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Hildegard Aepli und Franz Mali - Jerusalempilger 3/4

Hildegard Aepli und Franz Mali im Talk mit Naomi Hasler. In diesem 4-teiligen Pilgerspecial erzählen Hildegard Aepli und Franz Mali von ihren Erfahrungen auf der siebenmonatigen Pilgerreise nach Jerusalem. Im dritten Talk: In der Türkei nehmen sich die Pilger eine Auszeit von den Strapazen des Pilgerlebens. Ausschlafen und Ausspannen ist angesagt. Wieder auf dem Pilgerweg dürfen die vier Pilger eine besonders herzliche Gastfreundschaft erleben. Hildegards rudimentäre Türkischkenntnisse erleichtern den Kontakt. Dieser Talk gibt mit vielen Anekdoten Einblick in den Alltag der Pilger und führt auch mit seinen Erzählungen durch das Krisengebiet Syrien. Begleiten Sie die Pilger bis kurz vor Jerusalem!
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Ein Gespräch mit Hildegard Aepli und Franz Mali über ihre Pilgerreise nach Jerusalem (Teil 3/4)

Grüezi und herzlich willkommen zu KathTalk. Bei unserem heutigen Gespräch sind wieder Hildegard Aepli und Franz Mali, die letztes Jahr zu Fuss bis nach Jerusalem gelaufen sind. Auf ihrer Wallfahrt haben sie eine Pause in der Türkei eingelegt. Franz, wie dringend war diese Pause?

Franz: Ich habe sie dringend gebraucht. Nicht, weil ich müde und ausgepowert war, sondern, weil ich zu Hause die Route nur bis Istanbul geplant hatte. Ab Istanbul musste ich die Route noch vorbereiten und vom Computer aus arbeiten. Ich war dann auch wirklich ein paar Tage am Computer und habe die Route für die Türkei und Syrien geplant.

Hast du gar keine Ferien gemacht?

Nein. Nicht viel. Die andern haben sich ein, zwei Tage die Stadt angeschaut. Dabei sass ich zu Hause und habe gearbeitet.

Du meinst, dass du die Pause körperlich nicht gebraucht hättest. Hildegard, wie sah das bei dir aus? Wenn man da die Bilder ansieht, könnte man schon meinen, dass eine Pause nötig war.

Hildegard: Ich war sehr froh um diese Pause. Zwei Wochen vor Istanbul hat die linke Achillessehne angefangen, mir Probleme zu bereiten. Ich hatte beim Laufen dann permanente Schmerzen. Diese zwei Wochen Unterbruch in Istanbul waren schön. Zu wissen, dass man dort einfach mal nicht am Morgen aufstehen muss, um den Rucksack zu packen und wieder aufzubrechen. Man konnte mal ein wenig länger schlafen und machen, was man wollte. Ausspannen, Wäsche waschen, etc. Das hat einfach gut getan.

Waren das so richtige Ferien, oder hat man da dann auch mal so ein Zwischenfazit gezogen zu der ersten Strecke?

Esther und ich haben uns manchmal ein paar Sachen angeschaut. Wir lagen aber auch gern mal einen Tag auf dem Bett, haben ein Buch gelesen oder Postkarten geschrieben.
Franz: Schön habe ich gefunden, dass auch für mich ein wenig Entspannung dabei war. Wir sind an einem Tag mit der deutschsprachigen Gemeinde auf die Prinzeninseln gefahren. Das war ein wunderschöner Ausflugstag, wo wir im Meer schwimmen, oder einfach ein wenig rumliegen und gemütlich ausspannen konnten. Wir mussten nicht dran denken, dass es am nächsten Morgen wieder los geht. Man musste nicht voraus denken, dass man am nächsten Morgen wieder um 4, 5 Uhr aufstehen und schon alles zusammengepackt haben musste. Das war schon Entspannung.

Konnte man da nachher überhaupt noch wieder weiterlaufen? Wie war das, als ihr nach den Ferien wieder aufbrechen musstet, Hildegard?

