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Basil Schweri, Hochschulseelsorger im Aki Bern

Basil Schweri, Hochschulseelsorger im Aki Bern, im Talk mit Martin Niederer. Herr Schweri erzählt über seine Arbeit als Hochschulseelsorger. Er macht sie aus Leidenschaft und will seine Arbeit nicht als Job verstanden wissen. Er will für die Studierenden da sein, sie auf ihrem Weg begleiten. Deshalb ist ihm ein offenes Angebot wichtig. Ein Angebot, das von den Studenten inspiriert und mitgetragen wird.
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Ein Gespräch mit Basil Schweri, Hochschulseelsorger im Aki Bern

Hallo und herzlich willkommen zum KathTalk. Heute wird es bei uns akademisch. Bei mir zu Gast ist jemand, der als Seelsorger der Studierenden an der Universität arbeitet. Es ist Basil Schweri, er ist 29 Jahre und hat früher Theologie und Philosophie studiert. In den Fächern Religion und Philosophie hat er nachher auch die Ausbildung zum Gymnasiallehrer gemacht, die er vor kurzem abgeschlossen hat. Seit drei Jahren arbeitet er beim Aki, das ist das Zentrum der katholischen Hochschule und Universitätsgemeinde der Universität Bern. Über diese Arbeit wollen wir heute mit ihm reden.
Herzlich willkommen Basil. Schön, dass du dir Zeit nimmst. Du bist Seelsorger für die Studierenden, ich nehme nicht an, dass du das schon als kleines Kind machen wolltest. Wie bist du zu diesem Job gekommen?

Als erstes finde ich den Ausdruck Job komisch. Ich mache es aus Leidenschaft. Wenn es nur ein Job wäre, würden die Menschen merken, dass ich nur meine Stunden absitzen würde. Aber du hast recht. Es ist nicht sofort entstanden. Ich wollte immer Lehrer werden. Schon als kleines Kind. Zuerst Kindergärtner, als Primarschüler, Primarlehrer, als Bezschüler, dann Bezirksschullehrer. Beim Gymnasium hat es dann gestoppt. Da wollte ich nicht mehr Professor werden. Nachher hat sich dann die Frage gestellt, welchen Fächer ich studieren möchte. Da standen natürlich die Hauptfächer im Zentrum. Mathematik, Deutsch und Geschichte. Letztlich habe ich mir dann gesagt, dass ich etwas studieren sollte, was ich auch gerne studieren würden. Nicht nur, damit ich nachher das Papier dazu habe, zu unterrichten. So bin ich auf Theologie gekommen, was mich schon lange interessiert hat. Aber dann habe ich im ersten Jahr nach der Matur, als ich dann zuerst Philosophie und Germanistik studiert habe, gemerkt, dass mir Theologie viel mehr liegt. Während dem Studium habe ich dann auch die Hochschulseelsorger und die Jesuite, die die meisten Hochschulseelsorger in der Schweiz leiten, kennengelernt. Ich habe dann meine Gymnasiumausbildung in Bern fertig gemacht und dann war in Bern auch sofort eine Praktikumsstelle ausgeschrieben. Diese wollte ich packen, um einmal Hochschulseelsorger kennenzulernen. So bin ich in die Aki reingekommen und schlussendlich Seelsorger geworden. Dann mussten die Jesuiten leider von Bern weggehen, aber es gab eine Lücke und ich konnte bleiben.

Was fasziniert dich an der Seelsorge?

Was mich fasziniert ist, dass ich für die Menschen da sein kann. Die Menschen auf ihrem Weg begleiten zu können, finde ich das Spannendste.

Es gibt überall Seelsorger. Im Spital, am Bahnhof, etc. Du bist jetzt an der Uni. Was ist da das Spezielle? Was muss ich mir darunter vorstellen, wenn es heisst Universitätsseelsorge? Was macht ihr den ganzen Tag?

Manchmal kommen den ganzen Tag Leute und ich muss um elf Uhr schliessen, wenn der Letzte gegangen ist. Manchmal bin ich auch schon um sieben Uhr da. Aber das Hauptthema ist, für die Studierenden da zu sein. D.h. sie auf allen Ebenen zu begleiten. Von Spiritualität, wo es um Gott geht, bis zur Auseinandersetzung mit Themen, die sie beschäftigen. Gemeinschaftliche Anlässe, etc.

