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Dean Causevic, Theologiestudent in Fribourg

Dean Causevic, Theologiestudent in Fribourg, im Talk mit Thomas Fries. Dean erzählt von seinem Weg zur Taufe, die er als Erwachsener erhalten hatte und von den speziellen Umständen seiner Firmung durch Papst Benedikt XVI.
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Ein Gespräch mit Dean Causevic, Theologiestudent in Fribourg.

Guten Tag und herzlich willkommen zu KathTalk. "Zeugnisgeben für Christus", lautet das Thema und zu Gast ist heute Dean Causevic. Er ist Theologiestudent aus Fribourg. Herzlich willkommen Dean.

Darf ich dich bitten, gleich zu Beginn eine Bibelstelle zu nennen und gleich zu erzählen, was du mit dieser Bibelstelle verbindest?

Es ist die Apostelgeschichte 1, im Kapitel 8. "Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde." Irgendwie kreist sich mein ganzer katholischer Werdegang um diese Stelle, da dies auch das Motto des Weltjugendtages 2008 war, an dem ich das Sakrament der Firmung empfangen habe.

Das Sakrament der Firmung hast du 2008 empfangen. Du bist ja schon Ende 20. Das heisst, dass du die Firmung spät empfangen hast, im Vergleich zu anderen. Wann hast du die Taufe empfangen?

Das war 77 Tage vorher. Also etwa genau vor drei Jahren.

Was hat dich dazu bewegt, als Erwachsener die Taufe zu empfangen?

Da gibt es verschiedene Gründe. Ich kann nicht sagen, dass es wegen dem oder dem gewesen ist. Ich hatte schon früher Kontakt zur Kirche. Ich ging in den ersten vier Schuljahren in den katholischen Unterricht und war damals auch Ministrant. Meine Eltern waren aber dagegen, dass ich mich taufen lasse und haben gemeint, ich solle mich entscheiden, wenn ich genug alt dafür sei.

Das hast du dann auch letztendlich getan.

Genau. Ich brauchte dann etwas mehr, als die nötigen 16. Jahre. Aber es ist dann dazu gekommen.

War da immer Nähe zur Kirche, oder war da auch Distanz?

Man kann das an verschiedenen Punkten festhalten. Das letzte Mal, wo ich für lange Zeit in der Kirche war, war Ostern '94. Kurz davor ist unser Dorfpfarrer gestorben. Mit dem Wechsel der Schule hatte ich dann auch keine Lust mehr, zusätzlich in die katholische Schule zu gehen und von der Kirche habe ich mich dann mehr und mehr distanziert. Ich ging durch die ganze Gymnasiumszeit ohne Bezug zur Kirche. Ich war eher der gegenteiligen Meinung. Dass Religion grundsätzlich etwas Schlechtes sei. Das wurde dann erst geändert, als ich nach Fribourg gekommen bin.
Also gibt es schon auch äussere Momente, Erlebnisse, Begegnungen, die dich dazu bewegt haben, zurück zum Glauben zu finden?
Den ersten Kontakt zur Kirche, den ich bewusst auch freiwillig gemacht habe, war, als ich nach Fribourg gekommen bin und in eine Studentenverbindung eingetreten bin. Da hiess es, dass ich gerne dabei sein könne, ich müsse mir allerdings auch bewusst sein, dass die Verbindung auch gemeinsam Gottesdienste feiere. Zwei Mal im Semester, drei Mal, wenn's hoch kommt. Damit hatte ich keine Probleme. Ich habe dann auch erklärt, dass ich das von früher her kenne, ich Ministrant gewesen sei und somit regelmässig in den Gottesdienst gegangen sei. Da hatte ich dann wieder den Kontakt mit der Kirche. Das erste Mal nach meiner "Kirchenabstinenz" war 2002 bei einem Ausflug mit dem Archäologiekurs am Gymnasium. Der Archäologiekurs bestand daraus, dass man eine Reise nach Rom oder Neapel macht. Damals war Rom dran. Das war während den Frühlingsferien, während der Osterzeit und unsere Lehrerin hat uns fast genötigt, in den Ostergottesdienst zu gehen. In die Osternacht. Ich habe mich versucht zu wehren, aber erfolglos und in der Kirche drin, habe ich dann gemerkt, dass es gar nicht so fremd war, wie ich immer angenommen hatte.

Also hat dich das Erleben eines Gottesdienstes zurückgeführt, an einen Punkt, wo es Interesse geweckt hat, wo es vertraut war?