Ich habe mich zwar gefreut, dass es wieder weiter geht. Aber für mich war es ein Schock, dass nach zehn Minuten laufen, der Schmerz in der Achillessehne wieder so da war, wie vor der Pause. Und ich kann mir im Nachhinein auch ein wenig den Vorwurf machen, dass ich zu wenig massiert oder gesalbt habe. Oder schnell in die Physiotherapie gegangen bin. Ich dachte, dass diese Entspannung reichen würde. Aber das war nicht so. Diese Schmerzen waren wieder sehr stark da und musste dann am Anfang über zwei Tage Schmerzmittel nehmen, täglich dehnen und Übungen machen, damit es einigermassen erträglich war.

War die Gefahr da, Franz, dass man grad nach den Ferien gesagt hat: "Wir brechen ab"?

Nein. Das nicht. Der Plan war standhaft. Ich habe wirklich dran gearbeitet. Nach einer Woche schaut man schon wieder voraus. Irgendwie wir d man schon fast ein wenig unruhig. Man möchte auch wieder aufbrechen und weiter machen. Irgendwann spürt man dann auch, dass man entweder weiter machen oder sich etwas anderes überlegen muss.

Wie habt ihr die Türkei wahrgenommen? Was war das für ein Land für euch? Wenn man da ein paar Bilder anschaut?

Hildegard: Die Türkei war einfach von A bis Z eine grossartige Zeit. Vor allem durch die Begegnungen mit solch schlichten Frauen und Männern. Leute, die vor allem im anatolischen Bergland leben. Selbstversorger, Clans, Familien, die noch zusammen wohnen, bei denen haben wir eine Herzlichkeit, eine Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft erfahren. So etwas könnten wir hier in der Schweiz uns nur noch erträumen. Wir wurden immer zum Tee eingeladen. Zehn Mal am Tag.
Franz: Man hat gemerkt, dass in der Türkei die Gesellschaft in eine Männer- und Frauengesellschaft aufgeteilt ist. Mir hat Freude bereitet, dass Esther und Hildegard dabei waren. In erster Linie waren es Frauen, die man arbeiten sieht. Die Männer sind weiss ich wo. Aber ich als Mann hätte mit diesen Frauen nicht anfangen können, zu reden. In der Nähe haben wir mal eine Frau angesprochen. Sie ist dann verschwunden und dann ist ein Junge gekommen, der mit uns gesprochen hat. Bei uns Männer haben sich die Frauen zurückgezogen. Aber mit Hildegard und Ester haben sie sich unterhalten. Aber das war halt ihre Kultur und ich fand das sehr schön, dass Hildegard und Esther mit dabei waren und wir auch etwas von dem erfahren konnten. Sonst hätte ich von dem gar nichts mitbekommen oder gesehen.

Jetzt schauen wir doch grad mal ein paar dieser Frauen an. Hildegard, du hast sie in diesem Fall auch viel näher gesehen. Was sind das für Frauen?

Hier sind wir an einer Gruppe Frauen vorbei gekommen, die in Gemeinschaftsarbeit aus 50 Kilo Mehl, Fladenbrot gebacken haben. Oder hier diese Frau, die direkt vom Acker gekommen ist. Der Esel ist links und rechts voll bepackt mit Auberginen und Tomaten. Und dieses Weiblein war die Sensation. Keine Ahnung wie alt. 60, 70 Jahre und hat mit einer Präzision Holz gehackt, wir hatten echt nur noch Mund und Augen offen.

Wie war das für dich, zu wissen, dass du zu Hause als Frau ganz anders lebst und nicht so viel körperliche Arbeit leisten musst?

Wie gesagt: Als Pilgerin unterwegs gesehen zu werden, das war einfach ein Geschenk. Dass diese Menschen zu Hause waren, uns ihre Feldfrüchte anboten, uns Sandwiches in die Hände drückten und uns weiter halfen, wenn wir keine Unterkunft fanden. Das war einfach ein tragendes Sozialnetz, bei dem wir als Pilger einfach nur profitieren konnten.

Also auch zum Essen wart ihr immer wieder eingeladen.

Ganz spontan am Wegrand. Das waren Olivenpflückerinnen, die grad am Essen waren. Das spielt doch keine Rolle, wenn noch vier mehr essen. Das ist doch kein Problem.

Du hast gesagt, dass Männer den besseren Zugang hatten. Vor allem zu Jungendlichen..?

