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Blaise Fasel, Präsident JCVP Fribourg

Blaise Fasel, Präsident der JCVP des Kantons Fribourg, im Talk mit Thomas Fries. Fasel spricht über die Herausforderung, das Christliche in die Politik zu bringen. Dabei reicht es laut Fasel nicht, einfach den Katechismus oder die Bibel zur Hand zu nehmen und daraus zu zitieren. Erfahren Sie in diesem Talk, wie Fasel als Präsident seiner Partei diese Herausforderung zu meistern versucht.
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Ein Gespräch mit Blaise Fasel, Präsident der JCVP des Kantons Fribourg

Guten Tag und herzlich willkommen zu KathTalk. Zeugnis geben für Christus. Mein heutiger Gast ist Blasie Fasel. Er ist Student der Zeitgeschichte und Sozialanthropologie, hier in Fribourg in der Universität. Herzlich willkommen.
Du hast eine Bibelstelle mitgebracht?

Ja. Das ist der Christ und die staatliche Ordnung. Im Römerbrief, Kapitel 13, Vers 7. "Gebt allen was ihr ihnen schuldig seid. Sei es Steuer oder Zoll. Sei es Furcht oder Ehre."

Das ist eine sehr unübliche Bibelstelle für das persönliche Zeugnis. Aber für dich wohl nicht unüblich. Was bewegt dich daran?

Ich habe eigentlich im Katechismus der römischkatholischen Kirche nachgeschaut, wo und wie die Mitverantwortung der Christen in der Gesellschaft erklärt wird. Und dann hat es dort den Römerbrief 13, 7 gegeben. Ich muss schon sagen, dass das wirklich auch in meinem persönlichen Leben ein bewegender Grundsatz ist. Als Christ muss man auch in der Gesellschaft leben. Und diese Gesellschaft dann auch mitgestalten wollen.

Der persönliche Bezug kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass du politisch tätig bist?

Genau. Ich bin Präsident der jungen CVP des Kantons Fribourg. Die christlich-demokratische Volkspartei. Das ist eine christdemokratische Partei im Stil der CDU oder der CSU in Deutschland oder das "Partido popular" in Spanien. Das ist eigentlich eine weitverbreitete politische Tendenz. Auf jeden Fall in Europa und ich glaube auch in Südamerika. In dieser Ideologie will ich mich verankern.

Also ist Politik und Glaube ein wichtiges Thema für dich. Wie geht das zusammen? Du sagst, man müsse in der Gesellschaft mitgestalten, sich einbringen, Mitverantwortung tragen, aber das ist ja auch sehr aufreibend. Wie kann man immer zu dieser Überzeugung stehen?

Ich habe nicht gesagt, dass es einfach ist. Aber ich glaube, dass man es tun muss. Ich weiss nicht, ob der Christ die Möglichkeit hat, zu wählen oder sich aus der Gesellschaft zurückzuziehen. Vielleicht nicht alle Christen. Aber es ist sehr schwierig. Und man muss auch eine gewisse Unterscheidung in das Handeln bringen können. Der Kardinal Charles Journet erklärt das so weit, dass die Politik christlich werden muss. Der Christ muss auf eine christliche Art und Weise Politik betreiben. Aber ob es eine christliche Politik gibt, ist eine andere Frage. Man muss nicht in die Politik gehen und sich dann unter das Zeichen der Bibel und der Kirche setzen. Im Gegenteil. Man muss selber den Stoff kennen, den Glauben haben und dann in der Politik Entscheidungen treffen, die auf natürliche Weise in diese Richtung fliessen.

Also muss man selbst durch das Christliche geformt sein, damit man dann auch durch und durch christliche Politik betreiben kann? Kann man nicht mit dem Katechismus oder der Bibel in der Hand kommen und sagen, dass man das so und so machen muss? Kann man in der Politik sagen:" Da. Diese Bibelstelle müssen wir befolgen"?

