgen nochmals in die Grabeskirche und sind dann rauf auf Golgatha. Über diesen Felsen da, der da verborgen ist. Auf dem war das Kreuz Jesu aufgestellt und dort haben wir das Pilgerband hingelegt. Mit all diesen Bitten und diesen Anliegen, die wir unterwegs immer mitgetragen haben, für die wir gelaufen sind und gebetet haben. Hildegard hat dann dieses Foto gemacht und dann hat es geblitzt und dann haben wir gehört, dass der Mönch hinter uns ruft, wir sollen aufstehen und gehen und keine Fotos machen. Dann sind wir aber zu diesem Mönch hin und haben erklärt, dass wir von weit her, aus der Schweiz, zu Fuss gekommen seien, und dass in diesem Band hier die Bitten und die Anliegen so vieler Menschen drin seien. Und dann hatten wir den Eindruck, dass er verstanden hat, was wir hier machen. Dann hat er das Pilgerband genommen, die Schuhe abgezogen und ist nach hinten gegangen und hat von den Öllampen, in denen es ganz parfümiertes Öl drin hat, Öl genommen und das ganze Pilgerband mit dem Öl gesalbt und uns die Hand hingehalten und uns gezeigt, dass wir auch von dem Öl nehmen und uns einreiben sollen. Das war für uns alle ein sehr bewegender Moment. Wir sind dort nicht als Touristen, die durchgeschleust werden, angekommen, sondern sind wirklich von diesem Mönch empfangen und erkannt worden. Ein persönlicher Empfang und das war so etwas Bewegendes und Schönes für uns alle.

Das musste im ersten Moment ein Schock gewesen sein, als ihr so angefahren worden seid.

Ja natürlich. An diesen Orten zu sein, nach dieser Reise, war sehr emotional. Dieses Weinen, das beim Ölberg angefangen hat, war an diesen Orten sofort wieder da. Und als dieser Mönch gesagt hat, wir sollen weg, waren wir verstört.

Macht Pilgern weich, in diesem Fall?

Beim Bild vom Dampfkochtopf kann ich sagen, dass ich durchgeklopft, weichgekocht und gegart bin.

Ihr seid dann angekommen. Dann will man wahrscheinlich auch gar nicht mehr weg. Was habt ihr dann gemacht?

Franz: Gar nicht mehr weg ist nicht das richtige Wort. Ankommen, sich Zeit lassen, sich auch Zeit nehmen fürs Ankommen, Zeit dort verbringen und sich gleichzeitig klar werden, dass es fertig ist. Die Wallfahrt war ein Projekt und das ist beendet. Die Wallfahrt dauert sechs, sieben Monate und ist aber nicht das Leben. Es ist nur etwas Aussergewöhnliches in diesem Leben. Aber das Leben geht dann auch wieder weiter.

Es war also etwas sehr aussergewöhnliches für euer Leben. In dem einen Film vom Schweizer Fernsehen hat Christian gesagt, dass das kein Selbstfindungstrip gewesen sei, sondern ihr für den Frieden gelaufen seid. Wie war es für euch, habt ihr nicht versucht euch selber zu finden?

Hildegard: Das war jetzt nicht eine Motivation, die mich begleitet hat. Mir ist klar, dass, wenn man sich auf so ein Unternehmen einlässt, man dann Erfahrungen mit sich selber macht. Auf das habe ich mich auch gerne eingelassen. Um zu sehen, was mit mir passiert. Aber nicht, dass ich jetzt etwas will oder eine Erwartung hatte, dass etwas passiert.
Franz: Ich denke schon, dass es für mich Beides war. Es war so, dass ich mich auf den Weg gemacht habe, gelaufen bin, in der Gruppe unterwegs war, etc. Ich glaube, dass man das wirklich ganz ernst nehmen muss mit seinen Vorteilen und auch mit seinen Nachteilen. Man kann nicht sagen, dass man nur für den Frieden gelaufen ist, alles auf dies fokussiere und alles andere vergessen würde. Das wäre total realitätsfern und man muss das irgendwie in Verbindung und in einen Einklang bringen, dass es ein Miteinander gibt.

Wie habt ihr eure Zeit in Jerusalem noch verbracht?