Ja das waren Jugendliche oder junge Erwachsene. Aber ich konnte ja kaum einen halben Satz auf Türkisch. Somit war das ein wenig mühsam, mit ihnen zu reden. Als die aber gemerkt haben, dass ich einen Fotoapparat hatte, da haben sie sich sofort um mich herum geschwungen und haben sich aufgestellt. Dort in der Nähe, bei dem Eingang, war ein grosses Soldatendenkmal. Dann haben sie sofort gefragt, ob wir das gesehen und gewürdigt hätten. Wir haben dann gesagt, dass wir dort stehen geblieben seien und es uns angesehen hätten. Dann waren sie zufrieden und wir haben uns zu ihnen ins Wohnzimmer gesetzt. Dann sind es immer mehr geworden und die hatten viel Freude an uns.

Sehr viel Interesse und Hilfsbereitschaft habt ihr schon gesagt. Auch beim Mitnehmen. Ihr seid ja auch teilweise mitgenommen worden. Was ist da passiert?

Hildegard: Wir haben oft am Abend Autostopp gemacht, da wir keine Unterkunft gefunden hatten. Da hat ein Lieferwagen angehalten und gesagt: "Nein. Vorne hat es keinen Platz. Aber hinten ist es kein Problem. Dann haben wir gesehen, dass der auf Liefertour war.

Ist denn da kein grösseres Auto vorbei gefahren, als dieses?

Nein. Das war eine sehr einsame Strecke. Da hatte es keine grosse Auswahl. Wir waren dankbar, dass der stehen geblieben war. Ein riesen Wagen und da dachten wir, wenn der anhält, dass der dann doch auch Platz für uns hat. Und dann sahen wir, dass der vollbepackt war. Dann hat er alles ein wenig zur Seite geräumt. Esther und Hildegard haben sich dann auf die Mehl-, Reis- und Waschpulversäcke gesetzt. Dann hat er die Tür zugezogen und dann war es stockfinster.
Hildegard: Dann gab es noch eine andere Situation, bei der ein Lieferwagen angehalten hat, der gesagt hat, dass er nur vorne Platz hätte. Wir haben dann gesagt, dass wir auch hinten einsteigen könnten. Dann hat er das Verdeck aufgemacht und wir wussten wieso. Das war alles total verschissen. Aber dann hat er unsere Rucksäcke mit vier Säcken geschützt und zu dieser Kuh nach hinten gestellt.

Viel Hilfe habt ihr bekommen. Aber was waren die Schwierigkeiten in der Türkei? Auch mit der Strecke?

Franz: Bei der Strecke muss ich sagen, dass ich wie immer versucht habe, eine relativ direkte Strecke zu finden. Aber ab der bulgarisch-türkischen Grenze, sind wir das Meiste auf dieser Hauptstrasse gelaufen. Offiziell war es keine Autobahn. Aber es sieht aus wie eine Autobahn. Gerade die Leitplanken. Es war vierspurig ausgebaut und wie man es da auf der linken Spur sieht, hatte es weisse Striche. Hier, wo wir laufen aber nicht. Sprich: Sie ist noch nicht fertig. Deswegen sind wir lange Kilometer auf der Spur gelaufen, auf der es keinen Verkehr hatte. Als die Baustelle fertig war, hatten wir es vom Verkehr her eigentlich gut. Wie man hier sieht, gab es keinen Schatten, keinen Baum, nichts. Wir liefen auch nicht wirklich durch Dörfer, sodass wir etwas zum Trinken hätten finden können. Deswegen waren dann genau an diesen Strassen diese Tankstellen gebaut worden. Das waren die allerwichtigsten Anlaufstationen auf dieser vierspurigen Strasse.

Der Lärm hat euch auch zu schaffen gemacht…

Hildegard: Ja. Das ist das Bild, wo wir in Istanbul aufs Zentrum zu laufen. Zwölfspurige Strassen. Aber den Lärm gab es auch in Serbien, Bulgarien, wo wir oft an der ganz stark befahrenen Durchgangstrecken für Fernfahrer entlanglaufen mussten. Auch, wenn die Lastwagenfahrer es gut mit uns meinten und genau auf unserer Höhe gehupt haben. Dann ist man innerlich zusammengezuckt. Der Lärm hat uns oft begleitet.

Und Nebel? War das schwierig?

