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Flavio Moresino, Verantwortlicher für das Ressort Kinder & Jugend bei der missio

Flavio Moresino, Verantwortlicher für das Ressort Kinder & Jugend bei Missio, im Talk mit Naomi Hasler. Herr Moresino spricht über die beiden Hauptpfeiler von Missio: die Bildungsarbeit und das Sammeln von Geld für die Unterstützung von Projekten in aller Welt. Der Bereich "Kinder & Jugend" nimmt dank dem erfolgreichen Projekte der Sternsinger einen immer grösseren Stellenwert in der Arbeit von Missio ein. Das Projekt erfreut sich zunehmender Beliebtheit bei den Kindern und den Pfarreien. Erfahren Sie mehr über dieses und andere Projekte von Missio Schweiz.
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Ein Gespräch mit Flavio Moresino, Verantwortlicher für das Ressort "Kinder & Jugend" bei der MISSIO

Grüezi und herzlich willkommen zu KathTalk. Im Fokus steht heute die MISSIO. MISSIO ist die Kurzbezeichnung für das päpstliche Missionswerk in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. In der Schweiz ist die MISSIO in Fribourg angesiedelt. Darum ist heute Flavio Moresino zu Gast, der schon über sieben Jahre für die MISSIO tätig ist. Hallo Flavio. Flavio, ganz grundsätzlich. Für was steht die MISSIO, was macht sie?

Die MISSIO ist das katholische Hilfswerk. Wir haben zwei Hauptsäulen. Einerseits betreiben wir Bildungsarbeit, welche sehr wichtig ist. Das Informieren über die Lebensrealität und die Kirche in anderen Kulturen. Die Sorgen, Nöte, Freuden usw. Das andere, was die MISSIO macht, ist das Sammeln von Geld für die Unterstützung von Projekten in aller Welt.

Ihr informiert also vor allem in der Schweiz?

Genau. Die MISSIO Schweiz betreibt hier in der Schweiz Bildungsarbeit. Ich arbeite vor allem im Bereich Kinder- und Jugendarbeit. Die MISSIO gibt es in verschiedenen Ländern. Es sind 120 Länder weltweit. Der Sitz der MISSIO Schweiz ist in Fribourg.

Du sagst, dass du für Kinder und Jugendliche zuständig bist. Ist das auch der Grossbereich, in der die MISSIO tätigt?

Es ist ein Bereich, der immer mehr an Bedeutung zunimmt. Wenn man dies rein finanziell anschaut. Aber es ist ja nicht nur dieser Bereich wichtig. Ein grosser Bereich der MISSIO ist der Weltmissionssonntag. Den kennt man vielleicht. Der zweitletze Sonntag im Oktober. Da wird weltweit während den Gottesdiensten für den Solidaritätsfont der MISSIO Geld gesammelt. Dies ist sicher eine der grossen Aktionen. Daneben ist dann die andere grosse Aktion, das Sternsingen, welche in meinen Bereich - den Kinder- und Jugendbereich - fällt. Dies ist eine Aktion, die eine wahre Erfolgsgeschichte ist, da sie immer grösser wird und immer mehr Einnahmen kommen und sich immer mehr Kinder und Jugendliche mit diesen Themen befassen.

Es sind zwei grosse Anlässe pro Jahr. Trotzdem bist du zu 100% beschäftigt. Wie sieht dein Alltag aus?

Ich bin zu 80% für den deutschsprachigen Teil der MISSIO angestellt. In Fribourg gibt es den französischen und deutschsprachigen Bereich. Im Tessin haben wir auch noch andere Mitarbeiter. Ich bin für den deutschsprachigen Kinder- und Jugendbereich zuständig. D.h. die Sternsinger in der Schweiz koordinieren. Das ist eine relativ grosse Sache, weil wir jedes Mal inhaltlich etwas Neues bieten möchten. Eine neue Lebensrealität aufzeigen. Wir stellen immer ein spezielles Land ins Zentrum. Abwechselnd Afrika, Lateinamerika und Asien. Dabei schaffen wir dann auch Unterrichtsmaterialen dazu aus, bieten Film dazu an usw. Das ist ein relativ grosser Aufwand, der sich aber lohnt. Und dann hat es noch andere Bereiche. Z.B. hat es eine über Jahre laufende Aktion. Das ist die Aktion "Schutzengel Aids und Kind" wo wir versuchen, den Fokus auf Aidswaisen in aller Welt zu richten, dort zu informieren und auch immer wieder Möglichkeit zu geben, Projekte in diesem Bereich zu unterstützen und Anlässe dazu zu verantalten.