Hildegard: Wir hatten eine Reiseleiterin, die hat uns an wichtige Orte hinbegleitet hat. Christian hat das mit ihr zusammen gemacht. Er kennt sich dort auch sehr gut aus. Da waren wir dann nach Weihnachten Touristen.

Jetzt seid ihr so viele Monate gelaufen und dann ganz schnell wieder nach Hause gekommen. Ist man da noch mitgekommen, Franz? Du konntest in ein Flugzeug einsteigen. Ohne GPS-Gerät.

Ich bin mit meinem GPS-Gerät eingestiegen und hab es extra noch eingestellt. Nachdem wir in Jerusalem noch eine Konferenz hatten und noch ein paar Tage ausgespannt hatten, habe ich mir gedacht, dass das auch ein Teil der Wallfahrt ist. Das nach-Hause-kommen. Der Heimweg. Und ich habe wirklich versucht, das Gerät noch im Flugzeug angestellt zu lassen. Und das ist dann auch gelungen. Die Stewardess war nicht begeistert beim Start und der Landung. Wir haben schon in Aman, wo wir so eine lange Pause hatten , gedacht, dass wir uns schon darauf einstellen, wie das ankommen und das nach Hause kommen sein wird. Ich war auch ungeduldig, dass ich wieder nach Hause komme. Ich war wirklich darauf vorbereitet und darauf eingestellt. Ich habe auch gemerkt, dass diese Zeit, die wir uns für die Wallfahrt reserviert haben, rum war und die Arbeit wieder zu Hause gewartet hat. Es war ja vereinbart, dass ich wieder bei der Arbeit einsteige. Diese Zeit war jetzt vorbei und es ging wieder anders weiter.

Hildegard, erst die Ankunft in Jerusalem und dann wider die Ankunft zu Hause. Was war das für eine Erfahrung? Auch eine sehr emotionale?

Ja. Für mich war ja die innere Erfahrung mit Jerusalem, dass dort immer etwas vom Zwerchfell aus in Gang gesetzt wurde. Wegen allem Berührenden, musste ich weinen. Und das war da natürlich unglaublich. Da waren meine Eltern, meine Geschwister, Menschen, die uns über den Blog und andere Kanäle so intensiv begleitet haben. Die standen da und haben uns erwartet. Eine riesige Menschenmenge, mit denen wir anstossen durften.

Was sind das für Goldmedaillen?

Hildegard: Esters Mutter hat jedem eine andere Goldmedaille um den Hals gelegt. Für die Leistungen, die wir gemacht haben.
Franz: Bei mir hatte es irgendetwas mit der Route zu tun.
Hildegard: Bei mir stand etwas mit Film, Gedichten und Fotos drauf.

Franz, mittlerweile bist du wieder Professor an der Uni. Wie war das, zurück zu kommen in deinen Beruf?

Wieder einsteigen und wieder versuchen, den Anschluss zu finden war die eine Seite. Auf der anderen Seite habe ich den Eindruck, dass ich anders und ruhiger geworden bin, als vor der Wallfahrt. Auch in Bezug auf die Arbeit. Das Zugehen auf neuen Aufgaben, die auf mich warten. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass die Wallfahrt etwas in mir bewirkt und verändert hat. Vor allem jetzt, wenn man auf das Thema Frieden und Versöhnung wieder zurückkommt. Wie sich die Situation in Syrien entwickelt, das war mir immer ein Anliegen, das zu verfolgen. Auch an diese Leute, die wir getroffen haben, zu denken und zu beten, dass das Ganze gut rauskommt.

Bei dir Hildegard hat sich vieles geändert?

Ich wohne in einer neuen Stadt, habe eine neue Wohnung, einen neuen Arbeitgeber, drei Berufe, einen Arbeitsweg und mein Büro das erste Mal in meinem Leben nicht mehr in meiner Wohnung. Ich habe ein neues Leben angefangen.

Franz sieht ja ganz klar vorher, nachher. Bei dir ist jetzt so vieles neu. Siehst du trotzdem die Auswirklungen dieser Pilgerreise auf dein Leben?
Ich kann es nicht so genau sagen. Am ehesten mit der grösseren Gelassenheit, das ich auch von Esther schon gehört habe. Mit Ruhe, an etwas ranzugehen, das merke ich auch. Wenn die alte Hildegard früher raus kam: "Ich mach noch schnell dies und das." Und heute sage ich auch: "Ja. Ich mache dies und das." Aber nicht schnell.