Franz: Das war eine Ausnahmesituation. Für das GPS war der Nebel in dem Sinne ja kein Hindernis. Aber fürs Laufen ist es trotzdem gut, wen man eine Sicht hat. Wenn man 100 Meter nichts sieht und einfach läuft, dann kann man sich nicht drauf einstellen. Wenn man weiss, dass dort ein Dorf ist, oder es dort einen Brunnen hat und man weiss, dass man dort sein Wasser wieder auffüllen kann, ist es angenehmer. Aber wenn es so neblig ist, dann kann man wirklich nur aufs GPS schauen, weil man sonst nichts sieht. Das war zusätzlich anstrengend.

So etwas hat euch dann geschockt?

Hildegard: Wir waren uns so an den Abfall gewöhnt, der kurz nach der Schweizer Grenze, in Kroatien angefangen hat. Das ist jetzt ein gutes Beispiel. Ein Beispiel für den Abfall am Strassenrand. Die Plastiksäcke, etc. Das hat uns über weite Strecken auf unserer Pilgerfahrt begleitet.

Nachher seid ihr aus der Türkei raus. Wie sah dann der weitere Verlauf der Strecke aus? Das war dann ja nicht so bekannt. In Syrien konntet ihr den Blog nicht mehr schreiben. Da hat die Aussenwelt nicht mehr viel erlebt. Wann habt ihr euch dazu entschieden, durch dieses Land zu gehen?

Definitiv entschieden haben wir uns ein paar Tage bevor wir an die Grenze gekommen sind. Dem voraus sind wirklich zwei, drei Wochen Nachdenken gegangen. Wichtig war für uns, wie die Informationen aus dem Land selber sind. Unterwegs haben wir auch andere Pilger getroffen, die aber schneller als wir unterwegs waren, auch in Syrien drin waren und durchgelaufen und gefahren waren. Mit denen waren wir in SMS-Kontakt. Sie haben uns geschrieben, wie es ihnen geht. Auf mich haben sie ziemlich beruhigend gewirkt. Sie haben gesagt, dass dort hin und wieder Militär sei. Und wenn sie nicht damit einverstanden seien, wo man durchlaufen möchte, dann würden sie einen im Auto mitnehmen und in die nächst grössere Stadt fahren. Sie haben auf dich geschaut, dass es dir gut geht. Mit dem konnten wir dann leben. Im Sinne von: wenn es heiss wird, wussten wir, dass uns dann auch jemand hilf, damit wir wieder raus kommen.

Konntest du die Strecke vorher überhaupt planen?

Franz: Ich hab sie geplant, mit der Perspektive, dass wir genau durch diese Brennpunktstädte wie Hama, Homs, Iltis und im Süden de Ara, nicht durchlaufen würden. Dass wir immer versuchen, einen Weg daneben zu finden. Wir sehen hier, wenn wir da von der Türkei kommen, sind wir durch diese Berge runter. An Homs sind wir ganz nahe gekommen, weil der Autobahnring rundherum geht und da sind wir schon mit dem Taxi um diesen Autobahnring gefahren. Aber von Hama waren wir 30 Kilometer weit entfernt. Das war eine sichere Distanz. Und in Richtung Damaskus sind wir nicht auf der Hauptstrasse gelaufen sondern im Nebental. Das war schön, wenn wir im Pfarrhaus oder in den Klöstern übernachten konnten. Nur im Süden von Damaskus, Richtung der Grenze von Jordanien, dachten wir zuerst, dass wir laufen würden, doch dann wurde uns gesagt, dass sie selber nicht wüssten, welche Dörfer sicher seien und wo wir Unterkunft finden würden. Das Einzige, was sie uns raten konnten, war die Autobahn. Die ganze Strecke auf der Autobahn zu laufen und nicht zu wissen, ob es eine Unterkunft gibt, fanden wir nicht gut. Da haben wir uns dazu entschlossen mit dem Taxi nach Jordanien zu fahren.

Ihr habt auf dem Blog etwas von einem Geheimpolizisten geschrieben. Was hat es mit dem auf sich, wann seid ihr dem begegnet?

Hildegard: Wir haben mit der Geheimpolizei von Anfang an gerechnet. Wir wussten, dass Syrien ein Überwachungsstaat ist. Dann ist der erste Geheimpolizist auch aufgetaucht, als wir nach den ersten drei Tagen in den Bergen, in das Orontestaal runtergekommen sind. Da ist immer ein Mopedfahrer um uns herumgefahren. Der hat uns dann aber schlussendlich auch geholfen, dass wir eine Unterkunft bekommen haben. So hatten wir von dem Tag an, als wir von einem Einheimischen bedroht wurden, Kontakt mit der Geheimpolizei. Da ging es dann nicht lang, dass wir uns zur Wehr gesetzt haben. Wir haben andere Autos angehalten. Ab da hatten wir auch Begleitschutz, bei denen wir wussten, wer an unserer Seite ist. Da waren wir sicher, dass wir sicher durchkommen würden.