Da war dann eine Erinnerung. Etwas, was aktiv da war. Ich bin immer davon ausgegangen, dass mir das zu tiefst widersprechen würde. Aber durch die Erinnerung habe ich mich sehr vertraut und wohl gefühlt. Ich konnte der Liturgie nicht ganz folgen, es war auf Italienisch. Aber ich wusste immer, was, wie, wo geschieht, weil die Abläufe gleich waren. Von dem her hatte ich da eine vertraute Basis. Nichts desto trotz hat das aufs Weitere hin nicht viel bewirkt. Ich habe mich dann nicht auf einmal dazu entschlossen, dass ich jetzt wieder in die Kirche gehe oder mich dem Ganzen wieder annähere. Es war einfach ein Erlebnis, das mich erkennen hat lassen, dass es nicht ganz etwas Fremdes ist.

Die Taufe zu empfangen, ist ein Sakrament, ein wichtiger Schritt in die Eingliederung. Bist du den bewusst gegangen, oder hast du gesagt: "Der gehört jetzt auch noch dazu, um mich in diesem katholischen Bereich wohl zu fühlen."?

Zuerst ging ich davon aus, dass wir für die Taufe nur einen Termin ausmachen, wie beim Zahnarzt. Und dass mir dann ein wenig Wasser über den Kopf gegossen wird und fertig. Ich wurde dann eines Besseren belehrt. Den Entscheid habe ich nach langen und guten Gesprächen getroffen. Ich hatte zuerst Gespräche mit Mitstudenten, Verbindungsbrüdern, die z.T. auch Priesteramtskandidaten waren. Irgendwann habe ich festgestellt, dass mir etwas fehlte, ich nicht ganz komplett war. Ich ging regelmässig zum Gottesdienst, fühlte mich da wohl. Ich konnte mich damit identifizieren. Was ich im Katholischunterricht gelernt hatte, hatte ich grösstenteils nicht vergessen. In der 2. Klasse hatten wir eine Lehrerin, die in irgendeiner neuevangelischen Sekte war. 50 Prozent vom Schulunterricht war "altes Testament". Ich konnte mich auch daran wieder erinnern. Ich wusste, um was es dabei ging. Es war nichts Neues. Nichts desto trotz habe ich dann, nachdem ich mich entschlossen hatte, um die Taufe zu bitten, um den Katechumenat (intensive Vorbereitungszeit) gebeten und da ging ich dann wöchentlich zu einem Doktoranten, der jetzt im Salesianum wohnt. Christophe Hug. Der hat mir dann auf Grund der Bibel erläutert, was das ganze Katholisch-sein in sich hat.

Eine Glaubenseinführung hast du dann noch einmal bekommen?

Ich hatte auch noch persönliche Gespräche und eine geistliche Begleitung mit dem damaligen Regens, Thomas Ruckstuhl.
Daraufhin kam die Taufe, danach die Firmung. Die ist an einem bestimmten Ort, von einer ganz bestimmten Person durchgeführt worden. Vielleicht kannst du noch einige Worte dazu sagen?

Innerhalb der Taufvorbereitung hatten wir die Frage nach dem Ort der Taufe erstmals ausgeklammert. Ich hatte damals noch die Idee, dass ich es in der selben Pfarrei machen könnte, wo meine Grossmutter auch getauft wurde, aber das wäre ausserhalb des Landes gewesen und deswegen haben wir das mal bei Seite gelassen. Grundsätzlich hatte Thomas Ruckstuhl dann auch etwas skeptisch geschaut, er hat gemeint, das wäre etwa so, wie wenn man zu Hause kocht und dann im Restaurant isst. Als dann im Herbst, nach der Hälfte der Vorbereitungszeit, der erste Flyer des Weltjugendtages herauskam, habe ich mal in einer Sitzung mit ihm angesprochen, ob man es auch da machen könne. Da hat er gemeint, dass es nicht ganz so einfach ginge, aber er könne durchaus mal nachfragen, da in Paris auch mal jemand getauft wurde. Grundsätzlich wäre es aber ein sehr schönes Zeugnis innerhalb der Schweizer Gruppe. Thomas war der geistliche Begleiter der Schweizer Pilgergruppe. Somit auch im Organisationskomitee der Schweizer Weltjugendtagsgruppe. Er hat dann nachgefragt und es kam dann die Email, dass sie Firmungen durchführen würden und sie sehr interessiert daran sein würden, mich zu firmen. Da wurde ich vom Papst am Hauptgottesdienst vom Weltjugendtag gefirmt.