Steckt dir die Pilgerreise noch in den Knochen, Hildegard?

Ich habe nach wie vor Probleme mit der Achillessehne. Ich habe mir vorgenommen, dass ich jetzt, wo ich einen Arbeitsweg habe, einmal am Tag diese halbe Stunde laufe. Ich hoffe, dass es am Abklingen ist. Ich weiss nicht, wie es wäre, wenn ich eine längere Strecke laufen würde. Die Knieschmerzen sind immer noch da, aber nicht mehr so stark.

Du läufst am Morgen immer noch. Ist das bei dir auch so, Franz?

Leider nein. Die Strecke von mir zu Hause bis zu meinem Arbeitsplatz an der Uni in Fribourg ist so kurz, dass ich sonst in dieser Zeit wahrscheinlich grad mal den Rucksack gut raufgebunden hätte.

Aber fehlt dir das Laufen?

Ja. Ich merke, wenn ich eine halbe Stunde laufe, dass ich sofort denke, weiter laufen zu müssen. Dann zieht es mich fast rein.

Jetzt hat das Leben ausserhalb der Gruppe wieder gestartet. Wie ist das für dich Hildegard, vermisst du die Andern?

Am Meisten vermisse ich Esther. Mit ihr habe ich 24 Stunden pro Tag verbracht. Wir haben so viel miteinander ausgetaucht und geteilt. Da vermisse ich sie einfach. Sonst geniesse ich es unglaublich, dass ich wieder eine Wohnung habe. Das Alleinsein. Am Abend, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, mich auf meinen Sessel zu setzen und nichts zu tun. Einfach Stille zu haben, nachzudenken und ungestört zu sein. Ich habe zurzeit auch keine Lust, etwas zu lesen oder ins Kino zu gehen. Das sind alles Sachen, zu denen ich noch gar kein Verlangen habe. Aber über vieles nachzudenken, was gewesen ist, das ist schön.

4300 Kilometer bis nach Jerusalem. Ist das ein einmaliges Projekt oder plant ihr schon wieder eine Pilgerreise?

Franz: Nein. Ich plane keine Pilgerreise. Aber ich kann nicht sagen, dass das durch eine andere Wallfahrt inflationär werden könnte, was wir zusammen erlebt haben. Ich habe aber nicht das Bedürfnis, da ich jetzt einmal mit dem Wallfahrerleben angefangen habe, nicht mehr aufhören zu wollen. Das nicht.

Hildegard, du hast die Wanderschuhe noch an. Machst du nochmals eine Pilgerreise?

Nein. In einer kleineren Art und Weise kann ich mir das schon noch vorstellen. Im Bistum St. Gallen sind ab April die Galluswege ausgeschrieben. Da bin ich angefragt worden, ob ich sie für einen Tag begleiten würde. Aber so eine grosse Pilgerreise ist jetzt nicht im Fokus. Einfach in der Schweiz ein paar Tagesetappen laufen, das habe ich vorher schon gerne gemacht und das würde ich auch in Zukunft gerne wieder machen.

Hildegard Aepli und Franz Mali, vielen Dank für das Gespräch. Ihnen zu Hause danke ich fürs Zuschauen. Wenn sie das Thema gepackt hat und Sie die ganzen Talks nochmals schauen wollen, gibt es sie auch auf DVD. Sie können sie bei uns auf der Seite KathTalk im Onlineshop bestellen. Auf Wiedersehen.


Mit Hildegard Aepli und Franz Mali über die Pilgerreise nach Jerusalem unterhielt sich Naomi Hasler.
Fribourg, 18. Februar 2012.
© 2012 HASLER4u GmbH


Endlich geschafft! Wie gross muss die Sehnsucht sein, dieses Ziel zu erreichen, wenn man derartige Strapazen und Widrigkeiten in Kauf nimmt. Vielen herzlichen Dank für die eindrücklichen Schilderungen und Hochachtung der ganzen Gruppe.
Danke auch dem KathTalk-Team für den spannenden Beitrag.
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