Wie seid ihr bedroht worden?

Zuerst wurde Christian, der vorausgelaufen war, von einem Milchmann bedroht. Der hat den Lieferwagen abgestellt und gehupt. Ich hatte erwartet, dass er auf sich aufmerksam macht, weil er auf die Milch wartet. Dann ist er aber ausgestiegen, als Christian auf seiner Höhe war, hat die Pistole gezückt und wollte Christian irgendetwas klar machen, was Christian nicht verstanden hat. Als wir dann auf seiner Höhe waren, war die Pistole schon wieder weg. Christian hat uns dann auf Deutsch gesagt, dass er ihn bedroht hätte. Wir haben dann diskutiert was wir machen und haben uns dann entschieden, einfach weiter zu laufen. Dann sind wir weitergelaufen und zwei Stunden später hat der gleiche Mann uns auf dieser Strasse aufgelauert und uns alle vier mit dieser Waffe bedroht. Dann haben wir andere Autos aufgehalten und haben dann auch gemerkt, dass das nichts aussergewöhnlich ist, dass da einer mit einer Waffe herum läuft. Jeder hatte eine Waffe, wir hatten dann die Interpretation, dass dieser Mann eine panische Reaktion hatte. Diese Menschen in diesem Orontestaal konnten nicht einordnen, wer wir sind. Diese grossen Rucksäcke, diese Stöcke. Der hatte vielleicht das Gefühl, wir hätten Waffen oder wir hätten etwas mit den Aufständen in Hama, Homs zu tun.
Franz: Er wollte unsere Rucksäcke ansehen und schauen, ob wir Waffen schmuggeln oder etwas transportierten.

Hat sich da dann auch spirituell etwas getan? Ihr seid durch dieses Land durchgelaufen und seid von jemandem bedroht worden. Trotzdem war diese Geheimpolizei an eurer Seite, hat euch geholfen und euch das Vertrauen geschenkt…

Diese Geheimpolizei war ja relativ schnell wieder da und das war dann auch ein gewisses Sicherheitsgefühl. Wir wussten: Wenn es brenzlig wird, sind die da. Ab dem Moment waren sie auch ganz eng bei uns. Sie fuhren mit ihrem Töff nicht fünf Kilometer vor oder hinter uns, sondern nur einen Kilometer. Mehr oder weniger immer im Sichtkontakt.
Hildegard: Das Interessante war ja, dass ich sofort nach der zweiten Bedrohung gesagt habe, dass ich da weg will. Wir konnten ja nicht mehr ruhig laufen, wenn der uns auflauerte. Dann haben wir Autos angehalten und haben die gebeten, dass sie uns ein Taxi bestellen. Aber auch die Geheimpolizei ist auf dies gar nicht eingegangen. Im Nachhinein haben wir gemerkt, dass der Syrische Staat wollte, dass wir unsere Wallfahrt nach unserem Plan durchführen können. Das war in ihrem Interesse und das hat mir ein extremes Sicherheitsgefühl gegeben.

Wenn ihr die ganze Wallfahrt betrachtet: Wurde das Vertrauen in Gott immer grösser, dass ihr beschützt werdet?

Franz: In diesem Moment habe ich wenig darüber nachgedacht. Was mich mehr berührt hat - weil du schon mal die Frage gestellt hast, wann ich das erste Mal geweint hätte - war, als wir zwei Tage zuvor, wieder aus heiterem Himmel ein Quartier gefunden haben. Wirklich, als ich gesagt habe, dass nach meiner Planung jetzt an dieser Kreuzung Endstation für heute sei und dieses Dorf nicht danach aussehe, als dass es irgendetwas hätte, was für uns nützlich sein könnte, hält 50 Meter vor der Kreuzung ein Auto an, kurbelt das Fenster runter und fragt in fliessendem Englisch, ob er uns helfen könne. Und dann hab ich gefragt, ob er eine Unterkunft hätte. Dann hat er gesagt, er hätte eine Schule, wir könnten dort übernachten und wenn wir etwas essen wollten, würde er es organisieren. Dann hat er uns in die Schule gefahren. Dort konnten wir übernachten. Er meinte nur, dass wir um sieben Uhr gehen müssten, da um halb acht die Schüler kommen würden. Das Dorf hat man schon sechs bis acht Kilometer vom Berg runter gesehen. Man sah, dass das weder ein Feriendorf noch ein Urlaubsort war. Wir glaubten nicht dran, dass wir dort was finden würden. Und dann so was.