Was hat das ausgelöst, direkt mit dem Papst in Kontakt zu kommen?

Das bedurfte noch einiger Vorbereitungen für mich. Ich musste etliche Dokumente nachreichen und nach Sydney schicken, z.B. einen Auszug aus dem Strafregister der Polizei von New South Wales. Und ich musste natürlich auch vorher getauft sein, bevor ich die Firmung empfange konnte. Deswegen haben wir die Taufe im Mai durchgeführt, hier in Fribourg in der Kirche "Saint Jean". Es war eine sehr schöne Feier im kleinen, privaten Rahmen und danach ging es dann an die Vorbereitung. Es musste als erstes einen Firmpaten oder Firmpatin gefunden werden. Das war nicht so einfach. Ich konnte nicht irgendjemanden ansprechen, und fragen, ob er mein Firmpate werden möchte. Er müsse dann nur noch 3000 Franken an Flugkosten für die Australienreise aufbringen. Das war nicht so einfach.

Du hast dann jemanden vor Ort gefunden?

Ja. 2006 absolvierte ich einen Sprachaufenthalt in Warschau. Und in der selben Klasse war eine junge gebürtige Polin, die aber Bürgerin von Sydney war und die kam mir dann spontan in den Sinn. Ich hatte mich damals sehr gut mit ihr verstanden. Und nach einigen Recherchen habe ich dann auch wieder Kontakt mit ihr aufgenommen. Sie hat das dann sehr gerne für mich gemacht.

Was bedeutet dir der Glaube heute? Du bist getauft, gefirmt, studierst jetzt auch Theologie, hast dein vorheriges Studium beendet. Was würdest du sagen, was für dich das Christsein ausmacht. Was bedeutet dir der Glaube?

Das ist eine schwierige Frage, was das Christsein ausmacht. Im Prinzip kann es vieles bedeuten. Für jeden Einzelnen bedeutet es etwas anderes. Ich habe innerhalb der Kirche sehr stark Gemeinschaft erfahren. Aus den ganzen Erlebnissen heraus habe ich auch noch Gott für mich neu entdeckt.

Im Bezug zur Bibelstelle: "Vom Heiligen Geist gesendet zu werden." Ist das für dich eine Dimension des Christseins?

Also nachdem der Weltjugendtag abgeschlossen war, stand ich da und hatte quasi diese Botschaft: "Ihr sollt meine Zeugen sein." Und ich habe mich dann gefragt, was ich damit anfangen soll. Rückblickend habe ich festgestellt, dass plötzlich kleine Dinge, kleine Entscheidungen in meinem Leben, die ich eher aus Zufall getroffen habe oder auf Grund von anderen Überlegungen, genau dahin geführt haben. Irgendwie musste ich dann feststellen, dass es nicht sein kann, dass das jetzt das Ende ist, wenn alles zu diesem Punkt geführt hat. Und ich habe dann für mich festgestellt, dass das für mich auch eine Art Sendeauftrag ist. Eine Art Richtungspfeil. Deswegen versuche ich immer wieder Zeugnis zu geben, wenn sich jemand dafür interessiert. Und ich hatte bisher sehr gute Gespräche. Für mich persönlich bedeutete dieser Richtungspfeil, dass ich mich entschlossen habe, Theologie zu studieren. Einerseits wusste ich schon viel, aber ich wollte noch mehr wissen. Es war sehr erstaunlich, als ich dann schon früh in Vorlesungen über den heiligen Geist , gelernt habe, dass der Heilige Geist in jedem wirkt und in Richtung Kirche führt. Und ich sah darin meinen Weg bestätigt. Ich erkannte auf einmal, dass das vermutlich bei mir auch so gegangen ist. Dass ich da ziemlich geführt worden bin, ohne es zu ahnen und dann dort gelandet bin, wo ich sollte.

Lieber Dean, vielen Dank für dieses Zeugnis und, dass du dir Zeit genommen hast.

Liebe Zuschauer auch Ihnen ein herzliches Dankeschön und schauen Sie wieder vorbei bei KathTalk.


Mit Dean Causevic, Theologiestudent in Fribourg, unterhielt sich Thomas Fries.
Fribourg, 17. Juni 2011.
© 2011 HASLER4u GmbH


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