Mit dieser Aktion möchtet ihr Solidarität zwischen Schweizer Kindern und diesen Waisen, die dort betroffen sind, fördern?

Genau. Damit man von dieser Realität weiss. Informiert, Solidaritätsarbeit leistet und dann unterstützt. Daneben laufen natürlich kleinere Sachen wie Engagements an Schulen. Ich werde ab und zu für Firmprojekte angefragt. Es gibt immer Klassen oder Pfarreien, die Firmwege anbieten. Ich setze da einen Akzent zum Thema Weltkirche. Oder ich werde einfach von Schulklassen eingeladen, um zu einem Thema etwas zu erzählen.

Wie weit geht das über den Religionsunterricht hinaus? Wieso braucht es euch genau dort?

Ich denke, dass das Engagement im Bereich Bildung von allen Hilfswerken gebraucht wird. Dies ist etwas sehr wichtiges. Was den Religionsunterricht anbelangt ist ein Vehikel? Wir versuchen, bei den Themen, die uns am Herz liegen und wir bekannt machen wollen, dazu Materialien zu erarbeiten, um über den Religionsunterricht zu versuchen, den Kindern und Jugendlichen dies näher zu bringen. Aber es gibt nicht nur den Religionsunterricht. Es gibt auch die Ministrantengruppen und Jugendverbände, wie die Jubla. Das ist ein Angebot, das man nützen kann, und wo wir immer froh sind, wenn Leute sich anstecken lassen und etwas daraus machen.

Jetzt noch mal zurück zum Sternsingen. Du hast gesagt, das bräuchte auch sehr viel Zeit, um das alles vorzubereiten. Heisst das, dass du schon jetzt wieder für das nächste Mal vorbereitest?

Absolut. Im nächste Jahr behandeln wir das Thema Nicaragua. Es wird ziemlich sicher in Richtung Kinderrecht gehen. Wie das genau definiert ist, mit dem Oberbegriff, dem Thema, das ist noch offen. Wir fangen natürlich schon an, die Materialen zu entwickeln. Wir sind dabei Gott sei Dank nicht allein. Wir arbeiten ganz eng mit dem Kindermissionswerk in Aachen zusammen. Mit der MISSIO Luxemburg, Deutschbelgien und Österreich. Da sind wir schon voll dran. Das findet immer zwischen den Aktionen statt. Einerseits schliessen wir jetzt langsam die Aktion von letztem Jahr - Kambodscha, Kinder mit Behinderung - ab und andererseits ist man schon wieder dabei, die neue Aktion vorzubereiten. Das überschneidet sich.

Wie ist es denn dazu gekommen, dass sich die MISSIO das Sternsingen zu eigen gemacht hat?

Da haben wir das grosse Vorbild vom Kindermissionswerk in Aachen. Die Sternsinger sind keine Neuerfindung von uns. Es gib seit dem Mittelalter Formen vom Sternsingen. MISSIO Aachen hat diese Tradition vor über 50 Jahren übernommen. Und daraus das Sternsingen als genuin solidarische Aktion gestaltet. Die MISSIO Schweiz hat das vor 22 Jahren angefangen. Wir hatten vor kurzem das 20 Jährige Jubiläum gefeiert. Das Konzept funktioniert extrem gut. Dieses "von Haus zu Haus gehen" für das neue Jahr, die Wohnungen mit dem CMB-Zeichen über der Tür zu segnen, weihnachtliche Stimmung und die Weihnachtsbotschaft zu bringen und, dass man da auch noch einen Solidaritätsaspekt hineinbringt, den Gedanken an Kinder, die in anderen Ländern sind und finanziell bedürftiger sind. Dies ist eine gute Kombination, die sehr gut funktioniert. Das ist wirklich eine Erfolgsgeschichte, da es noch heute, nach 20 Jahren permanent zunimmt.