Wenn Studierende mit Themen auf dich zu kommen, was sind das für Themen? Was haben sie für Sorgen, womit kommen sie zu dir?

Ich würde sagen, dass die zwei wichtigsten Themen einerseits Glaubensfragen und andererseits Studiumsfragen sind. Stress im Studium, Prüfungsstress, Prüfungsdruck etc. Das sind die zwei Hauptpunkte.

Wenn du Studiumsfragen sagst: Hast du dich da hineingearbeitet oder kannst du von deinem eigenen Fundus heraus antworten?
Ich kann sicher auch aus meinem eigenen Studium viel mitgeben. Ich habe aber auch viel gelesen. Eigene Erfahrungen sind aber immer stärker.

Und was kommen für Glaubensfragen?

Das ist sehr verschieden. Das kann ich nicht in einen Satz fassen. Wichtige Frage sind sicher mal allgemein, bei jemandem, der den Glauben sucht. Fragen nach dem warum, warum ich glaube und was der Hintergrund ist. Aber auch Lebenszweifel etc.

Kommen da auch viele Studierende, die gar nicht glauben, oder sind die oft katholisch?

Das ist enorm breit, weil wir wirklich für alle Menschen da sind. Und dann gibt es anfangs Semester für alle Studierende, die wollen, einen Workshop, um den Einstieg ins Studium zu erleichtern. Da kommen sehr viele Verschiedene. Es ist sehr bunt. Es gibt wirklich die ganze Bandbreite. Das finde ich spannend. Das braucht auch eine riesige Offenheit von allen Seelsorgern. Die Einstellungen sind ganz verschieden.

Wenn du aus dieser Bandbreite eins, zwei rausziehst, was waren die Spannendsten Begegnungen? Erinnerst du dich an Spezielle? Mit Studierenden, was beeindruckt dich da? Etwas, was du immer noch mitträgst…

Am meisten beeindruckt mich bei Studierenden, ihnen ein Feuer zeigen zu können, für irgendein Thema, welches sie machen wollen. Vor allem Studierende, die wirklich studieren, weil sie ein Fach brennend interessiert. Das finde ich sehr spannend.

Wer ist denn da z. B. schon einmal gekommen?

Das sind alles so kleine Begegnungen. Wenn ich merke, dass die Person fürs Fach lebt und sehr leidenschaftlich ist, das gefällt mir sehr. Aber wenn du die eindrücklichste Begegnung ansprichst: Wir haben auch viele Themenabende, da hatten wir Besuch von Hanspeter Latour, das ist ein Fussballtrainer. Der hat einen Abend zum Thema Motivation gestaltet. Er hat mit so einem Feuer und mit Leidenschaft gesprochen, dass er mich total begeistert hat. Das war für mich ein grosses Highlight.

Jetzt hast du gesagt, ihr macht Themenabende, Workshops etc. Gebt ihr die Themen von der Aki-Leitung vor, oder nehmt ihr auch Inputs von den Studierenden auf?

Es ist sehr wichtig, dass eigentlich die Studierenden im Zentrum stehen. Von ihnen kommen die Impulse, welche Themen wir behandeln. Die Themen sind auch fast alles Inputs von den Studierenden, und in denen unterstützen wir sie. Wir wollen unbedingt, dass die Studierenden selber aktiv werden. Dass sie selber sagen können, wie sie den Anlass mitgestalten wollen.

Kommt da viel von den Studierenden, oder sind das oft ihr, die das Zeug zusammensuchen müsst?

Es gibt beides. Es gibt ein paar Anlässe, wo die Studierende auf dich zukommen und sagen: "Komm mach doch mal etwas in diese Richtung." Aber es gibt auch viele Situationen, wo du sie ermunterst, wo wir dann auch mehr auf sie zugehen. Sie fangen aber schnell Feuer.

Ich war bei euch auf der Homepage vom Aki Bern. Und habe dort gelesen, was das Aki ist. Und da stand, dass das offen ist für alle Studierende. Und da stand auch, dass ihr offen seid für persönliches Arbeiten. Und da fragte ich mich, ob ihr auch eine Oase, eine Aushilfe für die überfüllten Bibliotheken seid. Wie ist das bei euch?

Ganz wichtig ist sicher die Gastfreundschaft, dass sich die Studierenden wohl fühlen. Dass sie merken, dass die Kirche ihnen Raum gibt, um sich entfalten zu können. Und wenn man die Räumlichkeiten hat, und wir für sie da sind, ist es logisch, dass wir eine rechte Gastfreundschaft pflegen.