Drum hast du später mal geschrieben: "Gott ist pünktlich"?

Genau. Nicht einen halben Tag vorher, sondern genau wenn man es brauchte.

Ihr wart dann überpünktlich. Ihr seid dann schon viel früher aus Syrien raus, als ihr vorhattet. Wie ist das weiter gegangen? Wie seid ihr aus dem Land wieder rausgekommen, Hildegard?

Wir haben vor Damaskus entschieden, dass wir durch den Vorort von Damaskus nicht durchlaufen werden. Ein paar Tage vorher hatte es einen Anschlag von einer Gegenarmeetruppe gegeben. Und wir haben uns im Vorort zu schlecht ausgekannt, als dass wir hätten sagen können, wo das ist. Dann haben wir gedacht, dass wir mit dem Bus nach Damaskus fahren, uns dort einen halben Tag Zeit nehmen, um 2, 3 Sachen anzusehen, um dann mit einem Ferntaxi, das Land Syrien Richtung Jordanien zu verlassen. Das haben wir dann noch am gleichen Nachmittag gemacht, weil unser Visum nur 15 Tage gültig war. Wir hätten das Visum verlängern können, doch das wollten wir dann aus verschiedenen Gründen nicht machen.

Wie ist es in Jordanien weiter gegangen, Franz?

Abgesehen davon, dass wir an dem Tag, an dem wir nach Jordanien gekommen sind, Mühe hatten, ein Quartier zu finden, hatte ich den Eindruck, als wären wir in einer andere Welt. Der Druck und die Anspannung waren weg. In Syrien haben wir gemerkt, dass wir aufs Extremste angespannt waren. Für mich war es, als müsse man die Luft schneiden. Alle Menschen waren angespannt, nervös und unsicher. In Jordanien war es dann so, als ob das alles weggefallen war. Man konnte darauf loslaufen und alles hatte sich entspannt. Obwohl in Syrien die Leute auch freundlich und hilfsbereit waren und für uns alles gut gegangen ist. Aber man hat einfach gespürt, dass in dem Land Krieg herrschte. Von einem Tag auf den anderen hat man gemerkt, dass es anders war.

Es ist ja auch anders geworden, weil wieder eine Gruppe gekommen ist, die euch begleitet hat. Was war das für eine Gruppe?

Es konnte sich über das Lassalle-Haus Leute anmelden, die Interesse hatten, die letzte Etappe von Aman bis Jerusalem mit uns zu laufen. Das waren fünf Tagesetappen, um dann in Jerusalem, respektive Bethlehem Weihnachten zu feiern. Dann gab es noch ein touristisches Programm in Jerusalem. Da waren bis zu 30 Leute, die mitgelaufen sind und dann noch zusätzliche 14 Leute, die dann mit uns Weihnachten gefeiert haben.

Den grössten Teil der Reise haben wir jetzt eigentlich schon fast hinter uns. Im letzten Talk hören wir dann noch etwas von der Ankunft in Jerusalem. Sie dürfen also auch dann gerne wieder einschalten. Sie können bei uns in der Facebookgruppe Mitglied werden, dann erfahren Sie auch, wann der nächste Talk rauskommt. Es freut mich, dass sie dabei gewesen sind und ich freue mich, wenn Sie das nächste Mal wieder einschalten.


Mit Hildegard Aepli und Franz Mali über die Pilgerreise nach Jerusalem unterhielt sich Naomi Hasler.
Fribourg, 18. Februar 2012.
© 2012 HASLER4u GmbH


erheiternd, erschreckend, tiefgründig, spannend wie immer, fesselnd, mitreissend. Hut ab, dass die Gruppe trotz Schmerzen und anderer Widrigkeiten ihren Weg fortgesetzt hat. Da war Gott tatsächlich immer pünktlich.
Interessierte Gesprächsführung. A. Kinom
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