Also da habt ihr nie Probleme, Kinder für das zu finden?

Ich habe sowieso kein Problem, Kinder zu finden, weil das das Engagement der Menschen in der Pfarreien ist. Sie leisten da enorme Arbeit. Was wir anbieten sind die Unterlagen und die Aktionen. Und wir sind froh, dass immer mehr Pfarreien und Gruppen sich anstecken lassen und auch vor Ort Sternsinger suchen, die mit auf diesen Weg gehen . Wir merken auch, dass, wenn vor 2 Jahren in einer Pfarrei angefangen wurde und man mit einer Gruppe von 4-5 Leuten dabei war, nach einem Jahr immer mehr Kollegen und Kolleginnen dazukommen. Und das wächst dann nicht nur schweizweit sondern auch vor Ort immer mehr. Das ist eine tolle Sache und da sind wir auch dankbar für alle, die sich engagieren. Wir können da unseren Beitrag leisten, doch das Meiste machen natürlich die Menschen vor Ort.

Das heisst, wenn wir jetzt so über die MISSIO reden, dann ist immer die Rede von Spenden sammeln und in anderen Ländern zu helfen. Aber im Namen MISSIO schwingt ja immer noch das Wort "Mission" mit, missionieren, Glauben verbreiten. Findet das noch statt?
Ich möchte erst auf eine Vorbemerkung eingehen. Wegen Geldsammlungen, Spendengeldsammlungen und Projektunterstützungen: Es ist schon einerseits richtig, dass wir das machen, aber wir wollen ja nicht nur, dass die Leute spenden und dann ist's gut, sondern wir wollen wirklich versuchen, die solidarischen Komponenten einzubauen. Z.B. die Verbindung im Gebet. Damit man nicht nur Geld gibt, sonder auch für diese Menschen betet. Sich spirituell verbindet. Das ist übrigens auch der Ursprung der Gründerin der MISSIO. Sie sagte damals, im 19. Jahrhundert, dass man jeden Tag ein Gebet halten und jede Woche einen "Batzen" spenden solle. Das Geld kommt in einen Topf. Das kommt nicht direkt in die armen Länder. Die Projekte werden aus diesem Topf finanziert. MISSO Madagaskar und MISSIO Peru zahlt genau gleich in diesen Topf, wie auch MISSIO Deutschland und MISSIO Schweiz, wo es ganz andere finanzielle Geschichten sind. So wird dieses paternalistische "reiche Länder unterstützen armen Länder" durchbrochen. Arme Länder geben auch ihren Beitrag. Sie leisten extrem viel in diesen Topf.
Um Auf deine Frage zurück zu kommen: Missionsverständnis. Da schwingt natürlich in den Köpfen extrem viel mit. Das geht vom Verständnis vor ein paar Jahrzehnten aus, welches immer noch da ist. Vom Hingehen, um vor Ort Leute zu bekehren. Ich kenne es auch zu wenig, was da mit schwingt. Aber es geht bis hin zu einem eher neueren Verständnis, einem Dialog auf Augenhöhe. Ich denke, dass es immer auch nahe an einer biblischen Botschaft angelehnt ist. Es geht darum, dass man nicht nur etwas gibt, damit es ihnen besser geht. Es geht um mehr. Es geht darum, dass man von ihrer Realität etwas wissen möchte. Wie sie leben, was ihre Sorgen sind. Dass man von ihnen lernen möchte. Und das es einem nicht egal ist, dass es ihnen schlechter geht. Aus dem heraus entsteht ja dann diese Solidarität. Das "Leben in Fülle", das für Jedermann und für jede Frau gedacht ist, dass es Realität wird. Und das man sie finanziell oder durch Ermutigungen unterstützt.

Aber es ist quasi Solidarität im christlichen Glauben?