Hat es schon gegeben, dass kritische Stimmen auf euch zugekommen sind, die gesagt haben, dass man euch nicht bräuchte und Religion hinter dem Mond ist, etc.?

So direkt eigentlich noch nie. Aber ich glaube, dass man sich diese Frage auch immer wieder stellen muss. Ob es diese Institution wirklich braucht. Aber wichtig ist sicher, dass wir für die Studierenden in irgendeiner Form da sind. Für sie da sein finde ich immer sinnvoll und das hat noch nie jemand bezweifelt.

Wie siehst du allgemein die Zukunft der Universitätsseelsorge? In welche Richtung soll es gehen? Es gibt ja verschiedene Formen. Was schwebt dir vor?

Das Modell, dass wir Wegbegleiter der Studierenden sind, finde ich sehr gut.

Aber braucht es weiterhin ein Haus, oder reicht es, wenn ihr überall punktuell an der Uni präsent seid?

Die Räumlichkeiten finde ich enorm wichtig. Es ist sehr gut gelegen. Ein sehr schönes Haus und ich denke, dass man dort gerne hingeht. Wenn wir nur punktuell da wären, dann ist das, was wir bis jetzt wollten gar nicht mehr möglich. Für sie da zu sein, einen Raum bieten zu können, die Infrastruktur. Das könnte sehr schwierig werden, wenn wir nur noch Dienstleister wären.

Wie sieht deine persönliche Zukunft aus? Wirst du weiterhin im Aki sein, wirst du die Studierenden weiterhin begleiten?

Ich möchte in Zukunft sicher weiter dort sein. Solange ich Feuer dafür habe, es gerne mache und die Überstunden nicht zähle, möchte ich da sein. Bis ich merke, dass es nicht mehr das Richtige ist, oder den Draht zu den Studierenden verliere. Dann werde ich aufhören. Das ist aber in der nächsten Zeit noch nicht geplant.
Dann hoffe ich für dich, dass dein Feuer für die Leidenschaft, die Begleitung der Studierenden in Sorgenfragen und Themen , die sie haben, noch lange da sein wird. Vielen Dank, dass du da warst und Auskunft über deine Arbeit gegeben hast! Alles Gute!
Und auch euch liebe Zuschauerinnen und Zuschauer danke ich vielmal fürs Interesse von diesem KathTalk. Wenn ihr immer up to date sein wollt, dann tragt euch beim Newsletter von KathTalk hier auf der Homepage ein. Dann bekommt ihr immer eine Mail, wenn ein neues Viedeo aufgeschaltet wird. Ihr könnt euch auch bei der Facebookgruppe eintragen, dann seid ihr auch immer auf dem Laufenden. Es würde mich freuen, wenn ihr das nächste Mal wieder dabei seid. Bis dahin eine gute Zeit.


Mit Basil Schweri, Hochschulseelsorger im Aki Bern, unterhielt sich Martin Niederer.
Fribourg, 25. November 2011.
© 2011 HASLER4u GmbH


Danke Herr Basil Schweri für Ihren Beitrag zum Thema Hochschule und Seelsorge in unserer Zeit. Habe mit meiner Ehefrau auch den Text gelesen, wir finden dort ist der Finger auf der richtigen Taste!
Viel weitere Erfolge und Gottes Segen für die kath. Hochschulseelsorge

Elisabeth & Georg Henning aus Düsseldorf
Ich bin eine Freiwillige in der Basler KUG. Bravo, Hr.Basil Schweri, das Gespräch war sehr interessant. Zu meiner Studienzeit fehlte uns diese Hilfe! Ich finde. dass Hochschulseelsorge auch ein wichtiger Treffpunkt für /Katholische/ Akademiker sein muss. Deshab gibt es bei uns in Basel eine feine KUG-Bibliothek (auch online), die als Grundlage für spannende Begegnungen und Gespräche dienen kann. Ich wünsche Euch viel Erfolg in Bern und besten Dank, weil ich im wunderbaren AKI-Garten in Bern sehr schöne Stunden (Lehrbeauftragte in UNIBE) verbingen durfte. Gott segne Eure Bemühungen zum Wohl vieler Suchenden! Lb.Gruss Ljudmila Schmid-Semerl

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