Nein. Nicht so direkt. Ich will jetzt da nicht die Bibel disqualifizieren. Überhaupt nicht. Aber Politik ist etwas viel zu komplexes, um es so einfach angehen zu können. Und da muss man vorsichtig sein.

Und jetzt in Bezug auf deine Partei. Ihr habt das C auch im Namen. Wie kommt dieses C, das christliche, in Bezug auf die politische Partei auch zum Ausdruck? Ist das immer eindeutig, oder muss man auch manchmal Diskussionen über Entscheidungen führen? Ist man sich dessen bewusst, was Christsein bedeutet?

In der Partei gibt es immer solche Diskussionen. Ich weiss, dass es viele verschiedene Tendenzen innerhalb jeder Partei gibt. So auch in meiner. So muss man meistens gut argumentieren können. Sogar innerhalb der Partei, bevor man dann in die Welt hinaus treten kann und eine gewisse Botschaft verkünden darf. Um argumentieren zu können und es schon innerhalb der Partei in eine gute christliche Richtung zu führen zu können, muss man selber wissen welche diese Richtung sein könnte und welche Argumente dafür sind. Es ist fast schon eine Glaubensvermittlung durch die Vernunft.

Gerade in der heutigen Zeit, in der heutigen Gesellschaft ist da eine sehr grosse Notwendigkeit für den Dialog. Sei es mit anderen Religionen, anderen Konfessionen aber auch mit Ungläubigen. Bist du dem selbst auch schon begegnet? Vielleicht auch im Studium, wenn die Leute schauen und denken: "Wie kann der Christ sein? Der mit seiner christlichen Partei." Wie gehst du damit um?

Ich gehe eigentlich auf Konfrontationskurs. Ich verstecke es nicht. Ich schreibe es mir aber auch nicht auf die Stirn. Aber sobald es zu einer Diskussion kommt, verteidige ich gewisse Positionen und dann weiss man sofort, wie ich dazu stehe. Die Leute merken dann ziemlich schnell von selber, dass ich Christ bin.

Was macht für dich eine christliche Politik aus? Was ist Politik als Christ? Was sind so Kennzeichen?

Christliche Politik ist sehr kontrovers. Ich weiss nicht, ob ich über das jetzt diskutieren möchte. Aber Politik als Christ. Das ist das Wichtigste. Und das muss auch der Christ verstehen, wenn er in die Politik gehen will. Was man sagt und was man möchte: In der Politik sind immer sehr konkrete Probleme und diese muss man durch praktische Lösungen aus der Welt schaffen. In der Politik, in der wahren Politik hat es wenig Platz für Theorie und für Ideologie. Was eigentlich ziemlich überraschend ist. Aber ich habe das Gefühl, dass es so ist. Die christliche Politik ist vielleicht zuerst im Christen in der Politik verankert. Man muss gewisse Antworten bringen, die dann in Übereinstimmung sind mit seinen Überzeugungen.

Es ist dennoch schwer. Wenn man starke Überzeugung hat, ist man sehr schnell allein, oder auf Einzelposten gestellt. Sei es in der Politik oder im täglichen Leben. Wie pflegst du Gemeinschaft? Hast du dort auch irgendwo Orte, wo du andere Christen triffst, die die gleiche Überzeugung haben, Christen, die etwa im gleichen Alter sind, wo du dich auch darüber austauschen kannst?
Ich habe eigentlich ein grosses Glück, in meiner Ortspartei sind eigentlich ziemlich viele Gleicheingestellte wie ich. Und alles, was Politik und Glauben-leben angeht, da finde ich wirklich viel Rückhalt und Gesprächspartner.

Dann möchte ich mich bedanken für dieses überzeugende Zeugnis und wünsche dir weiterhin viel Glück in der Partei und der Politik. Auch Ihnen, liebe Zuschauer, vielen Dank fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.


Mit Blaise Fasel, Präsident der JCVP des Kantons Fribourg, unterhielt sich Thomas Fries.
Fribourg, 21. Oktober 2011.
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