Die MISSIO ist von der Organisation her beheimatet im christlichen Glauben. Jetzt auch ganz speziell in der katholischen Kirche. Das ist natürlich aus dem herausgewachsen. Es ist ein katholisches Hilfswerk. Was natürlich nicht heisst, dass vor Ort, die die dann auch von der ganzen Sache profitieren, alles Christen sind. Wenn man z.B. ein Projekt der Kirche in Kambodscha unterstütz, dann sind natürlich 99% der Menschen Buddhisten. Es ist also nicht eine abgeschlossene Sache. Es ist aus einer christlicher Haltung heraus entstanden und es lebt von dieser Haltung.

Du hast vorher das schlechte Image der Mission angesprochen, das sie mal gehabt hat. Stösst du da noch manchmal auf diese Vorurteile, begegnet man euch da manchmal nicht so aufgeschlossen?

Ich denke, dass die Mission diesen Touch noch immer hat. Im Namen MISSIO schwingt das noch immer mit. Es könnte für einige Leute auch etwas Verstaubtes haben. Obwohl das Missionsverständnis heute etwas total anderes ist. Wenn du mich fragst, wie ich es im Kinder- und Jugendbereich erleben würde, dann muss ich sagen, dass dort, wo ich zu diesem Thema eine Auseinandersetzung mit den Kindern und Jugendlichen gefördert habe, die Sachlage etwas anders liegt. Ich habe vor ein paar Jahren eine Umfrage im Rahmen einer Standaktion, mit der Frage: "Mission ist…", gemacht. Und da kommen die unterschiedlichsten Antworten. Bei sicher einem Teil, aber einem kleinen Teil, kamen Antworten wie "Geheime Mission". Bei Jugendlichen würde ich sagen, dass es nicht mehr so vorbelastet ist. Genau so wenig wie das Thema Kirche. Ich hatte vor kurzem ein Atelier mit Firmandinnen und Firmanden. Da haben wir über das Thema Kirche gesprochen. Das war ein sehr unvoreingenommenes, unbelastetes Thema. Im Bereich Kinder und Jugend sieht es noch ein bisschen anders aus, als bei den Erwachsenen.

Was denkst du über die Zukunft der MISSIO? Wird das so weiter gehen, oder muss sich da etwas verändern?

Ich denke, dass es sicher weiter gehen wird, weil es ein grosses Werk ist, welches es in der ganzen Welt gibt. Ich denke, dass man da bei uns und auch in anderen Ländern sicher Veränderungen anstreben muss. Wenn wir uns nur auf den Weltmissionssonntag fokussieren würden, was wir ja nicht machen, dann würden wir rein von den Einnahmen her einmal auf Grundeis kommen, weil einfach immer weniger Leute in der Kirche sind. Weil sich auch die Situation in der Kirche verändert. Pfarreien werden zusammen gelegt, usw. Ich denke, dass wir wirklich schauen müssen, wo wir uns ausserhalb des Kerngeschäfts kompetent machen und was wir für Menschen erreichen wollen. Welche Kooperationen wir auch machen könnten. Es gibt auch andere Organisation, die ein viel tieferes Fachwissen in gewissen Bereichen haben. Dort müssen wir zusammen arbeite, um in bestimmten Bereichen auch gutes Material zusammenbringen zu können und die Menschen vor Ort unterstützen zu können. Da muss man Augen und Ohren offen haben um zu schauen, wo man sich anderweitig weiterentwickeln kann.

Vielen Dank Flavio für dieses Gespräch. Ihnen liebe Zuschauer danke ich fürs Zuschauen. Wenn Sie weitere Information zu der MISSIO haben möchten, dann finden Sie unter dem Video noch Zusatzmaterial. Wenn sie wissen möchten, wann das nächste Video herauskommt, dann können sie entweder unser RSS-Feed oder unseren Newsletter abonnieren. Wir veröffentlichen das auch auf Facebook. Vielen Dank fürs Zuschauen, bis zum nächsten Mal.


Mit Flavio Moresino, Verantwortlicher für das Ressort Kinder & Jugend bei der MISSIO, unterhielt sich Naomi Hasler.
Fribourg, 29. April 2011.
© 2011 HASLER4u GmbH


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